Fallserie: Totalendoprothese nach Femurkopfhalsresektion beim Hund

Postoperatives Röntgenbild nach Einsetzen einer Totalendoprothese mit Augmentationsplatte. Abb.: © Dr. Diane Meiler/AniCura Tierklinik Haar

In einem Gastbeitrag, der in KOMPAKT VETMED 05/2025 erschienen ist, hat Dr. Diane Meiler die Totalendoprothese des Hüftgelenks bei drei Hunden mit vorausgegangener Femurkopfhalsresektion (FKHR) vorgestellt.

Dr. Diane Meiler Foto: © Andrea Späth Fotodesign

Meiler ist leitende Oberärztin der Chirurgie der AniCura Tierklinik Haar. Sie hat in Budapest und an der LMU München studiert, wo sie auch promovierte. Seit 2008 ist sie in der Tierklinik Haar tätig. Hier schloss Meiler zunächst die Spezialisierung zur Fachtierärztin für Kleintiere ab, anschließend die zur Fachtierärztin für Kleintierchirurgie. Seit 2012 ist sie Oberärztin für Chirurgie und schwerpunktmäßig in der Orthopädie und Unfallchirurgie tätig.

Meiler befasst sich vorwiegend mit komplexen orthopädischen Fällen wie etwa Gliedmaßenfehlstellungen und Patellaluxationen, ihr besonderes Interesse gilt der Endoprothetik. In Deutschland ist sie führend auf dem Gebiet der „computer-aided-design“-Operationstechniken. Sie ist als Referentin auf nationalen und internationalen Tagungen tätig.

Totalendoprothese des Hüftgelenks nach Femurkopfhalsresektion: Wann die Umwandlung sinnvoll ist

Die FKHR gilt als letzte Behandlungsoption bei schwerer Coxarthrose oder Traumafolgen, wenn gelenkerhaltende Therapien nicht mehr möglich sind. Viele Patienten erreichen damit eine akzeptable Gliedmaßenfunktion, wenn auch keine entsprechende Funktion des Hüftgelenks wiederhergestellt wird. Dennoch bleiben manche Hunde trotz korrekter Operationstechnik und Rehabilitation dauerhaft schmerzhaft und lahm. In solchen Fällen kann eine Umwandlung zur Totalendoprothese des Hüftgelenks sinnvoll sein.

Diese Fallserie beschreibt drei Hunde, die zwischen 2021 und 2024 nach vorangegangener Femurkopfhalsresektion eine Totalendoprothese des Hüftgelenks erhielten. Es handelte
sich um eine Französische Bulldogge (10 kg), einen Border Collie (21 kg) und einen Deutschen Schäferhund (28 kg). Alle Patienten zeigten persistente Schmerzen und deutliche Funktionseinschränkungen über Zeiträume von vier Monaten bis fünf Jahren nach Femurkopfhalsresektion.

Röntgenaufnahme Becken v/d des Schäferhundes: Zustand nach Femurkopfhalsresektion links. Aufn: © Dr. Diane Meiler/AniCura Tierklinik Haar

Diagnostik und Planung

Zur Operationsvorbereitung wurden standardisierte Röntgenaufnahmen sowie CTs angefertigt. Diese dienten der Beurteilung der individuellen anatomischen Veränderungen, insbesondere des Trochanterhochstands und der Femurflexibilität, sowie der Implantatplanung. Bei einem Hund ergab eine Elektromyographie Hinweise auf eine teilweise Denervierung des Ischiasnervs.

CT-Bild bzw. 3D-Rekonstruktion nach Femurkopfhalsresektion zur Darstellung des Trochanterhochstands. Credits: © Dr. Diane Meiler/AniCura Tierklinik Haar

Chirurgisches Vorgehen

In allen Fällen kam das zementfreie Züricher System (Kyon) zum Einsatz, einmal in der Mini-Variante. Spezielle individualisierte Implantate waren nicht erforderlich: Die Standardkomponenten konnten nach individueller Anpassung verwendet werden. Die Eingriffe erwiesen sich jedoch als deutlich anspruchsvoller als Primäreingriffe, da durch die vorangegangene FKHR die Knochenanatomie verändert und Weichteile fibrotisch verändert waren. Die größten Herausforderungen lagen in der erschwerten Orientierung an Femur und Acetabulum, der teilweise porösen Knochenqualität, einem ausgeprägten Trochanterhochstand sowie der schwierigen Identifikation und Vorbereitung des Acetabulums für die Pfannenimplantation. Dies machte eine individuelle Anpassung der Operationstechnik erforderlich. Bei zwei Hunden wurden zusätzlich Augmentationsplatten am Femur angebracht, um Frakturen von Femur und Trochanter major vorzubeugen.

