ERC Starting Grant für die Erforschung neuromuskulärer Erkrankungen9. September 2020 Neuropathologin Dr. Ruth Stassart (Foto: Universität Leipzig/ Christian Hüller) Dr. Ruth Stassart von der Universitätsmedizin Leipzig untersucht die komplexen Mechanismen, die neuromuskulären Erkrankungen wie den peripheren Neuropathien zugrunde liegen. Der europäische Forschungsrat unterstützt die leitende Oberärztin am Universitätsklinikum Leipzig mit einem ERC Starting Grant in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro. „Neuromuskuläre Erkrankungen können durch Störungen verschiedener Zelltypen wie der Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark, der Stützzellen im Nervengewebe sowie des Muskelgewebes ausgelöst werden. Allen Ursachen gemein ist, dass sie zu Lähmungen der Muskulatur führen. Wie aber lokale Defekte einzelner Zelltypen über das Nervensystem hinweg kommuniziert werden und zu einer fortschreitenden Schädigung des gesamten Systems führen, ist leider bisher kaum verstanden“, erklärt Dr. Ruth Stassart von der Universitätsmedizin Leipzig. In der Erforschung dieser Mechanismen sieht die Neuropathologin einen bedeutenden Weg für die Entwicklung therapeutischer Strategien. Das Rätsel des räumlichen Zusammenspiels und die Wechselwirkungen verschiedener Zelltypen im neuromuskulären System möchte die Wissenschaftlerin mit zwei Strategien lösen: Sie wird mithilfe von Mausmodellen zum einen die genetische Aktivität des gesamten neuromuskulären Systems kartieren, und diese Aktivität zum anderen gezielt manipulieren. Mittels hochmoderner Einzelzelldiagnostik kann gleichzeitig die molekulare Signatur Tausender an der Erkrankung beteiligter Zellen analysiert werden. Das zehn Personen starke Forschungsteam um Stassart entwickelte dafür eine Herangehensweise, mit der sich die zelluläre und molekulare Vielfalt des Nervensystems mit bisher unerreichter Auflösung untersuchen lässt. „Damit Zellen aktiv sein können, müssen sie ihre Gene ablesen, um Bausteine und Werkzeuge herstellen zu können. Durch einen Vergleich der abgelesenen Gene in verschiedenen Zelltypen und Bereichen des neuromuskulären Systems, erhoffen wir uns Einblicke in mögliche relevante Erkrankungsmechanismen“, erläutert sie die wissenschaftliche Methode. Darauf aufbauend kommen ultrahochauflösende elektronenmikroskopische Verfahren sowie genetische Techniken zum Einsatz, mit denen sich im Mausmodell gezielt bestimmte Eigenschaften des Nervensystems lokal begrenzt manipulieren lassen. „Wenn wir die Interaktion der Zellen im neuromuskulären System besser verstehen, können wir in Zukunft auch die Schädigungsmechanismen bei Erkrankungen wie Neuropathien, der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), aber auch der Multiplen Sklerose (MS) besser nachvollziehen. Die Ergebnisse könnten somit den Weg für eine bessere Behandlung dieser Erkrankungen ebnen“, erklärt Stassart das langfristige Ziel ihrer Forschung. Dabei unterstützt sie der Europäische Forschungsrat mit dem ERC Starting Grant. „Diese Auszeichnung ehrt uns sehr“, sagt die 39-Jährige. „Unser Team ist jetzt noch motivierter, die Arbeit am Wissenschaftsstandort Leipzig weiter zu vertiefen.“
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