Erste kontrollierte Studie zeigt: Abnehmen verbessert Ergebnisse von Katheterablation20. Mai 2021 Stephan Willems untersuchte in der Studie SORT-AF, wie sich Abnehmen auf Herzrhythmusstörungen bei Übergewichtigen auswirkt. Foto: © Asklepios Kliniken Hamburg Vorhofflimmern kommt bei Übergewichtigen nicht so schnell wieder, wenn sie nach einer Katheterablation abnehmen. Das zeigt die vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) unterstützte Studie SORT-AF, an der 133 PatientInnen teilnahmen. Die Studie fand den Effekt bei PatientInnen mit persistentem Vorhofflimmern, berichtet das DZHK. Reduzierten die PatientInnen nach einer Katheterablation ihr Übergewicht, kam das Vorhofflimmern bei ihnen seltener zurück als bei PatientInnen, die nicht abnahmen. Bei PatientInnen mit paroxysmalen Vorhofflimmern wirkte sich die Gewichtsreduktion nicht aus. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „EP Europace“ veröffentlicht. Die StudienteilnehmerInnen hatten einen BMI zwischen 30 und 40 und wurden zufällig der Gruppe mit oder ohne Diätprogramm zugeordnet. Dabei handelte es sich um ein strukturiertes Programm zur Gewichtsabnahme, das sogenannte interdisziplinäre multimodale Stufenkonzept. Es kombiniert Ernährungsberatung, Bewegung und psychosomatische Betreuung unter ärztlicher Aufsicht und fand in spezialisierten Adipositas-Ambulanzen statt. Alle PatientInnen litten unter Vorhofflimmern, das mittels Katheterablation behandelt wurde. DiätpatientInnen verloren durchschnittlich fünf Kilogramm, womit sie ihren BMI von 34,9 auf 33,4 senken konnten. In der Gruppe ohne Diät nahmen die TeilnehmerInnen nicht ab. Ein Rekorder unter der Haut als Zeuge Nach dem Eingriff wurden die PatientInnen 12 Monate begleitet. Um zu überprüfen, wie häufig Vorhofflimmern nach der Ablation wieder auftrat, bekamen sie einen Eventrekorder implantiert. Der Eventrekorder war so programmiert, dass er Rhythmusstörungen selber aufzeichnen konnte, denn manchmal bleiben diese von den PatientInnen unbemerkt. „Die StudienteilnehmerInnen fanden das Gerät toll, denn es hat ihnen Sicherheit gegeben, da es ihre Beschwerden zuverlässig dokumentierte. Viele von ihnen kennen das Phänomen, dass das Herz zu Hause stolpert, aber sobald sie beim Arzt sind, wieder gleichmäßig schlägt und befürchten dann, nicht ernst genommen zu werden“, so Studienleiter Prof. Stephan Willems von der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. Die vom Eventrekorder aufgezeichneten Daten wurden von den WissenschaftlerInnen anschließend ausgewertet. Alle Rhythmusstörungen, die länger als 30 Sekunden andauerten, zählten sie als Vorhofflimmern. Mehr als nur Beobachtung „Unsere Arbeit ist die erste prospektive, randomisierte Studie, die systematisch dokumentiert, wie sich ein Gewichtsverlust bei übergewichtigen PatientInnen auf ihre Herzrhythmusstörungen nach einer Katheterablation auswirkt“, sagt Erstautorin Dr. Nele Geßler. Neben den Hamburger Kliniken Universitäres Herz- und Gefäßzentrum UKE Hamburg und Asklepios Klinik St. Georg beteiligten sich das Universitäre Herzzentrum Lübeck sowie das Universitätsklinikum Köln an der Studie. Dass es sich positiv auswirkt, wenn übergewichtige Personen Gewicht verlieren, war bereits aus mehreren Beobachtungsstudien bekannt. Bei diesen wurde das Vorhofflimmern jedoch unterschiedlich behandelt und das erneute Auftreten nur mit einem EKG und daher weniger kontinuierlich überwacht. Sicheres Verfahren, auch bei Übergewicht Für alle TeilnehmerInnen der SORT-AF-Studie zeigte sich, dass die Katheterablation ein sicheres Verfahren ist, um ihre Herzrhythmusstörungen zu behandeln. Komplikationen nach dem Eingriff waren selten: Es kam zu keiner Perikardtamponade und einem Schlaganfall. Gerade bei übergewichtigen PatientInnen ist das Risiko für Komplikationen während der Katheter-OP gefürchtet. Ebenso wurde deutlich, dass Katheterablationen erfolgreich bei allen PatientInnen durchgeführt werden konnten, denn anschließend kam es in beiden Studiengruppen zu deutlich weniger Vorhofflimmern. „Vom strukturierten Diätprogramm profitierten zwar insbesondere die PatientInnen mit hartnäckigerem Vorhofflimmern, allerdings ist es dennoch für alle PatientInnen wichtig“, so Geßler. „Denn neben dem Nutzen für das Vorhofflimmern hilft es, kardiovaskuläre Risiken zu verringern, beispielsweise einen Herzinfarkt.“
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