Postoperativer Verlauf

Alle Hunde zeigten einen komplikationslosen postoperativen Verlauf. Beim Border Collie gestaltete sich die Situation komplexer, da er neben Lahmheit und persistierenden Schmerzen bereits präoperativ neurologische Defizite im Bereich des Ischiasnervs aufwies. Diese verstärkten sich in den ersten Tagen nach der Operation, bildeten sich jedoch rasch und vollständig zurück. Bei der ersten radiologischen Kontrolle nach 8 Wochen waren alle Hunde lahmheitsfrei.

Zwei Jahre postoperativ beantworteten zwei der Besitzer den validierten Fragebogen Canine Brief Pain Inventory, der Schmerzfreiheit und Lebensqualität bei orthopädischen Patienten im Alltag erfasst. Beide bewerteten das Ergebnis der Operation als „sehr gut“ bis „exzellent“.
Zusätzlich vorliegende Videos zeigten die Hunde aktiv und ohne Anzeichen einer Lahmheit. Bei der Französischen Bulldogge fehlte ein vollständiges Follow-up. Ein vom überweisenden Tierarzt nach einem Jahr angefertigtes Röntgenbild zeigte jedoch unauffällige Implantate sowie
eine kräftige Oberschenkelmuskulatur ohne Atrophie. Es ist daher anzunehmen, dass auch bei diesem Patienten eine deutliche funktionelle Verbesserung erreicht wurde.

Diskussion

Die Indikation zur Totalendoprothese des Hüftgelenks nach Femurkopfhalsresektion ergibt sich vor allem bei persistierenden Schmerzen und ausgeprägter Lahmheit. Obwohl der zeitliche Abstand zwischen Erst- und Revisionseingriff stark variierte (vier Monate bis fünf Jahre), profitierten alle Patienten von der Endoprothese. Besonders das lange Intervall im Fall der Bulldogge führte jedoch zu erheblichem Trochanterhochstand und erschwerte die Reduktion. Dies unterstreicht, dass ein frühzeitiger Revisionseingriff technisch günstiger sein kann.

Die Operation ist im Vergleich zur primären Totalendoprothese deutlich komplexer und mit einem
erhöhten Risiko für typische Komplikationen wie Luxation, Pfannenlockerung, Femur- oder Trochanterfrakturen sowie Ischiasneuropathie verbunden. Eine präzise präoperative Bildgebung sowie eine individuelle Operationsplanung sind daher unverzichtbar. Ebenso wichtig ist eine ausführliche Aufklärung der Besitzer über die gesteigerte Komplexität und das höhere Komplikationsrisiko des Eingriffs.

Fazit

Die Totalendoprothese stellt auch Jahre nach einer Femurkopfhalsresektion eine erfolgversprechende Option dar, wenn chronische Schmerzen und Funktionseinbußen
bestehen. Trotz der hohen technischen Anforderungen lassen sich mit sorgfältiger Planung und Durchführung gute funktionelle Ergebnisse erzielen. Zur besseren Beurteilung der Langzeitergebnisse sind weitere Studien mit größeren Fallzahlen und objektiven Methoden wie
der Gangbildanalyse notwendig.

Literatur

  1. Allaith S et al. Vet Surg 2023;
    52(2):196–208.
  2. Castelli E et al. Vet Surg 2019; 48(8),
    1520–1529.
  3. Fitzpatrick N et al. Vet Surg 2012;
    41(1): 136–142.
  4. Gofton N et al. Vet Surg 1982; 11(4):
    134–139.
  5. Heo SY et al. J Vet Sci 2015;
    16(1):131–4.
  6. Liska WD et al. Vet Comp Orthop Traumatol 2010;23(2):119–23.