Fehlende Signifikanz: kardiovaskuläre RCTs manchmal geschönt25. Juni 2019 © MIND AND I – fotolia.com Eigentlich sollen klinische Forscher ihre Ergebnisse objektiv und genau präsentieren, um sicherzustellen, dass die Leser nicht irregeführt werden. Doch mitunter verführt offenbar die jahrelange vergebliche Mühe dazu, den eigentlich statistisch nicht signifikant primären Ergebnissen doch noch einen positiven Dreh abzugewinnen. Eine solche Verdrehung der Tatsachen („Spin“), die als Manipulation der Sprache definiert wird, kann den Leser über die wahrscheinliche Wahrheit der Ergebnisse hinwegtäuschen Um zu klären, wie häufig und in welchem Maße ein solcher Spin in hochrangig publizierten Artikeln zu finden ist, durchsuchten die Autoren um Dr. Muhammad Shazeb Khan vom John H. Stroger, Jr. Hospital of Cook County die MEDLINE mit einer Cochrane-Suchstrategie (01.01.2015-31.12.2017). Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte klinische Studien (RCTs), die im „New England Journal of Medicine“, „Lancet“, „JAMA“, „European Heart Journal“, „Circulation“ und „Journal of the American College of Cardiology“ erschienen und deren primäre Ergebnisse statistisch nicht signifikant sind. Von 587 identifizierten Studien hätten 93 RCT-Berichte (15,8%) die Einschlusskriterien erfüllt, erläutern die Wissenschaftler. Einen Spin machten sie in 53 Abstracts (57%; 95%-Konfidenzintervall [KI] 47–67) und 62 Haupttexten veröffentlichter Artikel (67%; 95%-KI 57–75) aus. In 10 Berichten (11%; 95%-KI 6–19) identifizierten sie einen Spin im Titel, in 35 Berichten (38%; 95%-KI 28–48) im Ergebnisteil und in 50 Berichten (54%; 95%-KI 44–64) in den Schlussfolgerungen. Bei den Abstracts fanden sie einen „Spin“ in 38 Ergebnis-Rubriken (41%; 95%-KI 31–51) und in 45 Rubriken mit Schlussfolgerungen (48%; 95%-KI 38–58). Fazit „Diese Studie legt nahe, dass in Berichten über kardiovaskuläre RCTs mit statistisch nicht signifikanten primären Ergebnissen die Wissenschaftler häufig die Sprache des Berichts manipulieren, um von den neutralen primären Ergebnissen abzulenken“, bilanzieren die Autoren. Lesern von Herz-Kreislauf-Studien sollte bewusst sein, dass eine Begutachtung durch Fachkollegen die Verwendung irreführender Sprache in wissenschaftlichen Artikeln nicht immer ausschließe. (sf) Autoren: Khan MS et al. Korrespondenz: Dr. Richard A. Krasuski; [email protected] Studie: Level and Prevalence of Spin in Published Cardiovascular Randomized Clinical Trial Reports With Statistically Nonsignificant Primary Outcomes: A Systematic Review Quelle: JAMA Netw Open 2019;2(5):e192622 Web: https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2732330