Ethnische Minderheiten in uroonkologischen Studien unterrepräsentiert

Die Verteilung von Ethnizitäten in der Bevölkerung wird in uroonkologischen Studien unzureichend wiedergegeben, wie eine aktuelle Studie zeigt. Foto: pathdoc – stock.adobe.com

In klinischen Studien zu Prostata-, Nieren- und Blasenkrebs sind Patienten aus ethnischen Minderheiten unterrepräsentiert. Dies zeigt eine aktuelle Publikation im “Journal of Clinical Oncology”.

“Die proportionale Vertretung von Minderheiten in klinischen Studien ist ein wichtiger Schritt, um Ungleichheiten im Gesundheitswesen anzugehen”, betont die Autorengruppe um Dr. Mark W. Ball vom National Cancer Institute in Bethesda (MD, USA). Die Realität ist davon aber nach wie vor weit entfernt, wie ihre Untersuchung zeigt.

Erstautorin Jeunice Owens-Walton und ihre Kollegen fragten für ihre Studie die ClincialTrials.gov-Datenbank nach abgeschlossenen Interventionsstudien der Phasen II und III zu Prostata-, Nieren- und Blasenkrebs ab. Zusätzlich verwendeten sie die Datenbank “Surveillance, Epidemiology, and End Results” (SEER), um die US-Prävalenz dieser Urogenitalkrebsarten zu berechnen. Sie berechneten Repräsentationsquotienten (RQ), um den relativen Anteil jeder ethnischen Gruppe, die an klinischen Studien teilgenommen hatte, gegenüber dem Anteil von Personen aus jeder Gruppe unter den nationalen Krebsfällen nach Krebsart zu beschreiben.

Von 341 Studien, die die anfänglichen Zulassungskriterien erfüllten, berichteten nur 169 (49,7%) über Daten zu Herkunft oder ethnischer Zugehörigkeit. Die aggregierten RQs von 2000 bis 2017 zeigten, dass weiße Patienten in Studien für alle Krebsarten kontinuierlich überrepräsentiert waren. Schwarze und asiatische Patienten waren bei allen Krebsarten schwach vertreten. Stratifiziert nach 3-Jahres-Schritten blieben die RQs für alle Ethnizitäten von 2000 bis 2017 stabil. Stratifiziert nach ethnischer Zugehörigkeit waren hispanische Patienten im Studienzeitraum bei allen Krebsarten unterrepräsentiert. Bei der Untersuchung der Repräsentation nach Finanzierungsquellen stellten die Autoren fest, dass von der US-Regierung finanzierte klinische Studien proportional die unterschiedlichsten Patientenpopulationen einschreiben, verglichen mit denen, die von akademischen Institutionen und der Industrie finanziert werden. Interessanterweise gaben mehr als 50% der untersuchten Studien weder Herkunft noch ethnische Zugehörigkeit an. Dies stellt einen deutlichen Mangel bei der Einhaltung der Bundesvorschriften für klinische Studien durch die Prüfärzte dar, wie die Autoren hervorheben. “Auf der Grundlage der Inzidenz dieser Krebsarten bei Minderheiten sollten sich die Bemühungen darauf konzentrieren, eine ethnisch integrative Krebsforschung zu schaffen”, fordern sie.

(ms)