ESHRE 2020: Krebstherapie muss für junge Frauen nicht das Ende der Fertilität bedeuten6. Juli 2020 Foto: © Photographee.eu/Adobe Stock Auf der 36. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) wurde kürzlich die erste Langzeituntersuchung zur Nutzung von vor einer Krebstherapie eingelagerten Eizellen und Embryonen vorgestellt. Die Daten aus 20 Jahren zeigen den Autoren zufolge, wie erfolgreich die Erhaltung der Fruchtbarkeit bei diesen Patientinnen sein kann, insbesondere bei Brustkrebspatientinnen. Details der Analyse, die den längsten bisher dokumentierten Zeitraum abdeckt, wurden vor wenigen Tagen von Dr. Dalia Khalife vom Guy’s and St Thomas’s Hospital in London anlässlich der virtuellen ESHRE-Jahrestagung präsentiert. Analysiert worden waren die Daten von 879 jungen Patientinnen, die zwischen 2000 und 2019 aufgrund einer Reihe von Krebserkrankungen behandelt worden waren. Alle hatten sich vor der Krebstherapie zu Maßnahmen des Fruchtbarkeitserhaltes beraten lassen. Das Durchschnittsalter der Patientinnen betrug 33 Jahre; Brustkrebs war die häufigste Diagnose (63% der Fälle). Nach der Beratung entschieden sich 373 Patientinnen (42%) für eine Maßnahme zum Fruchtbarkeitserhalt: Kryokonservierung von Eizellen (53%) beziehungsweise von Embryonen (41%) oder beides (5%) oder die Kryokonservierung von Eierstockgewebe (1%). Laut Khalife lag die Rate derjenigen, die auf ihre kryokonservierten Eizellen und Embryonen zurückgreifen, bei 16 Prozent (61/373). 44 dieser Patientinnen erreichten eine bemerkenswert hohe Geburtenrate von 71 Prozent, mit einer Zwillingsrate von neun Prozent, wenn die befruchteten Eizellen und die Embryonen im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation übertragen wurden. Rund zwei Drittel der Patientinnen meldeten sich innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Diagnose wieder für eine Fertilisationsbehandlung, am häufigsten Frauen mit Brustkrebs. Diese Patientinnen erreichten auch die höchsten Geburtenraten, beispielsweise eine signifikant höhere als diejenigen mit Lymphom (70% vs. 30%). „Die Ergebnisse zeigen, wie effektiv die Erhaltung der Fruchtbarkeit in diesen Fällen sein kann“, sagt Khalife. „Ungefähr jede sechste, die ihre Gameten aufbewahren ließ, hatte ein gutes Ergebnis.“ Während die Krebsbehandlung unterschiedliche Auswirkungen auf die Fertilität hatte, zeigten „fast alle Patientinnen“ eine gewisse Verschlechterung ihrer Eierstockreserven, was eine Reihe von Reaktionen von einer leichten Toxizität der Behandlung (minimale Wirkung auf Marker der Eierstockreserve) bis zu schwerer Toxizität (vorzeitige Ovarialinsuffizienz) widerspiegelte. Es gab sogar eine Reihe von Fällen mit natürlicher Empfängnis nach einer Krebsbehandlung. Khalife erklärt, dass die am besten geeignete Methode zum Fruchtbarkeitserhalt individuell festgelegt wird. „Das Einfrieren von Eizellen wird normalerweise jungen Frauen angeboten“, sagt sie, „und bietet mit unseren erheblich verbesserten Verfahren der Kryokonservierung eine gute Chance für eine zukünftige Schwangerschaft. Die Kryokonservierung von Eierstockgewebe ist zwar noch nicht sehr weit verbreitet, wird aber in ausgewählten Fällen durchgeführt, wenn die Zeit drängt. Diese Technik bietet jetzt auch eine Option für die präpubertäre Frau, wo zuvor keine existierte.“ „Wir hoffen heute, dass alle jungen Frauen, bei denen Krebs diagnostiziert wird und die eine gute Prognose haben, zur Fruchtbarkeitsberatung überwiesen werden“, erklärt Khalife. „Der Erfolg eines solchen Service erfordert eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kollegen aus der Onkologie sowie einen schnellen Zugang und klare Überweisungswege, damit eine große Anzahl junger Patientinnen behandelt werden kann. Wir glauben, dass ein solcher Service zum Fertilitätserhalt ein wesentlicher Bestandteil einer modernen Krebsbehandlung sein muss.“
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