Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko durch Mikro- und Nanoplastik26. Juni 2024 © Nancy Anderson – stock.adobe.com (Symbolbild) Plastikteilchen im Mikro- und Nanomaßstab haben sich in präklinischen Studien als potenzieller Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwiesen. Nun lieferte eine Studiengruppe aus Italien und Amerika auch den Nachweis eines solchen Zusammenhangs im Menschen. In der prospektiven, multizentrischen Beobachtungsstudie im „New England Journal of Medicine“ hatten jene Patienten mit Carotis-Plaques, in denen Mikro- und Nanokunststoffteilchen (MNPs) nachgewiesen wurden, ein höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund jeglicher Ursache als Patienten, bei denen keine MNPs gefunden wurden. In die Studie unter Leitung von Raffaele Marfella von der Universität Kampanien „Luigi Vanviteli“ in Neapel (Italien) wurden 304 Patienten aufgenommen, die sich wegen einer asymptomatischen Carotiserkrankung einer Carotis-Endarteriektomie unterzogen. Die Forscher testeten die entnommenen Carotis-Plaque-Proben mittels Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie, Stabilisotopenanalyse und Elektronenmikroskopie auf das Vorhandensein von MNPs. Entzündungsbiomarker untersuchten sie mit einem Enzymimmunoassay und einem immunhistochemischen Assay. Der primäre Endpunkt war ein Kompositum aus Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund jeglicher Ursache bei Patienten mit vs. ohne Nachweis von MNPs in der Plaque. Eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 33,7 ±6,9 Monaten erreichten 257/304 Studienteilnehmer. Bei 150 Patienten (58,4%) wurde Polyethylen in der Plaque der Halsschlagader nachgewiesen, mit einem mittleren Gehalt von 21,7 ±24,5 μg/mg Plaque; 31 Patienten (12,1%) wiesen auch messbare Mengen an Polyvinylchlorid auf, mit einem mittleren Gehalt von 5,2 ±2,4 μg/mg Plaque. Die Elektronenmikroskopie zeigte sichtbare, gezackte Fremdpartikel zwischen den Plaquemakrophagen und verstreut in den externen Trümmern. Die röntgenologische Untersuchung ergab, dass einige dieser Partikel Chlor enthielten. Patienten, bei denen MNPs innerhalb des Atheroms nachgewiesen wurden, hatten ein höheres Risiko für ein primäres Endpunktereignis als Patienten, bei denen diese Substanzen nicht nachgewiesen wurden (HR 4,53; 95%-KI 2,00–10,27; p<0,001). Fazit In dieser Studie hatten Patienten mit Carotis-Plaques, bei denen Mikro- und Nanokunststoffteilchen nachgewiesen wurden, ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund jeglicher Ursache als Patienten, bei denen keine Mikro- und Nanokunststoffteilchen nachgewiesen wurden. (ah) Autoren: Marfella R et al. Korrespondenz: Raffaele Marfella; [email protected] Studie: Microplastics and Nanoplastics in Atheromas and Cardiovascular Events Quelle: N Engl J Med 2024;390(10):900–910. Web: https://doi.web/10.1056/NEJMoa2309822
Mehr erfahren zu: "Morbus Sjögren: Präzisionstherapie für Autoimmun-Erkrankung in Sicht" Morbus Sjögren: Präzisionstherapie für Autoimmun-Erkrankung in Sicht Der Entzündungs-Botenstoff Interferon-Alpha kann die Sjögren-Krankheit auslösen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) sowie der Universitäten Bonn, Edinburgh und Newcastle.
Mehr erfahren zu: "Glaukom-Früherkennung: Tabletbasierte Multistimulus-Perimetrie zeigt hohe Genauigkeit" Weiterlesen nach Anmeldung Glaukom-Früherkennung: Tabletbasierte Multistimulus-Perimetrie zeigt hohe Genauigkeit Eine aktuelle Studie aus Japan zeigt, dass ein tabletbasiertes Perimetriegerät das Potenzial hat, die Glaukomversorgung als praktisches Screening- und ergänzendes Beurteilungsinstrument zu unterstützen.
Mehr erfahren zu: "POWG: OCT-Messung der makulären GCC-Dicke kann die Diagnose unterstützen" Weiterlesen nach Anmeldung POWG: OCT-Messung der makulären GCC-Dicke kann die Diagnose unterstützen Eine aktuelle Arbeit aus Nepal zeigt, dass die Messung der Dicke des makulären Ganglienzellkomplexes (GCC) mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) zur Diagnose des primären Offenwinkelglaukoms (POWG) von Nutzen sein kann.