Erfahrungen mit der zementfreien Totalendoprothese des Hüftgelenks bei Katzen

Dr. Diane Meiler Foto: © Andrea Späth Fotodesign

Dr. Diane Meiler, leitende Oberärztin der Chirurgie der AniCura Tierklinik Haar, berichtet in einem Gastbeitrag für Kompakt VetMed über die Totalendoprothese des Hüftgelenks bei 29 Katzen.

Meiler hat in Budapest und an der LMU München studiert, wo sie auch promovierte. Seit 2008 ist sie in der Tierklinik Haar tätig. Hier schloss Meiler zunächst die Spezialisierung zur Fachtierärztin für Kleintiere ab, anschließend die zur Fachtierärztin für Kleintierchirurgie. Seit 2012 ist sie Oberärztin für Chirurgie und schwerpunktmäßig in der Orthopädie und Unfallchirurgie tätig.

Meiler befasst sich vorwiegend mit komplexen orthopädischen Fällen wie etwa Gliedmaßenfehlstellungen und Patellaluxationen, ihr besonderes Interesse gilt der Endoprothetik. In Deutschland ist sie führend auf dem Gebiet der „computer-aided-design“-Operationstechniken. Auch ist sie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) und an der Ausbildung von Chirurgen in Basis- und Fortgeschrittenenkursen beteiligt. Außerdem ist sie Mitglied der European Society of Veterinary Orthopedics and Traumatology (ESVOT) und offizielle Gutachterin für Patellaluxation. Sie ist als Referentin auf nationalen und internationalen Tagungen tätig.

Vollständige Wiederherstellung der Gelenkfunktion

Die Totalendoprothese des Hüftgelenks hat sich in der Katzenorthopädie als zuverlässige und
effektive Therapie etabliert. Sie ermöglicht die vollständige Wiederherstellung der Gelenkfunktion und garantiert Schmerzfreiheit bei schweren Hüftgelenkerkrankungen wie der „Slipped Capital Femoral Epiphysis“ (SCFE).

Zwischen 2020 und 2025 wurden an der AniCura Tierklinik Haar 29 Prothesen mit dem zementfreien Mini-Zürich-System (Kyon, Dr. Diane Meiler/AniCura Tierklinik Haar Schweiz) implantiert. Zuvor standen für Katzen ausschließlich zementierte Implantate zur Verfügung –
mit allen Nachteilen dieser Technik.

Röntgenbild einer bilateralen Totalendoprothese der Hüftgelenke bei einer Maine Coon Katze. Abb.: © Dr. Diane Meiler/AniCura Tierklinik Haar

SCFE: Main-Coon- und British-Shorthair-Rassekatzen betroffen

Die häufigste Indikation war SCFE (17 Fälle, 11 davon beidseitig), gefolgt von Hüftgelenkdysplasie und Coxarthrose. Acht Katzen erhielten beidseitige Prothesen. Von
den 19 Katzen waren 14 Maine Coons, 4 Britisch Kurzhaar und eine Europäisch Kurzhaar.

Das Durchschnittsalter lag bei 2 Jahren, das mittlere Gewicht bei 7 kg.

Die Operationsplanung erfolgte mithilfe von VPOP-Software und standardisierten Röntgenaufnahmen. Wegen sklerotischer Veränderungen des proximalen Femurs und
Nekrosen am Oberschenkelhals aufgrund der SCFE musste die Technik häufig angepasst werden.

Keine intraoperativen Komplikationen

Besonders die Präparation des Femurkanals gestaltete sich dadurch aufwendig. Meist wurden Schaftgrößen von 5 mm mit 12-mm Pfannen, 8-mm-Köpfen und mittellangem Hals eingesetzt.
Intraoperative Komplikationen traten nicht auf. Bei 3 Katzen mit bilateraler SCFE wurde die Gegenseite zum Zeitpunkt der ersten Operation zusätzlich mit einer Parallelspickung stabilisiert.

Alle Katzen blieben eine Nacht stationär und erhielten 8 Wochen strenge Käfighaltung. Es
konnten von 28 Katzen Röntgenbilder nach diesem Zeitpunkt angefertigt werden sowie von
13 Tieren nach einem Jahr. Komplikationen traten ausschließlich bei beidseitig betroffenen
Katzen auf. Von insgesamt 29 Eingriffen wurden 5 Komplikationen dokumentiert – entsprechend
17,2 Prozent. Dazu zählten 3 kraniodorsale Luxationen – 2 davon bei derselben Katze – sowie 2 Fälle von Pfannenlockerung, einer davon nach einer Revision aufgrund einer kraniodorsalen Luxation.

Bemerkenswert war auch der Zeitpunkt: In 3 Fällen traten die Komplikationen in den ersten
Wochen nach dem Hüftgelenkersatz der Gegenseite auf – nicht nach der ersten Operation.

Revisionen waren in 2 Fällen möglich und verliefen erfolgreich – einmal nach einem Pfannenwechsel, einmal nach Implantation eines längeren Halses. Die Komplikationsrate entspricht internationalen Vergleichsstudien und unterstreicht die Komplexität chronischer SCFE-Fälle.

Alternative zur Femurkopfhalsresektion

Das Mini-Kyon-System hat sich als verlässliche Methode für den zementfreien Hüftgelenkersatz bei Katzen erwiesen. Die Behandlung von SCFE bleibt jedoch technisch anspruchsvoll, da Veränderungen wie Sklerose des proximalen Femurs, Nekrose des Femurhalses, Trochanterhochstand und eine flache Gelenkpfanne die Operation und Platzierung der Implantate erschweren. Vor allem bei bilateraler Erkrankung steigt das Risiko für Komplikationen.

Insgesamt ermöglicht die Totalendoprothese des Hüftgelenks eine nachhaltige Wiederherstellung von Funktion und Lebensqualität – auch bei komplexen Fällen. Nicht
nur für junge, schwere Katzen mit SCFE stellt sie eine wertvolle Alternative zur Femurkopfhalsresektion dar.

Der Beitrag ist in Kompakt VetMed 05/2025 erschienen.

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