Entscheidungsprozesse sind weit über das Gehirn verteilt

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Bislang wurde angenommen, dass das menschliche Gehirn ein spezialisiertes Zentrum für Entscheidungsprozesse besitzt. Eine Forschergruppe des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat nun herausgefunden, dass selbst bei einfachen Entscheidungen eine große Zahl von weit über das Gehirn verteilten Regionen miteinander sprechen.

“Während Versuchspersonen undeutliche sensorische Reize interpretieren, um so zwischen einer von zwei Handlungsoptionen auszuwählen, senden Regionen für die Handlungsplanung kontinuierlich Rückmeldung an Regionen für die Verarbeitung der sensorischen Reize. Folglich sagt die Aktivität in all diesen Hirnregionen die spätere Handlung der Versuchsperson voraus“, erklärt Prof. Tobias Donner aus dem Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie des UKE.

Für ihre Studie hat die UKE-Arbeitsgruppe neuartige Verfahren zur Analyse zeitlich und räumlich hochauflösender Messungen der Hirnaktivität mittels der sogenannten Magnetoenzephalographie (MEG) entwickelt. Dadurch gelang es den Forschenden erstmals, den Zeitverlauf des Entscheidungsprozesses über fast 200 Regionen der menschlichen Großhirnrinde abzubilden.

Originalpublikation:
Donner T et. al. Large-scale dynamics of perceptual decision information across human cortex. Nature Communications 2020;11:5109.