ERC-Consolidator Grants für Charité-Forschende21. März 2022 Danionella cerebrum: 12 Millimeter klein und so transparent, dass durch das Gehirn hindurch selbst das dahinterliegende Auge sichtbar ist. © Charité | Judkewitz Lab 313 Forschenden aus 24 europäischen Ländern gehen als Gewinner des jüngsten Wettbewerbs um Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) hervor, unter ihnen zwei Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Eines der neuen Vorhaben wird sich mit der Regulation des Körpergewichts und Krankheitsursachen im Umfeld des menschlichen Erbgutes beschäftigen. Ein weiteres möchte zum grundlegenden Verständnis von Mechanismen des Hörens beitragen. Beiden Projekten stehen jeweils knapp zwei Millionen Euro für eine Laufzeit von fünf Jahren zur Verfügung. Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrates – European Research Council (ERC) – sind dazu bestimmt, Forschungsteams zu festigen und Pionierforschung zu frei gewählten Themen mit Methoden der Wahl zu ermöglichen. Unterstützt werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in der Mitte ihrer Laufbahn befinden und deren Arbeiten das Potenzial einer weitreichenden Wirkung besitzen. Dem Charité-Neurobiologen Prof. Benjamin Judkewitz wie auch dem Endokrinologen Prof. Peter Kühnen ist es gelungen, das Auswahlgremium des ERC mit ihren Vorhaben zu überzeugen.GlassBrain: Wie werden Klänge durch Körper und Gehirn verarbeitet?Judkewitz arbeitet an Methoden, die Einblicke in intakte Gewebe, beispielsweise Netzwerke von Nervenzellen, ermöglichen. Sein Ziel: Gehirne in Aktion beobachten und auf diese Weise zur Aufklärung zellulärer Interaktionen in neuronalen Netzwerken beitragen. Der Professor für Bioimaging und Neurophotonics konnte hierzu gemeinsam mit seinem Team ein Modell für die Neurowissenschaft identifizieren: den winzigen Fisch Danionella cerebrum. Er ist eines der kleinsten lebenden Wirbeltiere und über seine gesamte Lebensspanne hinweg fast vollkommen transparent. Obwohl Danionella das kleinste bekannte Wirbeltiergehirn hat, zeigt der Fisch eine Vielzahl komplexer Verhaltensweisen, einschließlich akustischer Kommunikation. Im Projekt GlassBrain wird sich die Gruppe um Prof. Judkewitz einer bislang ungelösten Frage stellen: Auf welche Weise können Fische eine Schallquelle lokalisieren? Die Arbeiten sollen erstmalig die gesamte Verarbeitungskette vom akustischen Reiz über die mechanische Übertragung im Körper bis hin zur hirnweiten neuronalen Aktivität auf Einzelzellebene aufzeigen. Die Forschenden werden Ansätze der Verhaltensbiologie, Biophysik und Physiologie kombinieren, um Theorien der Schalllokalisierung zu testen und zu erweitern. Die Untersuchungen sollen einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis der Hörmechanismen bei Fischen und des evolutionären Ursprungs des Hörens bei Wirbeltieren leisten. Über diese Fragen hinaus eröffnet die Arbeit an Danionella eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten, um das intakte Wirbeltiergehirn über die gesamte Lebensspanne hinweg optisch erforschen zu können – etwa durch funktionelle Bildgebung und gezielte Photostimulation. Die Arbeit könnte somit den Weg für ein breites Spektrum an systemischen Untersuchungen in den Neurowissenschaften und in der biomedizinischen Forschung ebnen.
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