Fachmediziner beklagen zu hohe Hürden für Einsatz von 3-D-Bioprinting

Selbstauflösende Schrauben, Knochenzüchtung sowie Gefäße und Gewebe aus dem 3-D-Drucker: 3-D-Bioprinting ist keine Utopien mehr. In großem Stil für die Behandlung angewandt werden können die Innovationen aber nicht.

Angeborene Fehlbildung oder Knochenschwund durch Krebs: Innovative Verfahren zur Herstellung körpereigenen Gewebes für Transplantationen in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie kommen aus dem Labor nicht heraus. Fachmediziner haben zum Auftakt ihres Jahreskongresses am Donnerstag in Dresden die gesetzlichen Hemmnisse für den Einsatz am Patienten kritisiert. «Es gibt diese Techniken, sie können aber nicht eingesetzt oder verfeinert werden, weil uns die Mittel fehlen und die gesetzlichen Hürden zu hoch sind», sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG), Prof. Cornelius Klein.

«Praktisch stehen wir quasi in den Startlöchern, aber sind gefesselt durch ökonomische Barrieren», sagte Klein. So werde etwa die Behebung der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte durch Knochenzüchtung per Tissue Engineering in Deutschland nicht praktiziert. Durch diese künstliche Herstellung biologischer Gewebe – durch gezielte Kultivierung körpereigener Zellen und 3-D-Bioprinting komplexer Gewebe – ließen sich anorganische Materialien ersetzen, sagte Michael Gelinsky vom Zentrum für Translationale Knochen-, Gelenk- und Weichgewebeforschung der TU Dresden.

Ein neues Verfahren vereine das computergesteuerte 3-D-Bioprinting mit dem Tissue Engineering, um passgenaue Implantate aus lebendem Material zu gewinnen, erklärte der Forscher. So erzeugter komplexer Gewebeersatz könne sogar die Transplantation körpereigener Gewebe überflüssig machen. Die Behebung der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte durch Knochenzüchtung per Tissue Engineering aber wird laut DGMKG derzeit in Deutschland nicht praktiziert – wegen strenger Gesetze. «Es pausiert», sagte Klein.

Laut Gelinsky ist auch Hautersatz schon anwendbar, für die Industrie aber noch nicht lukrativ. Er geht davon aus, dass sich das in den nächsten fünf Jahren ändert. Bei Knochen dauere es noch zehn Jahre, Organe wie Leber und Niere aber seien komplizierter. «Menschliche Organe drucken, so weit sind wir definitiv noch nicht», sagte er. «Das ist noch ferne Zukunftsmusik.»

Quelle
dpa
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