Entzündliche Darmerkrankungen: Ernährungsveränderung und Antibiotika erhöhen das Risiko

Darmflora
Illustration Darmflora © Alex – fotolia.com

Einer der wichtigsten ätiologischen Hinweise auf eine chronisch-­entzündliche Darmerkrankung (inflammatory bowel disease [IBD]) ist – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen – basierend auf epidemiologischen Studien der vorangegangene Einsatz von Antibiotika bei den betreffenden Personen.

Manche Veränderungen in der Ernährungsweise, so schlussfolgert der Autor einer aktuellen Studie aus seinen Beobachtungen, stellen für Erwachsene möglicherweise ein Risiko dar. Für Kinder jedoch mangele es an Daten, die sich auf die Ernährung vor der Entwicklung einer IBD beziehen. „Sowohl die Einnahme von Antibiotika als auch Veränderungen die Ernährung betreffend können Einfluss auf das Darmmikrobiom haben, was wiederum die Immunantwort im Darm beeinflussen kann“, schreibt Dr. Charles N. Bernstein von der University of Manitoba in der Zeitschrift „Alimentary Pharmacology & Therapeutics“.

Der Wissenschaftler erstellte eine Übersicht von Studien, in denen Faktoren identifiziert worden waren, die bei Kindern und Erwachsenen mit der Entstehung einer IBD in Zusammenhang stehen. Im Mittelpunkt standen dabei epidemiologische Studien und solche, in denen das Darmmikrobiom eine Rolle spielte.

Es sei gezeigt worden, dass der Einsatz von Antibiotika mit der Entwicklung eines Morbus Crohn in der Kindheit assoziiert ist (Odds Ratio [OR] 2,75; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,72–4,38). Stillen wurde als einer IBD vorbeugend beurteilt (OR 0,69; 95 %-KI 0,51–0,94), wobei es aber laut Bernstein zur wenige Daten dazu gibt, wie sich die Dauer des Stillens und die Zeit bis zur Einführung von Flaschenmilch und fester Nahrung auswirken. Auch Antibiotika und Änderungen der Ernährungs­gewohnheiten könnten bei Erwachsenen das Risiko für IBD verstärken.

Sowohl Rauchen (OR 1,76; 95 %-KI 1,40–2,22) als auch die Verwendung oraler Kontrazeptiva (relatives Risiko 1,46; 95 %-KI 1,26–1,70) erhöhen laut Bernstein das Risiko für M. Crohn und sind mit schlechteren Outcomes der Erkrankung assoziiert. Es sei unklar, ob der Einfluss dieser Faktoren durch das Darmmikrobiom vermittelt werde.

Fazit
Sowohl der Einsatz von Antibiotika als auch die Ernährungsumstellung können das Darmmikrobiom beeinflussen, was wiederum die Darmreaktion beeinflussen kann.

Autor: Bernstein CN
Korrespondenz: Dr. Charles N. Bernstein, University of Manitoba IBD Clinical and Research Centre, Department of Internal Medicine, Max Rady College of Medicine, University of Manitoba, Winnipeg, MN, Kanada; [email protected]
Studie: Review article: changes in the epidemiology of inflammatory bowel disease-clues for aetiology
Quelle: Aliment Pharmacol Ther 2017;46(10):911–919.
Web: onlinelibrary.wiley.com