Erste Hinweise: Corona-Impfung vermutlich sicher bei Menschen mit früherer Myokarditis

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Seltene Fälle von Myokarditis sind eine bekannte Nebenwirkung der mRNA-Impfstoffe gegen SARS-COV-2. Eine kleine, monozentrische Studie aus Frankreich liefert nun erste Hinweise darauf, dass sich Menschen mit früherer Myokarditis nicht vor dem Pieks fürchten müssen.

Die Studie hat gezeigt, dass die SARS-CoV-2-Impfung bei Menschen, die in der Vergangenheit eine Herzmuskelentzündung hatten, nicht mit einem Wiederauftreten der Erkrankung oder anderen schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden ist. Die Forschungsergebnisse werden auf dem ESC Acute CardioVascular Care 2022, einem wissenschaftlichen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), vorgestellt, welcher am 18. und 19. März online stattfindet.

„Diese Ergebnisse liefern beruhigende Daten, die Patientinnen und Patienten mit einer Myokarditis in der Vorgeschichte ermutigen könnten, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen“, sagte Studienautor Dr. Iyad Abou Saleh vom Hospices Civils de Lyon, Frankreich. Es sei allerdings zu beachten, dass die Mehrzahl der Personen in der Studie den BNT162b2-mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten hatte und die Ergebnisse daher möglicherweise nicht für andere Impfstoffe gelten.

Die Prävalenz einer Myokarditis wird weltweit auf 10 bis 106 Fälle pro 100.000 Personen geschätzt. Die häufigste Ursache ist eine Virusinfektion. Seltene Fälle von Myokarditis nach einer SARS-CoV-2-Impfung sind in der wissenschaftlichen Literatur mit einer Prävalenz von 2,1 Fällen pro 100.000 Einwohner beschrieben worden. Bislang fehlen jedoch Daten über das Risiko eines erneuten Auftretens von Myokarditis nach einer SARS-CoV-2-Impfung bei Patienten mit einer Vorgeschichte dieser Erkrankung.

„Unsere Erfahrung zeigt, dass einige Patientinnen und Patienten die Impfung vermieden haben, weil sie oder ihr Hausarzt befürchteten, dass sie einen weiteren Myokarditis-Schub auslösen könnte“, erklärt Abou Saleh. Basierend darauf stellte die französische Studiengruppe die Hypothese auf, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2 das Risiko eines erneuten Auftretens der Myokarditis bei Personen, die in der Vergangenheit daran erkrankt waren, nicht erhöhen würde.

Die Forschenden schlossen alle Patientinnen und Patienten ein, die in den letzten fünf Jahren (von Januar 2016 bis Juni 2021) mit der Diagnose einer akuten Myokarditis in die Hospices Civils de Lyon eingeliefert wurden. Sie wurden telefonisch kontaktiert und gefragt, ob sie geimpft worden waren, mit welchem Impfstoff, wie oft, und ob sie Nebenwirkungen hatten. Zusätzlich wurden sie gefragt, ob sie derzeit an COVID-19 erkrankt sind oder in der Vergangenheit erkrankt waren.

Insgesamt wurden 142 Patienten mit einer bestätigten akuten Myokarditis in der Vorgeschichte in die Studie aufgenommen. Das Durchschnittsalter betrug 31 Jahre und 20,3 Prozent waren Frauen. Bei 71 Patienten (50 Prozent) war der Impfstatus bekannt: 55 Patienten waren geimpft und 16 waren nicht geimpft. Als Hauptgrund für die Nichtimpfung wurde die Angst vor einem Wiederauftreten der Myokarditis angegeben (12 Patienten, 75 Prozent der nichtgeimpften Patienten). Bei 66 Patienten war der Impfstatus nicht bekannt und fünf Patienten waren vor dem Ausbruch von COVID-19 verstorben.

Von den geimpften Patienten hatten zwölf eine Dosis und 43 zwei Dosen erhalten. Die Patienten wurden hauptsächlich mit BNT162b2-mRNA geimpft (53 Patienten, 96,4 Prozent). Ein Patient wurde mit dem mRNA-1273-Impfstoff von Moderna und ein Patient mit dem Impfstoff Ad26.COV2-S von Janssen geimpft.

Die Forschenden holten auch Informationen über Nebenwirkungen nach der Impfung aus den Krankenakten ein. Dazu gehörten schwerwiegende Ereignisse wie Tod, Herzrhythmusstörungen und wiederkehrende Myokarditis. Demnach traten nach der SARS-CoV-2-Impfung keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Abou Saleh zieht ein positives Fazit dieser Ergebnisse: „Wir haben gezeigt, dass die SARS-CoV-2-Impfung bei Patientinnen und Patienten mit einer akuten Myokarditis in der Vorgeschichte nicht mit dem Risiko einer erneuten Myokarditis oder anderen schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden ist.“ Aufgrund der geringen Patientenzahl und der überwiegenden Verwendung eines einzigen Impfstofftyps seien die Ergebnisse allerdings noch mit Vorsicht zu interpretieren.