Erster DGS-PraxisLeitfaden zur Behandlung akuter Kreuz- und Rückenschmerzen veröffentlicht16. November 2021 Foto: ©Yeti Studio – stock.adobe.com Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) hat jüngst den ersten „DGS-PraxisLeitfaden zur Behandlung akuter Kreuz-/Rückenschmerzen“ herausgegeben. Dieser soll Ärztinnen und Ärzte in der Patientenversorgung unterstützen. Laut DGS ist die Hauptursache für die Zunahme von Rückenschmerzen die weitverbreitete Bewegungsarmut – dies sei eine der zentralen Aussagen des Leitfadens. Der PraxisLeitfaden ist der erste seiner Art und soll als eine praxisnahe Alternative zu den bekannten ausführlicheren DGS-PraxisLeitlinien fungieren. „Wir haben das neue Format des PraxisLeitfadens entwickelt, um den Arzt im Praxisalltag mit einem übersichtlichen Algorithmus und versorgungsrelevanten Fakten zu unterstützen. Dabei ist die Evidenz auf hohem Niveau, denn der PraxisLeitfaden beruht genauso wie die PraxisLeitlinien auf der aktuell verfügbaren Studienlage und den Anwendungserfahrungen im Alltag“, begründet der Autor des PraxisLeitfadens, PD Dr. Michael A. Überall, Vizepräsident der DGS, das neue Format. „Als Versorgergesellschaft ist es uns ein Anliegen, die Versorgung der Patienten im Alltag zu optimieren und das am besten zu einem Zeitpunkt, an dem wir einer drohenden Chronifizierung mit geringem Aufwand wirksam begegnen können.“ Fokus auf akute Schmerzen – Chronifizierung verhindern Da es in der frühen Phase akuter und subakuter Schmerzen, also in den ersten vier bis sechs Wochen, sehr viel einfacher ist, den Verlauf positiv zu beeinflussen und chronifizierungsfördernden Entwicklungen zu begegnen, fokussiere der PraxisLeitfaden auf Patienten mit akuten Schmerzen. Gleichzeitig richte sich der Leitfaden in erster Linie an Hausärzte und Orthopäden, also die Ärzte, die Patienten in der Primärversorgung behandeln. Der Einsatz bildgebender Verfahren wird im PraxisLeitfaden kritisch kommentiert. Als Begründung nennt die DGS, dass in etwa 85 Prozent der Fälle die Ursache mittels umfassender Anamnese und körperlicher Untersuchung diagnostiziert werden könne. In bildgebenden Verfahren, „die auf der Grundlage zufällig gleichzeitig auftretender Befunde vermeintlich kausale Zusammenhänge identifizieren“, sieht die Fachgesellschaft sogar eine Gefahr. Ihr zufolge führten diese häufig selbst zu einer Fehldiagnose und chirurgischen Fehlbehandlung, die das Problem Betroffener häufig und unnötig verschlimmern würden. Medikamentöse Schmerzlinderung macht Bewegung möglich Viel wichtiger sei es, Menschen durch eine ausreichende Schmerzlinderung dahin zu bringen, dass sie sich wieder selbst aktiv bewegen. Diese Aktivität sei eine tragende Säule zur Verhinderung der Chronifizierung. Nach dem Ausschluss schwerwiegender struktureller Ursachen (red-flags) gehören laut Praxisleitfaden nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) als symptomatisch wirkende Analgetika sowie Muskelrelaxanzien als eher ursächliche Wirkungen entfaltende Therapieoptionen zu den Mitteln der ersten Wahl. Diese können je nach individuellem Befund auch in Kombination zum Einsatz kommen, um die Schmerzen zu lindern und die muskuläre Funktionalität zu ermöglichen, die für eine Wiederaufnahme der körperlichen Aktivität notwendig ist. Wichtig sei in jedem Fall, psychosoziale Risikofaktoren bzw. krankheitsförderndes Fehlverhalten rechtzeitig zu erkennen, die einen entscheidenden (negativen) Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben können. Der PraxisLeitfaden steht zum kostenfreien Download zur Verfügung. Darin enthalten sind fünf Schlüsselempfehlungen und eine übersichtliche Abbildung, die mögliche Behandlungspfade aufzeigt. Weitere DGS-PraxisLeitfäden, z. B. zur Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation (OIC, Opioid induced constipation), seien geplant.
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