Fallpauschalen gehen mit vermehrten Wiederaufnahmen einher18. Februar 2019 Foto: Unsplash | CC0 Sieben Jahre nach Einführung der Fallpauschalen an Schweizer Kliniken zeigt eine groß angelegte Studie, dass die Zahl der Wiederaufnahmen leicht angestiegen ist. Das berichten Forschende der Universität Basel und des Kantonsspitals Aarau in der Fachzeitschrift JAMA Network Open. Im Januar 2012 wurde mit dem Fallpauschalensystem SwissDRG schweizweit eine einheitliche Tarifstruktur für stationäre Krankenhausleistungen eingeführt. Befürworter erhofften sich davon einen Abbau von Überkapazitäten, eine kürzere Aufenthaltsdauer sowie einen langsameren Kostenanstieg. Kritiker hingegen warnten vor verfrühten (sogenannt „blutigen”) Entlassungen. Auswirkungen auf die medizinische Versorgung Forschende der Universität Basel und des Kantonsspitals Aarau haben den Effekt der Fallpauschalen nun erstmals breit untersucht. Anhand von Daten des Bundesamts für Statistik analysierten sie über 2,4 Millionen Hospitalisierungen aus der ganzen Schweiz aus den Jahren 2009 bis 2015. Der untersuchte Zeitraum umfasst damit drei Jahre vor und vier Jahre nach dem Systemwechsel. Konkret fragte die Studie nach der Auswirkung der neuen Krankenhausfinanzierung auf die Liegedauer sowie auf die Krankenhaussterblichkeit und die Zahl der Wiederaufnahmen innerhalb von 30 Tagen – wichtige Indikatoren für Effizienz und Versorgungsqualität. Kein Effekt auf Verweildauer Es zeigte sich, dass die Liegedauer über den ganzen Untersuchungszeitraum von 8 auf 7,2 Tage stetig zurückging, wobei sich dieser Trend mit der Einführung des neuen Vergütungssystems nicht beschleunigt hat. Ähnliches gilt für dieSterblichkeit: sie nahm über den ganzen Untersuchungszeitraum ab. Mehr Wiederaufnahmen Hingegen stieg die Rate der Patientinnen und Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach der Entlassung erneut ins Krankenhaus kommen, von 14,4 Prozent auf 15,0 Prozent an. „Dieser leichte, aber signifikante Anstieg könnte möglicherweise auf verfrühte Entlassungen hinweisen”, so Studienautor Dr. Alexander Kutz. Allerdings liessen sich kausale Effekte nur schwer ableiten, da etwa die poststationäre Mortalität nicht in die Studie einbezogen wurde. Die in der Fachzeitschrift „JAMA Network Open” veröffentlichte Studie gewährt erstmals einen fundierten Einblick in die Auswirkungen von SwissDRG auf die Versorgungsqualität in Schweizer Spitälern. Sie zeigt, dass es ergänzende, allenfalls sensiblere Analysen braucht, um den Effekt auf weitere Qualitätsindikatoren auf Ebene von Patientinnen und Patienten, Personal und Kliniken zu untersuchen.
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