Ethische Empfehlungen zur Triage von COVID-19-Erkrankten16. Juli 2020 Mathias Wirth vom Institut für Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Bern. (Foto: © zvg) Ein internationales Fachgremium unter Leitung von Mathias Wirth, Professor für Systematische Theologie und Ethik der Universität Bern, hat Empfehlungen erarbeitet, um eine Triage von COVID-19-Erkrankten in Extremsituationen zu vermeiden. Diese Empfehlungen sollen bei einer zweiten Infektionswelle das medizinische Personal in schwierigen Entscheidungen unterstützen und eine bessere Versorgung von Erkrankten sichern. „Zu den größten Schreckensszenarien der Corona-Pandemie gehört ein Mangel an intensivmedizinischen Beatmungsplätzen aufgrund rapide steigender Infektionszahlen“, sagt Mathias Wirth, Leiter der Abteilung Ethik an der Theologischen Fakultät der Universität Bern, denn: „Versorgungsengpässe können zu einer Triage von schwer an COVID-19 Erkrankten führen und damit eine Entscheidung über Leben und Tod erzwingen.“ Eine Triage meint hierbei die Bevorteilung einzelner COVID-19-Erkrankter gegenüber anderen je nach Dringlichkeit und Prognose. Gemeinsam mit Fachpersonen der Yale University, des King’s College London, der Charité Berlin und des Universitätsklinikums Essen hat Medizinethiker Mathias Wirth eine Stellungnahme zu diesen schwierigen Entscheiden verfasst. Triage nur unter ganz bestimmten Umständen ethisch vertretbar Die Experten warnen davor, die Möglichkeit einer Triage verfrüht einzusetzen; denn selbst wenn die Triage gerechtigkeitsbasierte Entscheidungen in Extremsituationen erlaube, führe sie zu einer erheblichen Belastung von Betroffenen, Angehörigen und medizinischem Personal. Um sie zu umgehen, müsse alles dafür getan werden, schwer kranke Patientinnen und Patienten in andere Spitäler ohne Versorgungsengpässe zu bringen – notfalls über Landesgrenzen hinweg, so die Autoren. Konkret empfehlen die Forschenden für die Vorbereitung auf künftige Infektionswellen eine verstärkte regionale, nationale und sogar internationale Kooperation in der intensivmedizinischen Versorgung von COVID-19-Patienten. „Nur weil die Triage unter bestimmten Umständen gerecht ist, bedeutet dies nicht, dass sie es unter allen Umständen ist“, sagt Wirth. „Es herrscht keine echte und legitime Triage-Situation, solange andernorts Behandlungsplätze verfügbar sind.“ Negative Entscheidung erfordert besondere Betreuung Zweitens dürfe eine negative Triage-Entscheidung für eine einzelne Person keinesfalls bedeuten, dass deren medizinische und psychologische Versorgung vernachlässigt werde. Im Gegenteil: Würde ihr ein Beatmungsgerät vorenthalten, seien für sie und auch ihre Angehörigen maximale Bemühungen für ihre Behandlung und Betreuung zu fordern. Die Stellungnahme von Wirth et al. liefert allen Stakeholdern, die sich in der gegenwärtigen Lage für mehr Kooperation einsetzen, gewichtige Argumente. Denn Gerechtigkeitsurteile, wie sie mit der Triage verbunden sind, beachten gemäß den Medizinethikern moralische Probleme zu wenig. „Das Leid, das Triage-Entscheidungen in den Epizentren der ersten Welle für Erkrankte, Angehörige und medizinisches Personal mit sich brachten, bezeugt dies“, sagt Wirth. Dank den Empfehlungen könnten Triage-Planungen deutlicher als Mittel der letzten Wahl eingestuft werden, sodass Alternativen stärker in den Blick genommen werden müssten.
Mehr erfahren zu: "USA nicht mehr in der WHO: Weniger Geld, fehlende Expertise" USA nicht mehr in der WHO: Weniger Geld, fehlende Expertise Für den Chef der Weltgesundheitsorganisation gibt es durch den US-Austritt nur Verlierer. Was den USA und dem Rest der Welt abhandenkommt.
Mehr erfahren zu: "Lungenkrebs: Tumor-Organoide für maßgeschneiderte Krebstherapie" Lungenkrebs: Tumor-Organoide für maßgeschneiderte Krebstherapie Aus Patientenproben gezüchtete Tumor-Organoide ermöglichen es, die Wirksamkeit von verschiedenen Krebstherapien vorab zu testen. Patienten mit Lungenkrebs könnten zukünftig von einem neuen Verfahren von Forschenden der Charité profitieren – und […]
Mehr erfahren zu: "Mortalität aufgrund von Lungenkrebs in Europa: Abflachung der Raten bei Frauen" Mortalität aufgrund von Lungenkrebs in Europa: Abflachung der Raten bei Frauen Nachdem die Sterberaten im Zusammenhang mit Lungenkrebs bei Frauen in den Ländern der Europäischen Union (EU) – mit Ausnahme Spaniens – über 25 Jahre lang gestiegen waren, erreichen nun laut […]