Erneuter Engpass auf Kinder-Intensivstationen: DIVI fordert STIKO zum Handeln auf20. Februar 2024 Die Impfung von Kindern gegen RSV und Influenza soll die angespannte Lage auf pädiatrischen Intensivstationen bessern. (Foto: ©kerkezz/stock.adobe.com) Eine aktuelle Ad-hoc-Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) verdeutlicht abermals Engpässe in der Versorgung kritisch kranker Kinder im Winter. Die Fachgesellschaft sieht eine Lösung in der Impfung von Kindern gegen RSV und Influenza. Aufgrund des eklatanten Pflegemangels sowie akuter Krankheitsausfälle des Personals waren laut DIVI am Stichtag der Umfrage (2. Februar 2024) nur 65 Prozent der pädiatrischen Intensivbetten überhaupt in Betrieb. Knapp 40 Prozent dieser betreibbaren Betten seien für Kinder mit schweren RS-Virusverläufen oder anderen saisonal bedingten Infekten benötigt worden. Insgesamt hätten die Stationen im Schnitt weniger als ein freies Bett pro Standort gemeldet, erläutert die DIVI in einer aktuellen Mitteilung. Die Fachgesellschaft ist überzeugt: Impfungen der Kinder gegen RSV und Influenza würden die begrenzten Ressourcen der Kindermedizin schonen und die kritische Situation im Winter entspannen. „Die Möglichkeiten sind da. Wir müssen sie nur ergreifen“, appelliert Prof. Florian Hoffmann, Präsident elect der DIVI und Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München. Die DIVI fordert deshalb die Ständige Impfkommission (STIKO) auf, nach kritischer Analyse der Datenlage Empfehlungen für RSV- und Influenza-Impfungen für Kinder auszusprechen. „Wir beobachten die Strategien im Ausland gerade sehr genau“, begründet Hoffmann die Forderung seiner Fachgesellschaft. In Frankreich, Luxemburg, Spanien und den USA wird bereits seit längerem eine (nasale) Influenza-Impfung für Kinder empfohlen. Zudem erhalten Säuglinge in den genannten Ländern seit dieser Saison eine nur einmal notwendige passive Immunisierung mit einem neu zugelassenen Passiv-Impfstoff gegen RSV. „Hier gibt es erste Ergebnisse, die sehr vielversprechend sind. „Aus Luxemburg und Spanien wissen wir, dass bei passiver RSV-Impfung von Neugeborenen und Säuglingen signifikant weniger Kinder in diesem Winter in der Kinderklinik und auf einer Kinderintensivstation behandelt werden mussten. Das sind großartige Nachrichten“, betont Hoffmann. Möglichst nicht krank werden, ist die Lösung Wenn die Kinderintensivmediziner weniger Infekt-Patienten im Winter behandeln müssten, würde das die ohnehin schon knappen Betten-Ressourcen deutlich schonen. Es gäbe wieder freie Plätze für andere akut oder chronisch erkrankte Kinder. „Im Sommer sind wir meist schon voll ausgelastet“, berichtet Dr. Ellen Heimberg, stellvertretende Sprecherin der DIVI-Sektion Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin. „Im Winter werden wir dann durch die Infektionswellen überrollt und müssen kritisch kranke Kinder zum Teil über weite Entfernungen hinweg verlegen.“ Kinder, die dann nicht akut lebensbedrohlich krank sind, müssten zudem hintenanstehen. Auch Operationen würden immer wieder verschoben. Heimberg, Oberärztin der Interdisziplinären Pädiatrischen Intensivstation am Universitätsklinikum Tübingen, weiß auch mit Blick auf die Zahlen, warum es derzeit auf den Kinderintensivstationen gar nicht anders sein kann: In den 629 Betten, die in den 91 rückmeldenden Kinderintensivstationen (von 145 angeschriebenen) stehen, können derzeit nur in 409 Betten Patienten behandelt werden. Ursache hierfür sei laut Umfrageergebnissen insbesondere der Pflegemangel, der sich aufgrund akuter Krankheitsausfälle des Klinikpersonals im Winter noch weiter verschärfe. Maximalversorger in Großstädten und Ballungsräumen sind besonders belastet Vor allem in den Großstädten, in denen das Leben teuer ist, fehlen laut DIVI die spezialisierten Kinderpflegekräfte. Gerade in den hier lokalisierten „Maximalversorgern“, wie z.B. großen Universitätskliniken, würden sie jedoch dringend benötigt, um eine umfassende Versorgung durch erfahrene Teams und Spezialisten gewährleisten zu können. „Diese Intensivstationen sind häufig die letzte Anlaufstelle, wenn kleinere Kinderkliniken eine adäquate Behandlung nicht mehr garantieren können“, heißt es von der intensivmedizinischen Fachgesellschaft. Hoffmann, Heimberg und DIVI-Präsidiumsmitglied Prof. Sebastian Brenner, Bereichsleiter der interdisziplinären Pädiatrischen Intensivmedizin und der Pädiatrischen Notaufnahme der Unikinderklinik Dresden, analysierten die Umfrageergebnisse auch mit Blick auf die Verteilung der Intensivbetten. Die Stichprobe von Anfang Februar bestätigt: 38 der insgesamt 91 rückmeldenden Stationen verfügen über mehr als acht Kinderintensivbetten. Sie würden eigentlich insgesamt 443 Betten stellen können. Aktuell sind es den DIVI-Angaben zufolge aber nur 279. Das bedeutet, 37 Prozent der Intensivbetten dort sind gesperrt – im Durchschnitt 2,7 Betten pro Station. 37,2 Prozent dieser Betten waren zum Zeitpunkt der Stichprobe aufgrund von schweren Verläufen akuter Infektionserkrankungen wie RSV und Influenza belegt, in den 53 kleineren Kliniken waren mehr als die Hälfte (57,7 Prozent) der 130 betreibbaren Intensivbetten mit Patienten mit saisonal bedingten Viruserkrankungen belegt. Impfkampagnen können die Versorgungssituation direkt entspannen Die DIVI-Spezialisten vermuten, dass sich der jetzt schon eklatante Pflegemangel demografiebedingt in absehbarer Zeit nicht ändern werde, die Situation in der Kinderintensivmedizin spitze sich von Jahr zu Jahr zu. „Wir brauchen in Deutschland für die Versorgung kritisch kranker Kinder eine grundlegend neue Strategie, die insbesondere zeitnah zu einer spürbaren Verbesserung führt“, unterstreicht deshalb auch Brenner. DIVI-Präsident elect Florian Hoffmann braucht daher nur noch wenige Worte: „Die STIKO ist jetzt gefordert. Durch Impfungen können genau diese raschen Entlastungen realisiert werden!“
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