Erhöhtes Risiko für neu auftretende Schilddrüsenerkrankungen nach SARS-CoV-2-Infektion

Bild: KI-generiert mit ChatGPT

COVID-19 könnte auch langfristig mit einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenerkrankungen verbunden sein. Wie eine aktuelle US-Studie zeigt, wurden nach einer SARS-CoV-2-Infektion sowohl nach stationärer als auch nach ambulanter Behandlung deutlich häufiger neu auftretende Schilddrüsenfunktionsstörungen diagnostiziert.

Schilddrüsenerkrankungen wurden bereits als mögliche Komplikation einer akuten Infektion mit SARS-CoV-2 beschrieben. In einer aktuellen Studie untersuchten US-amerikanische Forschende nun das langfristige Risiko für neu auftretende Schilddrüsenfunktionsstörungen bei Personen, die an COVID-19 erkrankt gewesen waren und vorher keine Schilddrüsenerkrankung hatten.

Die Wissenschaftler beobachteten, dass eine SARS-CoV-2-Infektion sowohl nach stationärem als auch nach ambulantem Verlauf mit einem erhöhten langfristigen Erkrankungsrisiko assoziiert war. Sie appellieren deshalb für ein regelmäßiges Screening von Betroffenen.

Höheres Risiko unabhängig von Schwere der Infektion

Die Forschenden analysierten Daten von 15.372 wegen COVID-19 hospitalisierten Patienten, 41.757 ambulant behandelten COVID-19-Patienten, 343.348 zeitgleichen SARS-CoV-2-negativen Kontrollpersonen sowie 171.141 historischen Kontrollpersonen und beobachteten
diese über 4,5 Jahre nach. Sie erfassten neu diagnostizierte Schilddrüsenerkrankungen
insgesamt sowie Hypothyreose, Hyperthyreose und sonstige beziehungsweise nicht näher bezeichnete Schilddrüsenerkrankungen. Zusätzlich wurden die Werte für das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH), freies Trijodthyronin (T3) und freies Thyroxin (T4) bestimmt.

Im Vergleich zu SARS-CoV-2-negativen Kontrollpersonen hatten hospitalisierte COVID-19-Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für neu auftretende Schilddrüsenerkrankungen insgesamt (HR 2,11; 95 %-KI 2,03–2,19), für Hypothyreosen (HR 2,02; 95 %-KI 1,92–2,12), Hyperthyreosen (HR 2,31; 95 %-KI 2,13–2,50) sowie für sonstige Schilddrüsenerkrankungen (HR 2,27; 95 %-KI 2,12–2,43).

Auch ambulant behandelte COVID-19-Patienten wiesen ein signifikant erhöhtes Risiko für alle untersuchten Schilddrüsenerkrankungen auf: Die Hazard Ratios (HR) lagen bei 1,40 für Schilddrüsenerkrankungen insgesamt, 1,37 für Hypothyreosen, 1,56 für Hyperthyreosen und 1,42 für sonstige Schilddrüsenerkrankungen. Die Sensitivitätsanalysen bestätigten die Hauptergebnisse. Im Vergleich zu historischen Kontrollpersonen fiel der Risikoanstieg bei ambulant behandelten Patienten etwas geringer aus. (hsp)