Experten fordern: Bei Krebs sollen Ärzte und Fachkräfte bedarfsadaptierte Bewegungsprogramme empfehlen23. Oktober 2019 © New Africa – stock.adobe.com Ein internationales Expertenteam hat aktuell Richtlinien zum Thema Bewegung bei Krebs veröffentlicht. Die Bewegungs- und Krebsexperten empfehlen, dass Ärzte und Onkologen ihren Patient*innen zur Krebsprävention und -therapie systematisch Bewegungsmaßnahmen empfehlen und sie zu gezielter Bewegung anleiten. Sport- und Bewegungsfachkräfte sollen die individuell auf die Patient*innen abgestimmten und bedarfsadaptierten Bewegungsprogramme umsetzen. Dabei sollen die persönlichen Bedürfnisse, Vorlieben und Fähigkeiten von Krebsbetroffenen berücksichtigt und deren Lebensqualität verbessert werden. Der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS) hat die Arbeit des Gremiums finanziell und inhaltlich unterstützt. “Bei weltweit mehr als 43 Millionen Krebspatient*innen, die die Erkrankung überlebt haben, müssen wir uns der spezifischen Gesundheitsprobleme dieser Patientengruppe annehmen. Es gilt besser zu verstehen, wie Bewegung bei der Prävention, Behandlung und Nachsorge von Krebs helfen kann”, sagt Dr. Kathryn Schmitz von der ACSM und eine der Vorsitzenden des Expertenpanels. “Die multidisziplinäre Gruppe hochangesehener Bewegungs- und Krebsexperten hat sich zum Ziel gesetzt, die aktuelle wissenschaftliche Evidenz aufzuarbeiten und daraus Handlungsempfehlungen für behandelnde Ärzte und Fachkräfte sowie die Öffentlichkeit abzuleiten.” Privatdozent Dr. Joachim Wiskemann, der die AG Onkologische Sport- und Bewegungstherapie am renommierten Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg leitet, hat – unterstützt vom DVGS, mit der er und das NCT eng kooperieren – an dem Expertenpanel teilgenommen und u.a. maßgeblich an den Richtlinien für Menschen mit Krebserkrankung mitgewirkt. “Unsere Auswertung der Studienlage hat gezeigt, dass Überlebende einer Krebserkrankung von körperlichem Training profitieren und dieses vor allen Dingen auch sicher für die Patient*innen ist. Wichtigste Botschaft ist: Betroffene sollten auf jeden Fall körperliche Inaktivität vermeiden. Wir haben ausreichend Belege dafür gefunden, dass regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining, besonders in Kombination, einen positiven Einfluss auf die krebsbedingten gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Patient*innen wie Angstzustände, Depressionen, Fatigue, körperliche Einschränkungen und die allgemeine Lebensqualität haben”, fasst Wiskemann Teilergebnisse der Expertenrunde zusammen. “Selbst wenn Ärzte und Fachkräfte Bewegungsmaßnahmen empfehlen, ist es für die Betroffenen nicht immer leicht, den “inneren Schweinehund” zu überwinden und diesen Programmen ausdauernd zu folgen. Am NCT Heidelberg und Dresden haben deshalb Sportwissenschaftler, Psychologen und Physiotherapeuten aktuell ein spezielles Motivationsprogramm entwickelt, das sich als zentraler Baustein in existierende Sport- und Bewegungsangebote, besonders gut in Rehabilitationssportgruppen, integrieren lässt. Das Programm “MotivA – Meine Motivation für einen aktiven Alltag” leitet Betroffene dazu an, einen Bewegungsplan zu erstellen, Hindernisse für regelmäßige körperliche Aktivität zu identifizieren und Gegenstrategien zu entwickeln”, ergänzt Joachim Wiskemann. Die neuen evidenzbasierten Richtlinien beinhalten insgesamt folgende Kernaussagen und Empfehlungen: Für Erwachsene spielt Bewegung bei der Krebsprävention eine wichtige Rolle und vermindert insbesondere das Risiko für sieben weit verbreitete Krebsarten: Kolon-, Brust-, Endometrium- Nieren-, Blasen-, Ösophagus- und MagenkrebsFür Überlebende von Brust-, Kolon- und Prostatakarzinomen ist wissenschaftlich belegt, dass körperliche Aktivität mit einer verbesserten Überlebenswahrscheinlichkeit assoziiert ist.Bewegung während und nach einer Krebsbehandlung verbessert Fatigue, Angstzustände, Depressionen, Körperfunktion und die Lebensqualität. Es verschlimmert keine Lymphödeme der oberen Extremität (beispielsweise nach Brust-Operation mit Lymphknotenentfernung).Die Forschung zum Thema muss intensiviert werden, um die Integration von Bewegung in die Standardtherapie von Krebs voranzubringen. Die wachsende Evidenz für den gesundheitlichen Nutzen von Bewegung für Krebspatienten muss verstärkt in die Praxis übersetzt werden. Systematische Verschreibung von Bewegung durch Ärzte Mediziner, Sport- und Bewegungstherapeuten sowie Fitness-Trainer sollten die neuen Empfehlungen bei der Umsetzung von Bewegungsprogrammen für Krebspatient*innen und Krebsüberlebende berücksichtigen. Damit die aktuellen Empfehlungen des Fachgremiums in die Praxis gelangen, hat das ACSM mit seiner Initiative “Exercise is Medicine” eine neues Programm ins Leben gerufen: Moving Through Cancer. Dieses für den klinischen Alltag entwickelte Programm soll sicherstellen, dass alle Krebspatient*innen standardmäßig untersucht, beraten und an angemessene Bewegungs- und Rehabilitationsprogramme überwiesen werden. Ein globales Register für Bewegungsprogramme ist unter www.exerciseismedicine.org/movingthroughcancer zu finden. In Deutschland: Das Netzwerk OnkoAktiv Joachim Wiskemann ergänzt einen Hinweis auf ein aktuelles Projekt in Deutschland: “Damit an Krebs erkrankte Menschen und onkologisch beratende Ärzte/Fachkräfte ein geeignetes wohnortnahes Bewegungsprogramm finden können, wird gerade das Netzwerk OnkoAktiv systematisch aufgebaut, an dessen Planung auch der DVGS beteiligt ist. Interessierte können über die Such- und Kartenfunktion (www.netzwerk-onkoaktiv.de) des Netzwerkes Bewegungs- oder Beratungsangebote in ihrem Umfeld finden oder im direkt mit den lokalen OnkoAktiv Zentrum in Kontakt treten (www.nct-heidelberg.de/onkoaktiv). Anschließend kann entweder eine Therapie- und Trainingsinstitution direkt kontaktiert werden oder ein qualitätsgesicherter Beratungs-, Untersuchungs- und Vermittlungsprozess angestoßen werden. Interessierte Bewegungsanbieter können dem Netzwerk aktiv beitreten. Quelle: Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS)