Fehlende Wirksamkeit: Interventionsbündel mit adjunktiven Corticosteroiden bei ambulant erworbener Pneumonie

Grafik: © Sebastian Kaulitzki/Adobe Stock

In einer aktuellen Studie haben die Autoren die Wirksamkeit eines Bündels evidenzbasierter Maßnahmen zum Einsatz bei Patienten, die wegen einer ambulant erworbenen Pneumonie stationär behandelt werden, in einer repräsentativen Population unter Bedingungen der Routineversorgung getestet. Die Studie wurde in den Abteilungen für Innere Medizin zweier Krankenhäuser der Tertiärversorgung in Melbourne durchgeführt.

Den behandelnden klinischen Teams wurde geraten, Prednisolon­acetat in einer Dosierung von 50 mg/Tag 7 Tage lang (sofern keine Kontra­indikation vorlag) zu verschreiben und nach standardisierten Kriterien von parenteralen zu oralen Antibiotika zu deeskalieren. Implementiert wurden zudem die Durchführung einer algorithmusgesteuerten frühen Mobilisierung sowie das Screening auf sowie die Behandlung von Mangel­ernährung. Hauptendpunkte waren Krankenhausaufenthalt, Mortalität, Wiedereinweisung und mit der Intervention in Zusammenhang stehende unerwünschte Ereignisse (z. B. gastro­intestinale Blutungen und Hyper­glykämie).

Insgesamt 917 Patienten wurden gescreent und 816 in die ITT-Analyse eingeschlossen (mittleres Alter 76 [SD 13] Jahre; Intervention: n=401; Kontrollen: n=415). Für den Unterschied der Verweildauer (Tage) zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe wurde ein nicht angepasstes geometrisches Mittelwertverhältnis von 0,95 (95 %-KI 0,78–1,16) beobachtet.

Ebenso wurden keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die sekundären Endpunkte Mortalität und Wiedereinweisung festgestellt. Die Ergebnisse blieben nach weiterer Anpassung hinsichtlich Geschlecht und Alter unverändert. Dokumentiert wurden von den Studienautoren höhere Raten gastrointestinaler Blutungen in der Interventionsgruppe (9 [2,2 %]) im Vergleich zu den Kontrollen (3 [0,7 %]), bei einer nicht adjustierten geschätzten Differenz in den mittleren Anteilen von 0,008 (95 %-KI 0,005–0,010).

Das Interventionsbündel mit zusätzlichen Corticosteroiden habe keine Wirksamkeit gezeigt und führte zu einer höheren Inzidenz von Magen-Darm-Blutungen, schlussfolgern die Verfasser der Arbeit. Die Effektivität einzelner Interventionen, die in klinischen Studien nachgewiesen wurde, führe möglicherweise nicht unbedingt zu einer Wirksamkeit, wenn sie in Kombination angewendet würden, und könnte unter dem Strich sogar schaden, bilanzieren die Forscher.