Fettreiche Ernährung fördert Prostatakrebs in Kooperation mit der Tumorgenetik

© Simonforstock – stock.adobe.com (Symbolbild)

Eine fettreiche Ernährung und die Tumorgenetik fördern zusammen den Stoffwechsel von Prostatakrebs (PCa) und formen so die Mikroumgebung des Tumors.

Das ergibt eine internationale Forschungsarbeit, die in „Cancer Research“ publiziert und dort mit einem begleitenden Kommentar vorgestellt wird (Frigo DE. Cancer Res 2024 Jun 4;84(11):1742–1744). Konkret verursacht die fettreiche Ernährung zusammen mit dem regulatorischen Protein MYC eine Anreicherung von Laktat, was die PCa-Progression unterstützt.

Erstautorin Nadya Boufaied vom McGill University Health Centre in Montréal (Kanada) und Paolo Chetta von der Universität Mailand untersuchten mit ihren Kollegen, wie eine Ernährung mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren MYC-bedingten PCa fördert. Die Autoren nutzten dafür ein MYC-exprimierendes, gentechnisch verändertes, mit Allografts ausgestattetes Mausmodell. Die Mäuse erhielten entweder eine fettarme oder eine fettreiche Kon­trolldiät (high-fat diet, HFD), die mit gesättigten Fettsäuren angereichert war.

Die Autoren fanden heraus, dass mit HFD gefütterte Mäuse eine erhöhte Tumorinvasion aufwiesen. Zudem bewirkte HFD eine metabolische Verschiebung in den Tumoren in Richtung Glykolyse und Laktat­anreicherung. Diese Stoffwechselveränderungen waren mit einer erhöhten Infiltration von CD206+- und PD-L1+-Tumor-assoziierten Makrophagen (TAM) und regulatorischen FOXP3+-T-Zellen sowie mit der Aktivierung von Transkriptionsprogrammen verbunden, die mit dem Fortschreiten der Krankheit und der Therapieresistenz verbunden sind. Laktat selbst stimulierte auch die Neoangiogenese und die Migration von PCa-Zellen, was nach der Behandlung mit dem Laktat­dehydrogenase-Inhibitor FX11 deutlich abnahm.

Diese präklinischen Daten wurden durch Ergebnisse aus 2 großen klinischen Kohorten unterstützt, die zeigten, dass Männer mit PCa-Diagnose, die hohe Mengen gesättigter Fettsäuren zu sich nahmen, Tumoren mit glykolytischen Signaturen besaßen. Bei Patienten mit PCa waren eine hohe Aufnahme gesättigter Fettsäuren und ein erhöhter Body-Mass-Index mit tumorglykolytischen Merkmalen verbunden, die die Infiltration von M2-ähnlichen TAMs fördern. Schließlich war eine Hochregulierung der Laktatde­hydrogenase, die auf einen laktagenen Phänotyp hinweist mit einer kürzeren Zeit bis zum bioche­mischen Rezidiv verbunden.

Fazit
Diese Arbeit identifiziert die Zusammenarbeit zwischen genetischen Treibern und dem systemischen Stoffwechsel, um die Tumormikroumgebung regelrecht zu kapern und das Fortschreiten des PCa durch die Ansammlung von Onkometaboliten zu fördern. Zusammen genommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass eine Ernährung, die reich an gesättigten Fettsäuren ist, und nicht nur Fettleibigkeit an sich, MYC-bedingten PCa beschleunigt, indem sie den Tumorstoffwechsel verändert und das Tumormikroumfeld umformt. Wie die Forscher weiter betonen, könnten die Ergebnisse für Laktat als prognostischen Biomarker sprechen und Strategien der diätetischen Intervention und der direkten Laktageneseblockade bei der Behandlung von fortgeschrittenem PCa unterstützen. (ms)

Autoren: Boufaied N et al.; Frigo DE
Korrespondenz: David P. Labbé, [email protected]
Studie: Obesogenic High-Fat Diet and MYC Cooperate to Promote Lactate Accumulation and Tumor Microenvironment Remodeling in Prostate Cancer
Quelle: Cancer Res 2024 Jun 4;84(11):1834-1855; Cancer Res 2024 Jun 4;84(11):1742–1744.
Web: https://doi.org/10.1158/0008-5472.CAN-23-0519