Exzentrische Zuckungen: Gibbon-Weibchen im „Saturday Night Fever“?10. Oktober 2024 Nördliches Weißwangen-Schopfgibbon im Zoo von Mulhouse (links) und Südliches Gelbwangen-Schopfgibbon-Weibchen mit Jungtier im Zoo von Amsterdam (rechts). Fotos: © Miriam Lindenmeier (l.); HHU/Kai R. Caspar (r.) Weibliche Schopfgibbons zeigen abgehackte, fast geometrisch wirkende Bewegungsmuster wie einst John Travolta. Forschende haben diese auffälligen, an Juckreiz erinnernden, mit Tänzen vergleichbaren Bewegungen studiert. Vielleicht haben Zoobesucher es ja schon einmal gesehen: Weibliche Schopfgibbons vollführen auffällige Abfolgen von zuckenden Bewegungen mit Rumpf, Armen und Beinen. Dies ist in Zoos zu beobachten, aber auch im Freiland. Das Video https://osf.io/x7z8c zeigt eindrücklich Tänze von Schopfgibbonweibchen.Schopfgibbons gehören zur Familie der kleinen Menschenaffen. Das spezielle Verhalten wurde bisher kaum wissenschaftlich untersucht. Dr. Kai R. Caspar vom Institut für Zellbiologie der HHU, Dr. Camille Coye vom Institut Jean Nicod in Paris und Prof. Dr. Pritty Patel-Grosz von der Universität Oslo in Norwegen haben nun dieses bemerkenswerte Verhalten der Affen näher analysiert und stellen ihre Ergebnisse in der Zeitschrift „Primates“ vor. Es ging ihnen dabei um die Bewegungsabfolge, die Rhythmik und die Intentionalität – also die Umstände, unter denen die Affen die Tänze aufführen.Dr. Coye, Erstautorin der Studie: „Unsere Untersuchungen an Videomaterial aus verschiedenen Zoos und Auffangstationen belegt, dass alle Schopfgibbonarten diese Tänze zeigen. Sie stellen eine häufige und absichtsvolle Form der visuellen Kommunikation dar.“ Deren Bedeutung ist auch daraus zu ersehen, dass die Affen während eines Tanzes häufig prüfen, ob der Empfänger der Darbietung sie auch aufmerksam verfolgt.Prof. Patel-Grosz: „Nur geschlechtsreife Weibchen tanzen. Tänze dienen innerartlich offenbar in erster Linie als Aufforderung zur Kopulation, kommen darüber hinaus aber in einer Vielzahl von Situationen im Zusammenhang mit nicht-sexueller Erregung oder Frustration vor und werden in der Zoohaltung auch häufig an Menschen gerichtet.“Die Forschenden erkannten weiterhin, dass die Tanzbewegungen strukturiert sind. Dr. Caspar: „Häufig sind sie in Gruppen von Auf-Ab- oder aber Links-Rechts-Bewegungen organisiert und sie folgen einem klaren Rhythmus. Je nach Individuum können die Bewegungsabfolgen unterschiedlich komplex sein.“Die Forschenden sehen zwar Ähnlichkeiten zwischen Schopfgibbon- und menschlichen Tänzen, gehen aber davon aus, dass sich beide unabhängig voneinander entwickelt haben. Dafür spricht unter anderem, dass andere Menschenaffen kein solches Verhalten zeigen. Auch sind die Gibbontänze vermutlich angeboren, während menschlicher Tanz in erster Linie kulturell geprägt ist. Menschlicher Tanz ist zudem häufig an Musik oder Gesang gebunden, während Gibbons ihre Tänze nie so begleiten.„Das Tanzverhalten fiel rein zufällig auf, wird aber inzwischen aus den verschiedensten Zoos berichtet“, erläutert Dr. Caspar. Unter anderem sind tanzende Schopfgibbons in den Zoos in Duisburg und in Burger‘s Zoo in Arnheim in den Niederlanden zu sehen.
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