Erste ECMO-Lungenersatztherapie bei Neugeborenem am Leipziger Universitätsklinikum erfolgreich

Oberarzt Dr. Sebastian Rützel (l.) und Prof. Ulrich Thome während der ECMO-Behandlung: Sechs Tage war der Junge an der Maschine angeschlossen, drei Tage war seine Lunge dabei komplett funktionsunfähig. (Foto: Stefan Straube/UKL)

Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) ist erstmals ein Neugeborenes mit drohendem Lungenversagen mit dem ECMO-Verfahren behandelt und gerettet worden, wie die Klinik mitteilte.

Der erste erfolgreiche Einsatz der ECMO-Maschine in der UKL-Neonatologie fand Mitte März dieses Jahres statt: Der kleine Patient war zum damaligen Zeitpunkt drei Wochen alt. Nach einer unauffälligen Geburt verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Jungen nach wenigen Tagen dramatisch. Aufgrund einer sehr niedrigen Sauerstoffsättigung im Blut wurde der kleine Patient umgehend in ein Krankenhaus eingewiesen. Im UKL wird der Junge sofort intubiert und kommt zunächst an ein mechanisches Beatmungsgerät. Zwei Tage später steht die ECMO-Therapie als letzte verbliebene Behandlungsmöglichkeit im Raum.

Erstem Einsatz geht ein jahrelanges Training voraus

Bei der Versorgung von ECMO-Patienten und dem sicheren Umgang mit möglichen Komplikationen dieses Verfahrens werden große Anforderungen an das Personal gestellt. Auch für Prof. Ulrich Thome und sein Team war ein intensives mehrjähriges Training notwendig, bis alle Ablaufschritte der komplexen Lungenersatztherapie bei Neugeborenen sicher saßen. „Unter anderem mit einer Simulationssoftware haben wir insbesondere kritische Verläufe geübt und den Ernstfall in Stresssituationen geprobt“, erzählt er.

Generell gilt: Je kürzer die Behandlung mit der ECMO, um so größer sind die Heilungschancen. Der kleiner Patient war sechs Tage an der Maschine angeschlossen, drei Tage war seine Lunge dabei komplett funktionsunfähig. In dieser Zeit betreute ihn ein Team aus speziell für diese herausfordernde Aufgabe geschulten Ärzten und Pflegekräften.

Eine ECMO-Therapie braucht Spenderblut 

Eine Lungenersatztherapie wie die ECMO kann nur durch Bluttransfusionen ermöglicht werden, sie ist daher stets mit dem Einsatz von Spenderblut verbunden: Unter anderem muss der maschinellen Kreislauf mit Blut vorgefüllt werden, notwendige Kontrollen während der Behandlung führen zu Blutverlusten. Entsprechend waren für die Behandlung drei Blutkonserven notwendig. „Bei Neugeborenen, Säuglingen und kleineren Kindern dürfen allerdings nur wenige Tage alte Blutkonserven mit speziellen Blutgruppeneigenschaften zum Einsatz kommen“, erklärt Prof. Reinhard Henschler, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin am UKL. Für den kleinen Patienten seien daher exakt passende Blutspender kontaktiert und um eine sofortige Blutspende gebeten worden. „Mit den gewonnenen Blutkonserven haben wir dann ein kleines Depot angelegt.“

Die Versorgung des Jungen habe gezeigt, dass die etablierte Zusammenarbeit mit der Neonatologie gut funktioniere. So stand das Team der UKL-Transfusionsmedizin den Neonatologen auch bei allen transfusionsmedizinischen Fragen rund um die Uhr zur Seite. „Die Blutversorgung eines Neugeborenen ist auch für uns keine alltägliche Situation. Aber wir sind gut darauf vorbereitet, wissen, was zu tun ist“, ergänzt Henschler.

Für Kinder mit schwerer Lungenerkrankung gab es bisher in Leipzig sowie im gesamten mitteldeutschen Raum kein spezialisiertes Versorgungszentrum. „Der gesamte Osten Deutschlands war unterversorgt“, betont Thome, Direktor der Neonatologie am UKL. So wurden Mütter, bei denen die Erkrankung ihres Kindes pränatal absehbar war, zur Geburt nach Mannheim oder Bonn überwiesen. „Hatte die Mutter bei uns am UKL entbunden und trat bei den Neugeborenen ein schweres Lungenversagen ein, haben wir das hiesige Herzzentrum gebeten, die weitere Behandlung für uns zu übernehmen. Ideal war das aber aus medizinischer und auch aus organisatorischer Sicht nicht.“

Daher entschied man sich in der UKL-Neonatologie 2019 für die Einführung dieser Therapie. Hierzu war nicht nur die Anschaffung entsprechender Geräte, sondern auch ein umfangreiches Trainingsprogramm für das Personal notwendig. Durch die Corona-Pandemie wurden die Vorbereitungen unterbrochen, da die gerade gekauften Geräte zunächst für schwerkranke COVID-19-Patienten gebraucht und daher an die betreffenden UKL-Stationen ausgeliehen wurden. „Der Markt war leergefegt, es war ein Glück, dass wir die Geräte schon gekauft hatten. Sie halfen, mehr kritisch an COVID-19 Erkrankten das Leben zu retten“, sagt Thome.

Seit Frühjahr 2022 befinden sich die Geräte nun wie geplant in seiner Abteilung, sodass das Training für das Personal abgeschlossen werden konnte. Seit dem Jahreswechsel 2022/23 ist damit hier die Versorgung schwer lungengeschädigter Neugeborener und Säuglinge möglich, für die bisher nur der höchst gefährliche Transport in eine weit entfernte Klinik in Frage kam. „Das UKL ist für diese Kinder jetzt das erste ECMO-Zentrum in Mitteldeutschland. Das ist ein enormer Zugewinn für Leipzig und die Region“, freut sich Thome.

Kurz nach dem Osterfest konnte der kleine Patient gesund aus dem UKL entlassen werden. „Der Junge hat sich prima entwickelt, die Prognose ist gut. Alles in allem sieht es nach einem einmaligen Ereignis aus, das sich nicht noch mal wiederholen wird“, sagt Thome zufrieden, auch wenn sich trotz zahlreicher Untersuchungen keine eindeutige Ursache für das Lungenversagen finden ließ.