Erstlinie bei nicht für Platin geeignetem NSCLC: Atezolizumab deutlich besser als Mono-Chemotherapie6. Oktober 2023 LONDON (Biermann) – Bislang waren zulassungsrelevante Studien zur Immuntherapie in der Erstlinie bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Nichtkleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) auf Patienten mit einem Performance-Status von 0–1 laut Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG) und einem medianen Alter von ≤65 Jahren beschränkt. In der IPSOS-Studie verglichen deren Autoren nun in der Erstlinie bei Patienten, die für eine platinbasierte Chemotherapie nicht infrage kamen, die Monotherapie mit Atezolizumab mit einer Mono-Chemotherapie. Die in ihrer Untersuchung gewonnenen Daten stützen laut den Forschenden die Atezolizumab-Monotherapie als potenzielle Option für die Erstlinie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die für eine platinbasierte Chemotherapie ungeeignet sind. Bei IPSOS handelte es sich um eine unverblindete, randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie, die an 91 Standorten in 23 Ländern in Asien, Europa, Nordamerika und Südamerika durchgeführt wurde. Geeignete Patienten hatten ein NSCLC im Stadium IIIB oder IV, bei denen der Prüfarzt eine Chemotherapie mit einer Platin-Doublette aufgrund eines ECOG PS von 2 oder 3 als ungeeignet erachtete, oder sie waren ≥70 Jahre und hatten einen ECOG PS 0–1 mit erheblichen Komorbiditäten oder Kontraindikationen. Die 453 Studienteilnehmenden wurden 2:1 per permutierter Block-Randomisierung (Blockgröße von 6) randomisiert und erhielten 1200 mg Atezolizumab intravenös alle 3 Wochen (n=302) oder eine Chemotherapie mit einem Einzelwirkstoff (Vinorelbin [oral oder intravenös] oder Gemcitabin [intravenös]; Dosierung gemäß lokaler Etikettierung in einem 3-oder 4-wöchentlichen Zyklus; n=151; 11.09.2017—23.09.2019). Als primären Endpunkt hatten die Autoren der IPSOS-Studie das Gesamtüberleben (OS) in der ITT-Population festgelegt. Sicherheitsanalysen erfolgten in der diesbezüglich auswertbaren Population, die alle randomisierten Patienten umfasste, die jegliche Menge Atezolizumab oder der Chemotherapie erhalten hatten. Atezolizumab verbesserte das OS vs. Chemotherapie (medianes OS 10,3 Monate [95 %-KI 9,4–11,9] vs. 9,2 Monate [95 %-KI 5,9–11,2]; stratifizierte HR 0,78; 95 %-KI 0,63–0,97; p=0,028), mit einer 2-Jahres-Überlebensrate von 24 % (95 %-KI 19,3–29,4) unter Atezolizumab vs. 12 % (95 %-KI 6,7–18,0) mit Chemotherapie. Wie Lee und seine Kollegen schildern, sei Atezolizumab vs. Chemotherapie mit einer Stabilisierung oder Verbesserung der Symptome und der Werte auf den Skalen zur Funktionsfähigkeit im Rahmen der von den Patienten berichteten Lebensqualität und weniger behandlungsbedingten unerwünschten Ereignissen von Grad 3/4 (49/300 [16 %] vs. 49/147 [33 %]) sowie behandlungsbedingten Todesfällen verbunden gewesen (3 [1 %] vs. 4 [3 %]). (sf) Autoren: Lee SM et al.Korrespondenz: [email protected]Studie: First-line atezolizumab monotherapy versus single-agent chemotherapy in patients with non-small-cell lung cancer ineligible for treatment with a platinum-containing regimen (IPSOS): a phase 3, global, multicentre, open-label, randomised controlled studyQuelle: Lancet 2023;402(10400):451–463.doi: 10.1016/S0140-6736(23)00774-2