Ernährung von Flugsauriern aus dem frühen Jura: Tintenfisch im Magen gefunden25. Oktober 2024 Dr. Samuel Cooper mit dem Fossil des Flugsauriers Dorygnathus in den Sammlungen des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Foto: © SMNS, L. Reinöhl Die erstmalige Entdeckung von versteinerten Mageninhalten bei zwei 182 Millionen Jahre alten Flugsaurier-Fossilien liefert Paläontologen wichtige Hinweise zu den Ernährungsgewohnheiten und zur Ökologie dieser Tiere. Flugsaurier waren zur Zeit der Dinosaurier die Herrscher der Lüfte. Über Jahrmillionen entwickelte sich eine enorme Vielfalt, darunter riesige Arten mit Flügelspannweiten von bis zu 12 Metern. Das Fressverhalten der so genannten Pterosaurier war bisher jedoch wenig erforscht. Die spektakuläre Entdeckung des versteinerten Mageninhaltes bei zwei Flugsaurier-Arten, Dorygnathus und Campylognathoides, aus dem frühen Jura Südwestdeutschlands liefert nun neue Erkenntnisse über die Ernährung dieser Tiere.Dr. Samuel Cooper, Paläontologe am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, untersuchte die Fossilien und analysierte die Reste im Magen der Saurier gemeinsam mit Kollegen von der Universität Portsmouth in Großbritannien, Professor David Martill und Dr. Roy Smith. Die in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass der Flugsaurier Dorygnathus kleine Fische fraß, während Campylognathoides urzeitliche Tintenfische verzehrte. Dieser älteste und weltweit erste eindeutige Nachweis für den Verzehr von Tintenfischen bei Flugsauriern verrät den Forschenden viel über die Lebensweise, Ökologie und Evolution der Tiere. Die etwa 182 Millionen Jahre alten Exemplare von Dorygnathus und Campylognathoides stammen aus dem Posidonienschiefer der Region um Holzmaden in Baden-Württemberg. Bisher war nichts über die Ernährung von Pterosauriern aus dieser Zeit bekannt.Der bemerkenswerte Fund ist der erste Beweis für unterschiedliche Ernährungsweisen von zwei verschiedenen Flugsaurierarten in derselben Umwelt. „Die versteinerten Mageninhalte sagen uns viel über das damalige Ökosystem und wie die Tiere miteinander interagierten. Für mich ist dieser Nachweis von Tintenfischresten im Magen von Campylognathoides daher besonders spannend. Bisher gingen wir eher davon aus, dass er sich von Fisch ernährte, ähnlich wie Dorygnathus, bei dem wir kleine Fischgräten als Mageninhalt gefunden haben. Die Tatsache, dass diese beiden Arten unterschiedliche Beutetiere fraßen, zeigt, dass sie sich auf unterschiedliche Ernährungsweisen spezialisiert hatten. Dadurch konnten Dorygnathus und Campylognathoides im gleichen Lebensraum ohne große Nahrungskonkurrenz zwischen diesen beiden Arten koexistieren“, so Dr. Samuel Cooper, der Erstautor der Studie.Versteinerte Mageninhalte, die die letzte Mahlzeit dieser Tiere repräsentieren, sind äußerst selten zu finden. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass Pterosaurier ihre Nahrung sehr schnell verdauten, da das zusätzliche Gewicht im Magen sonst ihre Flugfähigkeit beeinträchtigt hätte. Dorygnathus und Campylognathoides ähnelten modernen Seevögeln. Sie flogen über dem Wasser eines warmen, subtropischen Meeres, das während der Jurazeit Süddeutschland überflutete und ihre Nahrungsquelle war.„Es ist unglaublich selten, 180 Millionen Jahre alte Flugsaurier zu finden, die mit ihrem Mageninhalt erhalten sind und einen eindeutigen Beweis für die Ernährung der Pterosaurier liefern. Die Entdeckung bietet einen einzigartigen und faszinierenden Einblick in die Lebensweise dieser uralten Kreaturen, in ihre Ernährung und in die Ökosysteme, in denen sie vor Millionen von Jahren lebten“, so Professor David Martill von der School of Environment and Life Sciences der Universität Portsmouth.Die beiden untersuchten Flugsaurier sind Teil der umfangreichen paläontologischen Sammlungen des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Museums zum Thema „Paläobiologie der Wirbeltiere des Posidonienschiefers“, wurden zahlreiche Fossilien aus dieser Zeit neu untersucht. Dabei wurden die Mageninhalte bei den beiden Flugsauriern entdeckt.Der Posidonienschiefer ist eine etwa 182 Jahre alte Schwarzschiefer-Gesteinsformation in Südwestdeutschland, die für ihre außergewöhnlich gut erhaltenen und vielfältigen Fossilien bekannt ist. Die fossile Fauna dieser Zeit umfasst eine Vielzahl von Tieren, darunter trächtige Fischsaurier mit erhaltenen Embryonen, langhalsige Plesiosaurier, Meereskrokodile, verschiedene große Fische, Krebstiere, Tintenfische, Ammoniten und Flugsaurier. Zusammen bieten diese Stücke eine der umfassendsten und einzigartigsten Momentaufnahmen des Meereslebens im frühen Jura. Versteinerte Weichteile, wie Mageninhalt oder Haut, sind sehr selten, da sie nur unter besonderen Umweltbedingungen erhalten bleiben können. Der Meeresboden des Posidonienschiefers war sauerstoffarm, was zu guten Erhaltungsbedingungen führte. Zudem sorgte der sehr weiche Schlamm dafür, dass tote Tiere schnell im Schlamm versanken, ohne dass Aasfresser oder Wasserströmungen ihre Überreste zerstörten.Der Tintenfisch fressende Flugsaurier Campylognathoides ist in der Dauerausstellung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart im Museum am Löwentor für die Besuchenden zu sehen.
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