ESMO 2018: Tamoxifen-Therapie wird nicht selten schlecht eingehalten21. Oktober 2018 Foto: © Dan Race fotolia.com Fast jede sechste prämenopausale Frau, die wegen Brustkrebs im Frühstadium behandelt wird, hält ihre Tamoxifen-Therapie nach einem Behandlungsjahr nicht mehr ausreichend ein und setzt sich damit möglicherweise einem erhöhten Risiko für Rezidive und ein vermindertes Überleben aus. Das berichtete eine französische prospektive Studie beim aktuell in München laufenden ESMO 2018 (1). Eine endokrine Therapie wie Tamoxifen wird bei allen Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs für fünf bis zehn Jahre empfohlen (2). Frühere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass viele die Langzeittherapie abbrechen (3). “Dieses Problem ist wichtig, weil die Nichteinhaltung der endokrine Therapie – gemeint ist die Einnahme von weniger als 80% der verschriebenen Behandlung – mit einem höheren Risiko für Sterblichkeit und eine kürzere Zeit bis zum Wiederauftreten von Brustkrebs verbunden sein kann”, sagte Studienleiterin Dr. Barbara Pistilli, Onkologin am Institut Gustave Roussy in Villejuif, Frankreich. Die französische Studie ist die erste, die die Adhärenz durch Messung der Serumspiegel von Tamoxifen beurteilte, anstatt die Patientinnen nur zu fragen, wie sie ihre Behandlung einhalten. Bisher gab es nur begrenzte Informationen über die Einhaltung der Hormontherapie bei jüngeren Frauen. “Ich war überrascht über die hohe Rate der Nichteinhaltung, die wesentlich höher war als zuvor berichtet “, sagte Pistilli. “Frauen mit Brustkrebs sollten ermutigt werden, ihre Behandlung und alle Nebenwirkungen, die sie haben, mit ihrem Arzt zu besprechen, um Hilfe bei der Einnahme ihrer Therapie zu erhalten.” Die Untersuchung umfasste Patientinnen mit frühem, kürzlich diagnostiziertem (Stadium I-III) Brustkrebs aus der CANTO-Kohorte. Diese prospektive französische Studie untersucht die langfristigen Auswirkungen von Nebenwirkungen bei Brustkrebs-Behandlungen bei rund 12.000 Teilnehmerinnen. Die Forscher konzentrierten sich auf die Untergruppe von 1799 (16%) prämenopausalen Frauen, denen eine adjuvante endokrine Therapie verschrieben worden war. Sie bewerteten die Einhaltung der Tamoxifen-Therapie durch Messung der Serumspiegel nach einem, drei und fünf Jahren und verglichen dies mit den Angaben der Patientinnen über die Einhaltung. Die Studie untersucht zudem klinische und soziale Merkmale, die die Einhaltung der endokrinen Therapie beeinflussen könnten. Das Ziel ist, Patientinnen zu identifizieren, bei denen das Risiko besteht, dass sie die endokrine Therapie nicht wie empfohlen einnehmen. Die Ergebnisse zeigten, dass fast ein Fünftel (16,0%; 188/1177) der prämenopausalen Frauen, denen Tamoxifen verschrieben wurde, nach einem Jahr basierend auf der Bewertung des Tamoxifens im Serum keine adäquate Adhärenz aufwiesen (definiert als <60 ng /ml). Etwas mehr als eine von zehn (10,7%) war nicht adhärent, bei nicht nachweisbaren Tamoxifen-Spiegeln. Weitere 5,3% der Patientinnen waren schlecht adhärent, mit Tamoxifen-Serumwerten unterhalb der Steady-State-Konzentration, die nach 3 Monaten Behandlung erwartet wird. Die Analyse der Selbstberichte der Patientinnen zeigte, dass mindestens 50% der Patientinnen mit nicht nachweisbaren/niedrigen Tamoxifen-Spiegeln nicht angaben, dass sie Tamoxifen nicht wie vorgeschrieben einzunehmen. Pistilli kommentierte: “Wir sollten uns Zeit nehmen, um mit den Patientinnen zu erkunden, ob sie Nebenwirkungen haben, die ihre Adhärenz beeinflussen können, und sie unterstützen, bezüglich der Nichteinhaltung offen zu sein, so