Erster HPV-Atlas Deutschland: Sechs strategische Empfehlungen für eine bessere HPV-Prävention15. Oktober 2026 HPV-Impfraten im europäischen Vergleich. Quelle: HPV-Atlas Deutschland 2026 Der erste „HPV-Atlas Deutschland 2026“ bündelt aktuelle Daten zu humanen Papillomviren (HPV), HPV-bedingten Krebserkrankungen und ihrer Prävention. Die vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebshilfe herausgegebene Publikation macht deutlich: Deutschland verfügt mit der HPV-Impfung über ein hochwirksames Instrument der Krebsprävention – schöpft dessen Potenzial bislang jedoch nicht ausreichend aus. Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Erregern. Fast alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem Virus. Meist heilt die Infektion folgenlos aus. Bleibt sie mit bestimmten Hochrisiko-HPV-Typen jedoch über längere Zeit bestehen, kann daraus Krebs entstehen. HPV verursachen nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern auch Mundrachen-, Anal-, Penis-, Vulva- und Vaginalkrebs. „HPV-bedingter Krebs gehört zu den Erkrankungen, bei denen wir durch Prävention besonders viel erreichen können“, sagt Nobila Ouédraogo, Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ, der die wissenschaftliche Aufarbeitung des HPV-Atlas geleitet hat. „Der HPV-Atlas führt die wissenschaftliche Evidenz zusammen und zeigt konkret, wo Deutschland handeln sollte. Entscheidend ist jetzt, vorhandenes Wissen in wirksame Präventionsstrukturen zu übersetzen.“ Rund 11.000 Krebsfälle pro Jahr sind HPV-bedingt HPV-bedingter Krebs ist keineswegs ausschließlich ein Frauenthema. Für das Jahr 2021 schätzt das Robert Koch Institut 11.000 HPV-bedingte Krebsneuerkrankungen in Deutschland – rund 7.600 bei Frauen und 3.000 bei Männern. Bei Frauen ist Gebärmutterhalskrebs die häufigste HPV-bedingte Krebsart, bei Männern mit rund 1.900 Fällen der Mundrachenkrebs (Oropharynx). In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der durch HPV verursachten Diagnosen von Mund- und Rachenkrebs deutlich zugenommen. Impfung wirkt – aber große Impflücken in Deutschland Die wissenschaftliche Evidenz für die HPV-Impfung ist umfassend: Studien mit inzwischen mehr als 15 Jahren Nachbeobachtungszeit zeigen, dass HPV-Infektionen, Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs bei Geimpften deutlich zurückgehen. Deutschland nutzt diese Möglichkeit jedoch bislang nur unzureichend. 2024 waren lediglich 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft. Zudem unterscheiden sich die Impfquoten regional erheblich – teilweise um mehr als 20 Prozentpunkte. Sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen ist Sachsen-Anhalt Spitzenreiter bei der Impfquote, Baden-Württemberg dagegen bei beiden Geschlechtern das Schlusslicht. Im europäischen Vergleich wird der Nachholbedarf besonders sichtbar: Deutschland gehört zu den Ländern mit niedrigen HPV-Impfquoten und liegt deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Portugal erreicht dagegen bei 15-jährigen Mädchen wie Jungen Impfquoten von über 90 Prozent. Sechs konkrete Handlungsempfehlungen für Deutschland Der HPV-Atlas formuliert konkrete Empfehlungen für Deutschland. Die sechs vorgeschlagenen Strategien umfassen eine bundesweite evidenzbasierte HPV-Kommunikationsstrategie und ein digitales Einladungs- und Erinnerungssystem. Die HPV-Impfung soll systematisch mit den Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J1 verknüpft und durch niedrigschwellige Angebote – etwa freiwillige schulische Impfprogramme und mobile Impfteams – leichter zugänglich werden. Darüber hinaus empfehlen die Autoren eine politisch verbindliche nationale HPV-Präventionsstrategie sowie ein bundesweites digitales Impfregister mit elektronischem Impfpass. Andere europäische Länder zeigen, dass solche Strukturen einen Unterschied machen können: Erfolgreiche Impfprogramme kombinieren unter anderem schulbasierte Angebote, systematische Einladungs- und Erinnerungssysteme sowie eine zuverlässige digitale Erfassung. Gerade bei diesen Strukturen weist Deutschland Verbesserungspotenzial auf. In der Forschungstradition Harald zur Hausens Der HPV-Atlas Deutschland 2026 stellt erstmals aktuelle Daten zu HPV umfassend und anschaulich zusammen. Er reicht von biologischen Grundlagen und der Krankheitslast über die Früherkennung bis hin zu ökonomischen Aspekten und den Impfraten im europäischen Vergleich. Der besondere Schwerpunkt liegt auf erfolgversprechenden Präventionsstrategien und konkreten Handlungsempfehlungen für Deutschland. Der Atlas richtet sich sowohl an Politik und Gesundheitswesen als auch an Medienschaffende und die interessierte Öffentlichkeit. Der HPV-Atlas knüpft an eine besondere Forschungstradition des DKFZ an. Harald zur Hausens Entdeckung des Zusammenhangs zwischen humanen Papillomviren und Gebärmutterhalskrebs legte den Grundstein für die Entwicklung prophylaktischer HPV-Impfstoffe. 2008 erhielt der langjährige Vorstandsvorsitzende des DKFZ dafür den Nobelpreis für Medizin. Ihm ist der erste HPV-Atlas Deutschland gewidmet. Der HPV-Atlas Deutschland 2026 wird vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe herausgegeben. Die wissenschaftliche Aufarbeitung übernahm die Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ. Die Publikation wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit und die Deutsche Krebshilfe finanziell gefördert. Druckexemplare liegen ab Mitte November vor und können kostenfrei bestellt werden unter: [email protected]
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