Fertilitätserhalt bei Krebspatienten: ASCO-Leitlinie aktualisiert

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Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) hat bereits 2006 eine Leitlinie zum Fertilitätserhalt bei Krebspatienten verfasst, die 2013 und 2018 aktualisiert wurde. Nun kam ein Gremium um Prof. H. Irene Su von der University of California in San Diego, USA, zusammen, um diese Leitlinie anhand einer Evidenzbasis aus 166 Studien zu aktualisieren.

Wie die Experten ausführen, sollten Krebspatienten bei der Diagnose und nach ihrer Krebsbehandlung („during survivorship“) auf reproduktive Risiken untersucht und dazu beraten werden. Patienten, die an einem Fertilitätserhalt interessiert sind oder sich nicht sicher sind, sollten an Reproduktionsspezialisten überwiesen werden. Ansätze zum Fertilitätserhalt sollten vor einer Krebstherapie besprochen werden.

Weiter heißt es, Männern sollte vor einer Krebstherapie eine Kryokonservierung von Spermien angeboten werden. Falls keine Spermienproben abgegeben werden können, sollte eine testikuläre Spermienextraktion erfolgen, raten die Autoren. Die Kryokonservierung von Hodengewebe bei präpubertären Männern stufen sie als experimentell – sie sollte nur im Rahmen klinischer Studien angeboten werden. Ferner unterstreichen sie, dass Männer auf das potenziell höhere Risiko genetischer Schäden bei Spermien hingewiesen werden sollten, die kurz nach Beginn und Abschluss einer Krebstherapie gewonnen werden.

Frauen sollten etablierte Methoden zum Fertilitätserhalt angeboten werden, darunter die Kryokonservierung von Embryonen, Eizellen und Eierstockgewebe (OTC), die Ovarialtransposition und konservative gynäkologische Chirurgie. Als neue Methode, die angeboten werden könne, führen die Autoren die In-vitro-Reifung von Eizellen an. Maßnahmen zum Fertilitätserhalt nach der Krebsbehandlung kann jene angeboten werden, die vorher keine erhalten oder nicht genügend Eizellen oder Embryonen kryokonserviert haben. Das Team rät davon ab, Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten (GnRHa) anstelle etablierter Methoden des Fertilitätserhalts zu verwenden, sie könnten Frauen mit Brustkrebs jedoch ergänzend angeboten werden. Patientinnen mit onkologischen Notfällen, die dringend eine Therapie benötigen, könnten GnRHa zur Unterdrückung der Menstruation angeboten werden, schreiben Su und ihre Kollegen.

Bei Kindern in der Pubertät sollten etablierte Methoden zum Fertilitätserhalt mit Zustimmung des Patienten und der Eltern/Erziehungsberechtigten angeboten werden, führt das Team weiter aus. Die einzige etablierte Methode für präpubertäre Mädchen sei die OTC. Onkologische Teams sollten den sofortigen Zugang zu einem multidisziplinären Team für den Fertilitätserhalt sicherstellen.

Darüber hinaus sprechen sich die Experten dafür aus, dass sich Ärzte für eine umfassende Abdeckung der Leistungen zum Fertilitätserhalt einsetzen und Patienten beim Zugang dazu unterstützen sollten. Weitere Informationen: www.asco.org/survivorship-guidelines (sf)

Autoren: Su HI et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Fertility Preservation in People With Cancer: ASCO Guideline Update
Quelle: J Clin Oncol 2025;43(12):1488–1515.
Web: https://doi.org/10.1200/JCO-24-02782