ERC Starting Grant für die Untersuchung gynäkologischer Gewalt13. September 2023 Foto: © Photographee.eu – stock.adobe.com Die Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Céline Miani wird mit dem ERC Starting Grant der EU gefördert. Mit einer Fördersumme von knapp 1,39 Millionen Euro wird ihr Projekt zur Erforschung gynäkologischer Gewalt in Deutschland für fünf Jahre an der Universität Bielefeld unterstützt. Damit eröffnet sie ein neues Forschungsgebiet, das in dem geplanten Umfang bisher nur wenig untersucht wurde. Mit dem mixed-methods Ansatz und interdisziplinärerer Forschung können so neue Erkenntnisse gewonnen werden, um die Gesundheit von Patientinnen zu verbessern. Gewalt in der Geburtshilfe und der gynäkologischen Versorgung ist ein globales Phänomen im Gesundheitssystem. Es handelt sich um eine systematische und geschlechtsspezifische Form von Gewalt gegen Gebärende und Patientinnen. Gewalt in diesem Kontext bezieht sich nicht (nur) auf körperliche Gewalt, sondern auf suboptimale Erfahrungen in der Versorgung, die als missbräuchlich oder entmenschlichend empfunden werden können (zum Beispiel medizinische Handlungen ohne vorherige Einwilligung, Nichtbehandlung von Schmerzen, oder Diskriminierung). Im Gegensatz zur Gewalt in der Geburtshilfe ist Gewalt in der gynäkologischen Versorgung noch nicht erforscht. Dabei können viele Menschen im Laufe ihres Lebens solcher Gewalt ausgesetzt sein, etwa wenn sie gynäkologische Behandlungen in Anspruch nehmen, beispielsweise bei starken Schmerzen während der Periode, Kinderwunsch, gynäkologischen Krebserkrankungen, den Wechseljahren oder bei Infektionen. Um diese Form der Gewalt wissenschaftlich untersuchen zu können, wurde nun das Forschungsprojekt GYNVEPI (Toward an epidemiology of gynaecological violence) von Miani mit dem ERC Starting Grant mit einer Fördersumme von knapp 1,39 Millionen Euro ausgelobt. Für die kommenden fünf Jahre kann Miani so mit unterschiedlichen Methoden wie Reviews, Workshops, Interviews, Umfragen oder mit Hilfe von digitalen Plattformen umfangreiche Studien erheben, die das Thema Gewalt in der gynäkologischen Versorgung in Tiefe beleuchten.Miani ist es besonders wichtig zu betonen, dass in ihrem Forschungsprojekt Gewalt nicht unbedingt als Folge böswilliger Absicht betrachtet wird. Es gehe nicht darum, irgendjemandem die Schuld zu geben, sondern darum, die bisherige Situation zu untersuchen, die oftmals das Ergebnis von Versorgungsystemen und deren Organisation zum Nachteil für die Patientinnen ist. „Das Hauptziel des Projekts ist es, zu verstehen, wie sich die Gewalt manifestiert, welche Bevölkerungsgruppen besonders häufig gynäkologischer Gewalt ausgesetzt sind und welche gesundheitlichen Folgen damit verbunden sind“, sagt Miani: „Wir hoffen, dass wir mit Ärzt*innen, Gesundheitsorganisationen und natürlich Patient*innen zusammenarbeiten können, um Fortschritte bei der Verbesserung der gynäkologischen Versorgung und letztendlich bei der Gesundheit für alle zu erzielen. Durch die ERC-Förderung können wir ein bisher wenig untersuchtes Thema erforschen, Diskussionen anstoßen und benachteiligende Geschlechternormen transformieren. Dieses Projekt wird viel für die Gesundheit von Frauen und Patient*innen gynäkologischer Versorgung im Allgemeinen in Deutschland und darüber hinaus bedeuten.”
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