Evidenzniveaus der Leitlinien von ACC, AHA und ESC

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Idealerweise basieren klinische Entscheidungen auf Evidenz aus mehreren randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die klinische Endpunkte evaluieren. In der Vergangenheit basierten jedoch nur wenige Empfehlungen klinischer Leitlinien vollständig auf dieser Art von Evidenz.

Forscher um Dr. Alexander C. Fanaroff von der Duke University untersuchten daher, wie es um die Evidenz der Leitlinien des American College of Cardiology (ACC)/der American Heart Association (AHA) und der European Society of Cardiology (ESC) heute bestellt ist und verglichen den aktuellen Zustand mit dem von 2008.

Zu diesem Zweck ermittelten sie die Anzahl der Empfehlungen und die Verteilung des Level of Evidence (LOE) A (gestützt auf Daten aus mehreren RCTs oder einer einzelnen großen RCT), B (gestützt auf Daten aus Beobachtungsstudien oder einer einzelnen RCT) und C (gestützt nur auf Expertenmeinung) für jedes Leitliniendokument.

In 26 aktuellen ACC/AHA-Leit­linien (2930 Empfehlungen; median 121 Empfehlungen pro Leitlinie [25.–75. Perzentile 76–155]) wurden 248 Empfehlungen (8,5%) als LOE A, 1465 (50,0%) als LOE B und 1217 (41,5%) als LOE C eingestuft. Der mediane Anteil der LOE-A-Empfehlungen betrug 7,9% (25.–75. Perzentile 0,9–15,2).

In 25 aktuellen ESC-Leitlinien (3399 Empfehlungen; median 130 Empfehlungen pro Leitlinie [25.–75. Perzentile 111–154]) wurden 484 Empfehlungen (14,2%) als LOE A, 1053 (31,0%) als LOE B und 1862 (54,8%) als LOE C klassifiziert.

Beim Vergleich der aktuellen Leitlinien mit früheren Versionen stieg der Anteil der Empfehlungen, die LOE A entsprachen, weder bei den ACC/AHA- (median 9,0% [aktuell] vs. 11,7% [früher]) noch bei den ESC-Leitlinien an (median 15,1% [aktuell] vs. 17,6% [früher]).

Fazit
„Unter den Empfehlungen in den wichtigsten Leitlinien der kardiovaskulären Gesellschaften wurde nur ein geringer Prozentsatz durch Evidenz aus mehreren RCTs oder einer einzelnen großen RCT gestützt“, so das ernüchternde Fazit. Dieses Muster scheine sich von 2008 bis 2018 nicht verbessert zu haben. (sf)

Autoren: Fanaroff AC et al.
Korrespondenz: Prof. Renato Lopes; renato.lopes@ duke.edu
Studie: Levels of Evidence Supporting American College of Cardiology/American Heart Association and European Society of Cardiology Guidelines, 2008-2018
Quelle: JAMA 2019;321(11):1069–1080.
Web: https://doi.org/10.1001/jama.2019.1122