Ernährung mit höherem Kalzium- und Kaliumgehalt hilft möglicherweise, wiederkehrende symptomatische Nierensteine zu verhindern9. August 2022 Abbildung: © freshidea/stock.adobe.com Nierensteine können nicht nur unerträgliche Schmerzen verursachen, sondern werden auch mit chronischen Nierenerkrankungen, Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Wenn man einmal einen Nierenstein hatte, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass sich innerhalb von fünf Jahren weitere entwickeln, 30 Prozent. Um wiederkehrenden symptomatischen Nierensteinen vorzubeugen, werden häufig Ernährungsumstellungen verordnet. Allerdings, so berichtet die Mayo Clinic in Rochester (USA) anlässlich einer neuen Studie, sei bisher nur wenig zu solchen Maßnahmen bei Personen mit nur einem Nierenstein im Vergleich zu solchen geforscht worden, bei denen schon mehrfach Nephroliten aufgetreten sind. Eine Arbeitsgruppe von der Mayo Clinic entwarf daher eine prospektive Studie, um die Auswirkungen von Ernährungsumstellungen zu untersuchen. Die Ergebnisse der Forschenden zeigen, dass eine Umstellung auf kalzium- und kaliumreiche Lebensmittel wiederkehrende symptomatische Nierensteine verhindern kann. Die untersuchten Ernährungsfaktoren basierten auf einem Fragebogen, der von 411 Patienten mit erstmaligen symptomatischen Nierensteinen und einer Kontrollgruppe von 384 Personen – die alle zwischen 2009 und 2018 in der Mayo Clinic in Rochester beziehungsweise in Florida behandelt worden waren– ausgefüllt wurde. Die nun veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass ein geringerer Kalzium- und Kaliumgehalt in der Nahrung sowie eine geringere Aufnahme von Flüssigkeiten, Koffein und Phytat mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines erstmaligen symptomatischen Nierensteins verbunden sind. Bei 73 Patienten mit erstmaliger Bildung eines Nierensteins traten innerhalb eines Medians von 4,1 Jahren erneut Nephrolithen auf. Weitere Analysen ergaben, dass geringere Kalzium- und Kaliumkonzentrationen in der Ernährung ein Wiederauftreten vorhersagten. „Diese Erkenntnisse die Ernährung betreffend können von besonderer Bedeutung sein, da Empfehlungen zur Vorbeugung von Nierensteinen hauptsächlich auf Ernährungsfaktoren basieren, die mit der erstmaligen und nicht mit der wiederkehrenden Steinbildung in Verbindung gebracht werden“, unterstreich Dr. Andrew Rule, Nephrologe an der Mayo Clinic und Seniorautor der Studie. „Es ist unwahrscheinlich, dass Patienten etwas an ihrer Ernährung verändern, um das Auftreten von Nierensteinen zu verhindern. Sie tun dies aber mit höherer Wahrscheinlichkeit, wenn dies dazu beitragen kann, ein Wiederauftreten zu vermeiden.“ Eine Flüssigkeitsaufnahme von weniger als 3400 Millilitern pro Tag sei mit einer erstmaligen Entstehung von Nephroliten verbunden, heißt es in der Studie. Dies gelte auch für die Aufnahme von Koffein und Phytat. Mit in den täglichen Konsum eingerechnet wird die Aufnahme von Flüssigkeit aus Lebensmitteln wie Obst und Gemüse. Eine geringe Flüssigkeits- und Koffeinaufnahme kann zu einem geringen Urinvolumen führen und dazu, dass der Urin stärker konzentriert ist – was wiederum zur Steinbildung beiträgt. Bei Phytat handelt es sich um eine antioxidative Verbindung, die in Vollkornprodukten, Nüssen und anderen Lebensmitteln vorkommt, und die zu einer erhöhten Kalziumaufnahme und Kalziumausscheidung im Urin führen kann. „Eine Ernährungsumstellung zur Vorbeugung von Nierensteinen ist möglicherweise sehr schwierig“, erklärt Rule. „Daher kann die Kenntnis derjenigen Ernährungsfaktoren, die für ein Vermeiden des Wiederauftretens von Nierensteinen am wichtigsten sind, Patienten und Medizinern helfen, zu wissen, wo die Prioritäten liegen sollten.“ Ein niedriger Gehalt von Kalzium und Kaliumgehalt in der Ernährung stellte einen wichtigeren Prädiktor für die Bildung von wiederkehrenden Nierensteinen dar als die Flüssigkeitsaufnahme, unterstreicht Dr. Api Chewcharat, Erstautor des Artikels und zum Zeitpunkt der Studie Postdoktorand an der Mayo Clinic. „Das soll nicht heißen, dass eine hohe Flüssigkeitsaufnahme nicht wichtig ist. Wir haben einfach keine Vorteile einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme bei Patienten mit Nierensteinbildung in der Vorgeschichte festgestellt.“ Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Ernährung mit einer täglichen Aufnahme von 1200 Milligramm Kalzium helfen können, erstmalige und wiederkehrende Nierensteine zu verhindern. Dies entspricht auch der vom US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) empfohlenen Menge für die tägliche Aufnahme. Während ebenfalls zu einer höheren Kaliumaufnahme geraten wird, gibt das USDA – ebenso wie die aktuelle Studie – hierfür keine Mengenempfehlung. Laut Chewcharat sollten Patienten ihre Ernährung mit mehr Obst und Gemüse ergänzen, die reich an Kalzium und Kalium sind. Zu den kaliumreichen Früchten gehören Bananen, Orangen, Grapefruits, Cantaloupe- und Honigmelonen sowie Aprikosen. Entsprechende Gemüse sind Kartoffeln, Pilze, Erbsen, Gurken und Zucchini.
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