Farbenblindheit und Harnblasenkarzinom: Studie zeigt höheres Sterberisiko28. Januar 2026 Eine Studie US-amerikanischer Forscher bestätigt einen Zusammenhang zwischen der Überlebensrate bei Blasenkrebserkrankung und Farbenblindheit.Symbolbild.©GladkovPhoto-stock.adobe.com Eine US-amerikanische Untersuchung zeigt, dass an Harnblasenkrebs Erkrankte, die gleichzeitig Farbenblind sind, eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen als Normalsehende. Das Erkennen von Blut im Urin, dem häufigsten ersten Anzeichen für Harnblasenkrebs, ist oft der Auslöser für die Diagnosestellung der Erkrankung. Von farbenblinden Menschen mit einer Rotschwäche bleibt dieses Warnsignal jedoch eher unbemerkt. Eine Studie von Forschern der Stanford Medicine, Stanford (USA), und ihren Kooperationspartnern hat ergeben, dass das Übersehen dieses frühen Anzeichens schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann. Bei einer Analyse von Gesundheitsakten stellten die Wissenschaftler fest, dass Menschen mit Harnblasenkarzinom, die gleichzeitig farbenblind sind, über einen Zeitraum von 20 Jahren eine um 52 Prozent höhere Sterblichkeitsrate aufweisen als Menschen mit Harnblasenkrebs und normalem Sehvermögen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature Health“. Harnblasenkrebspatienten mit Farbenblindheit zeigen geringere Überlebenswahrscheinlichkeit Für ihre Analysen nutzten die Studienautoren die Forschungsplattform TriNetX. Diese führt elektronische Gesundheitsdaten aus aller Welt in Echtzeit zusammen und stellt rund 275 Millionen anonymisierte Patientenakten bereit. Der riesige Patientenpool ermöglichte es den Forschern, anhand von Diagnosecodes Patienten mit ungewöhnlichen Merkmalen zu finden. Die Wissenschaftler identifizierten in rund 100 Millionen Patientenakten aus den Vereinigten Staaten 135 Patienten, bei denen sowohl Farbenblindheit als auch Harnblasenkrebs diagnostiziert worden war. Zudem machten sie 187 Patienten mit der Diagnose Darmkrebs bei gleichzeitiger Farbenblindheit aus. Die Plattform ermöglichte den Forschern für jede Gruppe eine passende Kontrollgruppe mit derselben Krebsdiagnose, ähnlichen demografischen und anderen Gesundheitsmerkmalen, aber mit normalem Sehvermögen zusammenzustellen. Die Analysen präsentierten, dass Harnblasenkrebspatienten mit Farbenblindheit eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit hatten als Patienten mit normalem Sehvermögen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren zeigten die Farbenblinden ein um 52 Prozent höheres Gesamtsterberisiko. Darmkrebspatienten mit Farbenblindheit zeigen keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Überlebensrate Aufgrund dieser Ergebnisse erwarteten die Forscher einen ähnlichen Effekt bei Menschen mit Darmkrebs. Sie konnten jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Überlebensrate zwischen Menschen mit und ohne Farbenblindheit feststellen. Ihrer Einschätzung nach liegt das daran, dass Blut im Stuhl bei Darmkrebs kein typisches Leitsymptom ist. Eine Studie zu Darmkrebs ergab, dass fast zwei Drittel der Patienten zunächst über Bauchschmerzen klagen und mehr als die Hälfte eine Veränderung der Stuhlgewohnheiten bemerkt. Darüber hinaus macht die Verbreitung von Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen das Erkennen von Blut im Stuhl für eine rechtzeitige Diagnose weniger entscheidend, so die Wissenschaftler. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass ihre Studie, die sich auf Standard-Diagnosecodes stützt, die Zahl der Todesfälle bei farbenblinden Harnblasenkrebspatienten möglicherweise unterschätzt, da viele Betroffene nie offiziell diagnostiziert werden und in den Daten als normalsichtig gelten. Studie soll Bewusstsein schaffen „Ich hoffe, dass diese Studie nicht nur bei Patienten mit Farbenblindheit, sondern auch bei unseren Kollegen, die diese Patienten behandeln, ein Bewusstsein dafür schafft“, erklärte Dr. Ehsan Rahimy, außerordentlicher klinischer Associate Professor für Ophthalmologie und leitender Autor der Studie. Die Autoren vertreten jedoch die Meinung, dass weitergehende Untersuchungen zu dieser Thematik notwendig sind. Die Studie wurde vom National Institutes of Health (Fördermittel P30-EY026877) und Research to Prevent Blindness, Inc. finanziert. (sas/BIERMANN)
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