Fachverbände: Es droht die Fortsetzung der Krise in der klinischen Diabetesversorgung

Foto: © Pavel Danilyuk, Pexels
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Die Diabetesberatung ist in deutschen Krankenhäusern kaum kostendeckend finanziert, wie Fachverbände in einer aktuellen Mitteilung kritisieren. Trotz geplanter Krankenhausreform dürfte sich ihrer Meinung nach an dieser Situation nichts ändern, da spezialisierte Diabetesfachkräfte in den derzeitigen Plänen nicht mitgedacht würden.

Dies geht aus einer gemeinsamen Stellungnahme des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) und des Bundesverbandes Klinischer Diabetes-Einrichtungen – DIE Diabetes-Kliniken e.V. (BVKD) hervor. Sie fordern eine vollumfängliche Finanzierung diabetologischer Leistungen, um Versorgungslücken bei Menschen mit Diabetes zu verhindern.

Seit Jahren sei die stationäre Diabetesversorgung im Fallpauschalensystem (DRG) unterfinanziert und nicht lukrativ. „Wir forden, dass die Krankenhausreform und die geplante Aufweichung des DRG die Qualität der stationären Diabetesversorgung berücksichtigt und verbessert“, so VDBD-Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch. „Dass Diabetesberater:innen DDG jenseits der Pflege auch im neuen Finanzierungsmodell keine Rolle spielen, ist nicht nur enttäuschend, sondern gefährdet auch eine adäquate Versorgung von Krankenhauspatient:innen mit Diabetes.“

Diabetesberatung als Herzstück der Diabetesversorgung

Menschen mit Diabetes brauchen in Kliniken die Hilfe spezialisierter Diabetesteams. Sie können Glukoseschwankungen – die aufgrund von neuen Medikamenten, Operationen oder einer Umstellung der Ernährung passieren – erkennen und therapeutisch begleiten, psychologisch beraten oder in technische Geräte, wie Insulinpumpen und moderne AID-Systeme, einweisen, beziehungsweise dazu schulen. Diese Arbeit von Diabetesberatern DDG ist für den gesamten Behandlungserfolg ausschlaggebend. „Es hilft Menschen mit Diabetes keinesfalls, ein Hüftimplantat erfolgreich eingesetzt zu bekommen, um kurz darauf eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung zu erleiden, da sich niemand um deren Diabetes kümmert“, gibt Dr. Thomas Werner, 1. Vorsitzender des BVKD zu bedenken. „Qualifizierte Diabetesberatung bildet daher ein Herzstück in der stationären Diabetologie.“ Auch das Pflegepersonal werde durch den Einsatz von Diabetesberatern DDG erheblich entlastet.

Krankenhausreform ohne Menschen mit Diabetes?

Um einer zukunftsfähigen diabetologischen Versorgung gerecht zu werden, fordern der VDBD und der BVKD in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die personelle Ausstattung mit definierten multiprofessionellen Behandlerteams mit qualifizierten Diabetesberatern DDG als Mindestanforderung zur Abrechnungsfähigkeit diabetesspezifischer DRGs festgeschrieben wird. „Die Beratung durch qualifizierte Diabetesfachkräfte ist die Basis für die Diabetesversorgung“, sagt VDBD-Vorstandsmitglied und Diabetesberaterin DDG Kathrin Boehm. „Daher muss diese unbedingt im Finanzierungskatalog der klinischen Versorgungsebenen II und III berücksichtigt werden.“ Dies gelte auch für eine angemessene Finanzierung der Vorhaltekosten von Diabetesfachkliniken auf den Versorgungsebenen II und III, ähnlich wie die klassischen Pflegeberufe (Pflegebudget), welche vollumfänglich unabhängig von den DRG finanziert werden sollen. Hierzu zählten Diabetesberater DDG als notwendige und pflegeentlastende Strukturmerkmale einer stationären Diabetologie.