dass wir Optionen besprechen können, um zu helfen.” Sie fügte hinzu: “Wir müssen die Patientinnen verstehen, bei denen das höchste Risiko besteht, dass sie früh in ihrer Behandlung nicht adhärent sind, und zielgerichtete Interventionen zur Verbesserung der Selbstwirksamkeit und des Selbstmanagements von Nebenwirkungen bieten.” Basierend auf ihren Ergebnissen planen die Forscher nun, eine Intervention zu entwickeln, die eine verbesserte Adhärenz gegenüber der endokrinen Therapie bei prämenopausalen Frauen unterstützt. “Die Tatsache, dass 16% der Patientinnen Tamoxifen offenbar nicht ausreichend einnehmen, spricht meiner Meinung nach für Strategien zur Steigerung der Einhaltung”, kommentierte Giuseppe Curigliano, Leiter der Abteilung Early Drug Development bei der ESMO vom Europäischen Institut für Onkologie in Mailand. “Die Nichteinhaltung einer adjuvanten endokrinen Therapie ist ein unterschätztes und unterbewertetes Problem und setzt die Patientinnen dem Risiko eines unzureichenden klinischen Nutzens aus”, warnte er. “Wenn man berücksichtigt, dass weltweit viele prämenopausale Frauen mit hohem Risiko Aromatasehemmer plus Ovarialsuppression erhalten, die beide mehr Nebenwirkungen als Tamoxifen hervorrufen, berichten wir zu wenig über die Rate der Nichteinhaltung im wirklichen Leben.” Curigliano schlug vor: “Wir müssen auch Faktoren identifizieren, die mit einer schlechten Adhärenz verbunden sind.” Er merkte an, dass die Überzeugungen der Patientinnen über Krebs und ihre Behandlung sich als prädiktive Faktoren für die Einhaltung erwiesen haben, wobei die Angst vor einem erneuten Auftreten die Therapietreue unterstützt. “Es ist wichtig für Ärzte, eine gute Beziehung zu ihren Patientinnen zu haben und ein Gefühl für die Persönlichkeit der Patientin zu bekommen, um in der Lage sein, Diskussionen positiv zu orientieren und möglichen Missverständnissen entgegenzuwirken, um eine geringe Einhaltung der Therapie zu reduzieren”, sagte er. Pistilli räumte ein, dass zu den Einschränkungen der Studie die Tatsache zählte, dass sie auf einer französischen Kohorte basierte, so dass sie nicht für andere Verhältnisse gelten müsse. Sie wurde nicht entwickelt, um die Fruchtbarkeitsprobleme von Patientinnen zu untersuchen. Diese werden künftig untersucht. Darüber hinaus wurde das Tamoxifen im Serum nur zu einem Zeitpunkt gemessen, was die Spiegel über dem Serumspiegel des vergangenen Monats widerspiegelte und nicht des gesamten Jahres. Die Studie wird die Serumwerte von Tamoxifen nach drei und fünf Jahren Behandlung messen sowie die Auswirkungen der Nichtadhärenz auf die Mortalität und das Wiederauftreten von Brustkrebs beim Langzeit-Follow-up. Referenzen: 1. Abstract 185O_PR ‘Serum assessment of non-adherence to adjuvant endocrine therapy (ET) among premenopausal patients in the prospective multicenter CANTO cohort” was presented by Barbara Pistilli during the Proffered Paper Session on Friday, 19 October, 16:00 to 17:30 (CEST) in Room 13 – ICM. Annals of Oncology, Volume 29 Supplement 8 October 2018; die oben genannten Daten sind die finalen beim ESMO 2018 präsentierten DAten und gegenüber dem ursprünglichen Abstract aktualisiert. 2. Senkus E, Kyriakides S, Ohno S et al. Primary breast cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Annals of Oncology 2015; 26 (supplement 5): v8-v30 3. Hershman DL, Shao T, Kushi LH et al. Early discontinuation and non-adherence to adjuvant hormonal therapy are associated with increased mortality in women with breast cancer. Breast Cancer Res Treat 2011; 126: 529-537
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