Entzündliche Darmerkrankungen: Gene und Tabak modifizieren das Risiko

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Die Rolle, die Nikotinkonsum in der Ätiologie entzündlicher Darmerkrankungen (inflammatory bowel disease [IBD]), spielt, hängt offenbar von Genvarianten ab. Eine Arbeitsgruppe aus Dänemark hat Interaktionen von Genen und Nikotinkonsum untersucht, die das Risio für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beeinflussen. Analysiert wurde dies in einer Studie, die ausschließlich entsprechende Patienten umfasste (10.856 mit M. Crohn, 8879 mit C. ulcerosa), sowie an einem IBD-Mausmodell.

Die Studienautoren identifizierten 64 Einzel-Nukleotidpolymorphismen (single nucleotide polymorphism [SNP]), bei denen der Zusammenhang mit IBD durch Nikotinkonusm modifiziert wurde (Metaanalyse: Wald-Test; p<5,0 × 10-5; Heterogenität: Cochrane-Q-Test; p>0,05). Von diesen Varianten lagen 20 in der HLA-Region auf 6p21. Die Analyse klassischer HLA-Allele ergab eine Interaktion mit Nikotinkonsum. Die Wissenschaftler replizierten die Interaktion einer Variante von NOD2 mit aktuellem Nikotinkonsum in Relation zum M.-Crohn-Risiko (Rastervariante fs1007insC; rs5743293).
Die Forscher identifizierten 2 Varian­ten in derselben Genomregion (rs2270368 und rs17221417) die bei Rauchen in Relation mit dem Risiko für M. Crohn interagieren. Etwa 45 % der SNP, die in Interaktion mit dem Nikotinkonsum stehen, befanden sich in enger Nachbarschaft (≤1 Mb) zu SNP, die schon früher mit IBD in Zusammenhang gebracht worden waren. Viele befanden sich nah bei oder innerhalb von Genen, die die Funktion der Mukosabarriere und die Immuntoleranz regulieren.

Nikotinkonsum modifizierte das Krankheitsrisiko einiger Varianten in entgegensetzter Richtung für M. Crohn und C. ulcerosa.
Wurden die Tiere des Mausmodells, denen Interleukin-10 fehlte, mit Zigarettenrauch in Kontakt gebracht, beschleunigte dies im Vergleich zu rauchexponierten Tieren des Wildtyps die Entwicklung einer Colitis und erhöhte die Expression von Interferon-γ im Dünndarm. Mäuse ohne NOD2, die Zigarettenrauch ausgesetzt wurden, entwickelten eine Ileitis, die sich im Vergleich zu rauch-exponierten Tieren des Wildtyps durch eine erhöhte Expression von Interferon-γ auszeichnete.

Autoren: Yadav P et al.
Korrespondenz: Prof. Vibeke Andersen, Hospital of Southern Jutland, Kresten Philipsens Vej 15, 6200 Aabenraa, Dänemark; [email protected]
Studie: Genetic Factors Interact With Tobacco Smoke to Modify Risk for Inflammatory Bowel Disease in Humans and Mice
Quelle: Gastroenterology 2017;153(2):550–565.
Web: www.gastrojournal.org