Europäische Förderung für Tübinger Parkinson-Forscherin22. Dezember 2020 Die Rolle des Darms für die Entstehung von Morbus Parkinson ist bislang unklar. (Foto: ©peterschreiber.media – stock.adobe.com) Prof. Michela Deleidi, Parkinson-Forscherin am Tübinger Standort des DZNE, erhält einen „Consolidator Grant“ des Europäischen Forschungsrates (ERC) in Höhe von rund zwei Millionen Euro. Mit diesen Fördermitteln will sie untersuchen, ob die Parkinson-Erkrankung im Darm beginnt. Obwohl man festgestellt hat, dass in manchen Fällen von Morbus Parkinson Genmutationen eine Rolle spielen, sind die Auslöser der Erkrankung weitgehend unbekannt. Traditionell wird Parkinson als eine Erkrankung des Gehirns angesehen. Die Ursprünge könnten jedoch möglicherweise woanders liegen. „Befunde aus den letzten Jahren deuten darauf hin, dass bei der Parkinson-Erkrankung zuerst der Darm betroffen ist, bevor das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird. Daraus ist die Hypothese entstanden, dass der Darm der Ort der Krankheitsauslösung sein könnte und dass Parkinson durch entzündliche Prozesse im Darm ausgelöst wird“, sagt Deleidi. Mit der Förderung durch den ERC wollen sie und ihre Forschungsgruppe dieser Hypothese nachgehen. „Unser Ziel ist es, herauszufinden, was Entzündungsprozesse im Darm auslösen könnte, die letztlich zur Parkinson-Erkrankung führen. Der Auslöser könnten Infektionen sein. Um die bei Parkinson-Patienten auftretende Entzündung des Darms nachzuahmen, werden wir daher verschiedene Labormodelle von Darminfektionen verwenden. Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Projekts wird sein, die molekularen Schlüsselakteure in der Kommunikation zwischen dem entzündeten Darm und dem Gehirn zu identifizieren. Letzlich sollen die Erkenntnisse aus diesem Projekt zu einer früheren Diagnose, besserer Prävention und besserer Behandlung beitragen“, erklärt Deleidi. Das Vorhaben beruht auf Laborstudien und modernsten Forschungsmethoden, wie der Einzelzell-Genomsequenzierung und Organoiden, die aus Stammzellen von Patienten hergestellt werden. „Konkret haben wir vor, Organoide des Darms und des Gehirns herzustellen und sie mithilfe eines sogenannten Organ-on-a-chip-Ansatzes zu untersuchen. Der Chip stellt über winzige Leitungen und Kanäle sicher, dass das künstliche Gewebe optimal mit Nährstoffen versorgt wird“, erläutert Deleidi. „Unser Projekt wird sehr interdisziplinär sein und Expertise aus den Neurowissenschaften, der Immunologie und der Mikrobiologie kombinieren.“ Seit 2016 leitet Michela Deleidi eine Helmholtz-Nachwuchsgruppe am DZNE. Außerdem ist sie Juniorprofessorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. Deleidi ist derzeit an verschiedenen Forschungsprojekten zur Parkinson-Erkrankung beteiligt, darunter auch an großen internationalen Kooperationsprojekten.
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