Extreme Tierarten als Schlüssel für Erkrankungen des Menschen

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Zahlreiche Tiere leben in extremen Umgebungen und haben ihren Stoffwechsel entsprechend angepasst. Wissenschaftler zeigen nun, dass sich aus diesem Wissen Lösungen entwickeln lassen könnten, die gegen Erkrankungen beim Menschen helfen. Ein klassischer One-Health-Ansatz.

Mit einer Meta-Studie hat ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien diesen Ansatz verfolgt und versucht, neue Lösungswege aufzuzeigen. Der Fokus richtet sich bei der One-Health-Studie unter anderem auf Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Braunbär & Co. stellen althergebrachte Paradigmen der Stoffwechselregulation in Frage

Das im Journal „Diabetologia“ veröffentlichte wissenschaftliche Review bereits publizierter Studien nahm „extreme Tierarten“ genauer unter die Lupe. Unter Federführung von Peter Stenvinkel vom Karolinska Institute in Stockholm untersuchten die Forschenden die bemerkenswerten metabolischen Anpassungen von Tieren, die in extremen Umgebungen leben. Die Studie liefert Einblicke in ihre Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und Krankheitsresistenz.

Arten wie Winterschlaf haltende Braunbären, Zugvögel, Höhlenfische, Grönlandhaie und Nacktmulle weisen demnach einzigartige metabolische Eigenschaften auf, die herkömmliche Paradigmen der Stoffwechselregulation in Frage stellen.

Neuartige Lösungen für Erkrankungen des Menschen

Diese Anpassungen – darunter die Resistenz gegen Hypoxie (Sauerstoffmangel) und metabolische Alterung – bieten laut den Wissenschaftern potenzielle Lösungen für Stoffwechselstörungen beim Menschen, darunter Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Erkenntnisse aus der vergleichenden Physiologie könnten dazu beitragen, neue therapeutische Ansatzpunkte für die Förderung der menschlichen Gesundheit zu identifizieren. Insbesondere beträfe dies die Mechanismen, mit denen Tiere mit Nahrungsknappheit, extremen Temperaturen und Hypoxie umgehen.

Dazu Studien-Co-Autorin Johanna Painer-Gigler vom FIWI: „Beispielsweise kann der Winterschlaf als Modell für das Verständnis von Stoffwechselerkrankungen dienen und Einblicke in reversible Insulinresistenz und Energiehomöostase liefern. Auf dieser Basis sind neuartige Behandlungsmethoden von Stoffwechselerkrankungen eine realistische Perspektive.“

Länger und gesünder leben durch hohe Resilienz

Darüber hinaus lässt sich von langlebigen Arten und ihrer Anpassung an Umweltstress auch Einiges zum Thema Altern und Resilienz lernen. Viel wertvolles Wissen schlummert laut den Wissenschaftern auch im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und auch in der Anpassungsfähigkeit von resilienten Arten an globale Umweltveränderungen erkennen sie Potenzial. Insgesamt ist die Resilienz dieser Tierarten gegenüber widrigen Umweltbedingungen oft mit einer gesunden Langlebigkeit und einem geringen Krankheitsrisiko verbunden.

Klimawandel – eine Gefahr auch für an Extreme angepasste Tierarten

Im Klimawandel sehen die Wissenschaftler die größte Gefahr. Dieser gefährdet laut ihren Erkenntnissen auch das Überleben von Tierarten, die an extremste Umweltbedingungen angepasst sind. „Wir fordern einen ganzheitlichen Ansatz für den Artenschutz und den Umweltschutz, um diese Arten und die wertvollen Erkenntnisse, die sie für die Steuerung unserer Stoffwechselgesundheit bieten, zu erhalten“, betont deshalb Studien-Co-Autorin Szilvia Kalogeropoulu vom FIWI.

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