Epstein-Barr-Virus: DZIF und Helmholtz Munich entwickeln einen Impfstoff

1980 Dr. P. Feorino Using the fluorescent antibody (FA) staining technique, this photomicrograph revealed the cumulative effect of the Epstein-Barr virus on cells of unknown origin. EBV is a member of the Herpesvirus family, and is one of the most common human viruses. When infection with EBV occurs during adolescence, or young adulthood, it causes infectious mononucleosis 35% to 50% of the time. EBV has also been determined to be a cause of Burkitt’s lymphoma and nasopharyngeal carcinoma.

Eine aktuelle Studie aus den USA hat einen engen Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus und der Multiplen Sklerose gezeigt. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung am Forschungszentrum Helmholtz Munich entwickeln bereits einen Impfstoff, der 2023 in die klinische Prüfung gehen könnte.

Dass das Epstein-Barr-Virus (EBV) in engem epidemiologischen Zusammenhang mit Multipler Sklerose steht, ist lange klar. Doch ist es auch die Ursache, wie es die jüngst in “Science” veröffentlichte US-Studie nahelegt? Prof. Wolfgang Hammerschmidt von Helmholtz Munich und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) schränkt das ein: „Die Studie macht es sehr wahrscheinlich, dass eine EBV-Infektion Voraussetzung für Multiple Sklerose ist; das heißt aber noch nicht, dass es die Ursache ist.“

In einem Punkt aber ist Hammerschmidt sich sicher: „Ein Impfstoff gegen EBV wäre von großer Bedeutung im Hinblick auf verschiedene Krankheiten – Multiple Sklerose ebenso wie das Pfeiffer‘sche Drüsenfieber.” Der Wissenschaftler forscht seit vielen Jahren an EBV, unter anderem auch im Verbund im DZIF, und hat gute Neuigkeiten: „Wir haben jetzt einen Impfstoffkandidaten, für den der qualitätsgesicherte Herstellungsprozess aktuell optimiert wird.“ Das ist die Vorstufe zu weiteren Arbeiten, die im wesentlich dazu dienen, den komplett entwickelten und sicher hergestellten Impfstoff in klinischen Prüfungen zu testen. „Wir denken, dass wir diesen Punkt 2023 erreichen werden“, erklärt Hammerschmidt.

Virus-ähnliche Partikel täuschen eine Infektion vor

Die Entwicklung des Impfstoffkandidaten begann bei Helmholtz Munich vor etwa 20 Jahren mit der Konstruktion Virus-ähnlicher Partikel (VLP) und wurde parallel dort und am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg fortgeführt. Diese VLP bestehen aus Virusproteinen und einer Membran und haben die Struktur perfekter Viruspartikel, enthalten aber kein Erbgut des Virus. Die authentische Komposition der VLP signalisiert dem Immunsystem aber eine EBV-Infektion, und die VLPs lösen so eine Abwehrreaktion, eine hochspezifische Immunantwort aus. Sie sind ein sicherer und vielversprechender Impfstoffkandidat, da sie humorale und zelluläre Immunantworten effizient induzieren können.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Impfstoff die Entstehung des Pfeiffer’schen Drüsenfiebers und des daran häufig gekoppelten chronischen Erschöpfungssyndroms sehr effizient verhindern wird“, erklärt Hammerschmidt und ergänzt: „Da das Pfeiffer‘sche Drüsenfieber ein bekannter Risikofaktor für Multiple Sklerose ist, wird der Impfstoff auch die Häufigkeit dieser chronischen neurodegenerativen Autoimmunkrankheit reduzieren. Darüber hinaus wird er Immunsupprimierte vor dem Entstehen eines typischen B-Zell-Lymphoms schützen.“