Europäische Analyse zeigt keine Senkung der Sterblichkeitsrate nach primärer PCI25. Februar 2026 Im Jahr 2023 wurden in Deutschland fast 290.000 perkutane Koronarinterventionen vorgenommen. (Symbolfoto: ©andrey_orlov/stock.adobe,com) Eine Zunahme primärer perkutaner Koronarinterventionen (PCI) scheint nicht zu einer Senkung der Sterblichkeitsrate nach Myokardinfarkt geführt zu haben. Das zeigen Daten, die auf dem EAPCI Summit 2026 präsentiert wurden. Die primäre perkutane Koronarintervention (PCI) ist ein lebensrettendes Verfahren, das zur Wiederherstellung des Blutflusses nach einem akuten Myokardinfarkt eingesetzt wird. Um die Auswirkungen der primären PCI in Europa zu bewerten, laufen derzeit statistische Analysen. „Es ist allgemein anerkannt, dass die primäre PCI eine entscheidende Rolle bei der Senkung der Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt spielt. Allerdings bestehen erhebliche Unterschiede in der Durchführung der primären PCI und den damit verbundenen Patientenergebnissen auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene“, erklärt Ali Malik vom King’s College London (Großbritannien) den Hintergrund der aktuellen Analyse. Deren vorläufige Ergebnisse wurden am 20. Februar auf dem EAPCI Summit 2026 in München vorgestellt. Der Summit ist eine neue Veranstaltung der European Association of Percutaneous Cardiovascular Interventions (EAPCI), einer Unterorganisation der European Society of Cardiology (ESC). Datenanalyse von 21 europäischen Ländern Studienleiter Malik und Kollegen analysierten Daten aus dem ESC-Atlas der Kardiologie und dem ESC-Atlas der interventionellen Kardiologie. Diese fassen Statistiken zur Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) sowie zu Risikofaktoren, Behandlungsergebnissen und Therapieverfahren zusammen, um aktuelle Trends, Lücken und Ungleichheiten in der Versorgungsqualität aufzuzeigen. Die ESC-Atlas-Daten wurden mit Datensätzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) und von Eurostat zusammengeführt und umfassten 21 europäische Länder. Die Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen primären PCI-Eingriffen pro Million Einwohner und altersstandardisierten Mortalitätsraten nach akutem Myokardinfarkt unter Berücksichtigung von Störfaktoren wie der CVD-Prävalenz und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Nach Adjustierung: Höhere PCI-Raten mit höherer Mortalität assoziiert Im Ergebnis war in den analysierten Ländern ein höheres BIP pro Kopf mit niedrigeren altersstandardisierten Mortalitätsraten nach Myokardinfarkt assoziiert. Es handelt sich um eine moderate inverse Korrelation (Populationskorrelationskoeffizient = −0,54; p=0,004). Umgekehrt war eine höhere CVD-Prävalenz mit höheren altersstandardisierten Mortalitätsraten nach Myokardinfarkt assoziiert (Populationskorrelationskoeffizient = +0,45; p=0,02). Nach Adjustierung für das BIP pro Kopf und die CVD-Prävalenz zeigte sich eine moderate positive Korrelation: Höhere Raten primärer PCI waren mit einer erhöhten altersstandardisierten Mortalität nach Myokardinfarkt assoziiert (Populationskorrelationskoeffizient = +0,68; p<0,001). Ferner entdeckten die Forscher eine schwache inverse Assoziation, die darauf hindeutet, dass eine höhere Anzahl primärer PCI-Eingriffe pro interventionellem Kardiologen mit niedrigeren Mortalitätsraten nach Myokardinfarkt einherging (Populationskorrelationskoeffizient = −0,27; p=0,23). Weitere Analysen geplant Für Co-Studienleiter Sukruth Pradeep Kundur vom King’s College London sind die Ergebnisse überraschend: „Man würde erwarten, dass eine häufigere Durchführung der primären PCI zu niedrigeren Mortalitätsraten führt. Daher werden wir weitere Analysen durchführen, um zu klären, warum dieser Trend in unseren vorläufigen Ergebnissen nicht erkennbar ist.“ Seiner Ansicht nach unterstreicht der beobachtete Zusammenhang mit dem prozeduralen Volumen jedoch die Bedeutung der Expertise des Operateurs. Als relevante systembedingte Faktoren nennt er die Variabilität zwischen den Zentren und das Intervall zwischen Symptombeginn und Zugang zur primären PCI. Seniorautor Dr. Sanjay Sivalokanathan vom Mount Sinai Health System in New York (USA) bringt ein globales Problem ins Spiel: „Der weltweite Anstieg kardiometabolischer Risikofaktoren scheint eine bedeutende Rolle für die klinische Komplexität von Patienten mit akutem Koronarsyndrom zu spielen“, meint er. „Daher kann die PCI in bestimmten Situationen eine Herausforderung darstellen, was die Bedeutung der Erfahrung des Operateurs und fortgeschrittener interventioneller Strategien unterstreicht. Diese Entwicklungen verdeutlichen die Notwendigkeit kollaborativer, multidisziplinärer Ansätze, wobei die Prävention weiterhin der Eckpfeiler der Reduzierung der Gesamtbelastung durch CVD und der damit verbundenen Mortalität ist.“ (ah/BIERMANN)
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