Entscheidender Fortschritt bei Behandlungen zur Beinverlängerung5. Februar 2019 Durch das neue Implantat zur Beinverlängerung kann auf Rollstuhl oder Gehstützen nach der OP nahezu komplett verzichtet werden. Foto: © C. Schüßler – Fotolia.com Ein neuartiges Implantat für Beinverlängerungen wird seit kurzem an der LMU München verwendet. Es erlaubt bei geeigneten Patienten schon während der Beinverlängerung volle Gewichtsbelastung. Dies ermöglicht einen schnelleren Heilverlauf und eine entscheidende Verbesserung des Behandlungskomforts. Insbesondere bei beidseitigen Beinverlängerungen lässt sich somit eine Halbierung der Behandlungsdauer erzielen. Bislang gliederte sich die Knochenneubildung einer Beinverlängerung in drei Phasen: Distraktionsphase, Konsolidierungsphase und Remodelling. Eine mangelnde Stabilität bisheriger vollimplantierbarer Verlängerungsmarknägeln ließ während der Distraktionsphase und eines Teils der Konsolidierungsphase keine Vollbelastung zu. In Abhängigkeit der Distraktionsstrecke und des Heilverlaufes waren die Pateinten deshalb viele Monate, gelegentlich bis zu einem Jahr und mehr, auf zwei Gehstützen oder gar einen Rollstuhl angewiesen. Durch die neuen, vollbelastbaren Implantate ist es erstmals möglich, auf Gehstützen oder Rollstuhl nahezu komplett zu verzichten. Zudem wird der Heilungsverlauf durch die wesentlich verbesserte Mobilität in fast allen komplexen Belangen beschleunigt, die eine Beinverlängerung begleiten. Es handelt sich um das erste derartige in Europa zugelassene Implantat. Die Chirurgische Klinik Innenstadt des LMU-Klinikums hat eine lange Tradition in den drei „D“s: der Rekonstruktion von knöchernen Defekten, Deformitäten und in der Behandlung von Beinlängendifferenzen. Der Direktor der Klinik in den 1930er Jahren, Erich Lexer, wurde unter anderem durch den sogenannten „Lexerprügel“ berühmt. Es handelt sich um eine auch heute noch gelegentlich angewandte Technik zur Rekonstruktion von langstreckigen Knochendefekten durch Transplantation von Leichenknochen. In den späten 1970er Jahren präsentierte die Orthopädische Klinik des LMU-Klinikums erstmals eine vollimplantierbare, elektromotorisch angetriebene Platte zur erfolgreichen Verlängerung eines Oberschenkels bei Beinlängendifferenz. Und zu Beginn der 1990er Jahre kam aus der Chirurgischen Klinik Innenstadt der erste elektromotorisch angetriebene Marknagel zur Beinverlängerung und zur Rekonstruktion von Knochendefekten.
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