Fokus auf Nozizeption: Multimodaler Ansatz für eine verbesserte Anästhesie4. Oktober 2018 Foto: © serhiibobyk – Fotolia.com Forscher des Picower Institute (MIT) veröffentlichen einen nozizeptiv-fokussierten Ansatz zur Anästhesie, mit welchem durch weniger Medikamente eine bessere Anästhesie erreicht werden kann. Anästhesie wird manchmal mit einem sehr tiefen Schlaf verwechselt, tatsächlich handelt es sich aber um 4 verschiedene Zustände: Bewusstlosigkeit, Amnesie, Unbeweglichkeit und Nozizeption. In einer neuen Publikation in der Fachzeitschrift „Anesthesia & Analgesia“ sprechen sich der Neurowissenschaftler und Statistiker Dr. Emery Brown und seine Kollegen dafür aus, der Nozizeption höchste Priorität einzuräumen. Mit einem auf grundlegenden Prinzipien beruhenden, neurowissenschaftlichen Ansatz zur Auswahl der zu verabreichenden Arzneien könnten Anästhesisten insgesamt weit weniger Medikamente verwenden und somit einen erheblichen Vorteil für Patienten erzielen. „Wir haben uns Strategien ausgedacht, welche es uns ermöglichen, die gemeinhin genutzten Medikamente in verschiedenen Verhältnissen zu dosieren, um den gewünschten anästhetischen Zustand zu erreichen“, sagt Brown, Professor am Picower Institute for Learning and Memory beim Massachusetts Institute of Technology (MIT) und praktizierender Anästhesiologe am Massachusetts General Hospital. In der Veröffentlichung legen Brown und seine Kollegen genau dar, auf welche Weise die wichtigsten Anästhetika die nozizeptiven Bahnen des Nervensystems beeinflussen. Zusätzlich zeigen die Autoren anhand von vier verschiedenen chirurgischen Eingriffen, wie sie in der Lage waren Neurowissenschaften zu nutzen, um mit ihrer Auswahl einer „multimodalen“ Kombination von Medikamenten nozizeptive Bahnen an verschiedenen Punkten zu manipulieren. Somit konnte jedes einzelne Medikament nur sehr gering dosiert werden. Da erschwertes Erwachen ein Nebeneffekt dieser Strategie darstellt, war zusätzlich eine niedrigere Verabreichung von Medikamenten notwendig, welche die Bewusstlosigkeit aufrechterhalten. Dieser Zustand wurde während der Eingriffe konstant mittels EEG überwacht. „Wenn man auf diese Weise vorgeht, erhält man bessere Kontrolle über die Nozizeption und man erlangt den gleichen Grad der Bewusstlosigkeit mit einer geringeren Menge von Medikamenten“, erklärt Brown. „Patienten erwachen schneller aus der Narkose, und wenn man die multimodale Strategie in die postoperative Periode miteinschließt, hat man die Schmerzkontrolle bereits so weit berücksichtigt, dass in diesem Zeitraum nur noch wenige oder keine Opioide mehr benötigt werden.“ Einen prinzipientreuen, nozizeptiv-fokussierten Ansatz in der Praxis umzusetzen, erfordert das Entwerfen eines detaillierten Behandlungsplans für jeden Patienten; vor, während und nach dem Eingriff, sowie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, bemerken die Autoren. Das Vorgehen steht im Kontrast zu eher traditionellen Ansätzen. „Unsere Arbeit legt den Grundstein für zwei Dinge: postoperativ einen klareren Kopf – sichergestellt durch schnelleres Wiedererlangen des Bewusstseins und der Tatsache, dass weniger Anästhetika für die Aufrechterhaltung der Bewusstlosigkeit verwendet werden – und eine bessere, vollständigere postoperative Schmerzkontrolle“, ergänzt der Autor.
Mehr erfahren zu: "American Stroke Association veröffentlicht neue Leitlinie" American Stroke Association veröffentlicht neue Leitlinie Die American Stroke Association (ASA) hat im Vorfeld der Internationalen Schlaganfallkonferenz 2026 ihre Leitlinie zur Schlaganfallbehandlung für Erwachsene erweitert und gibt erstmals Empfehlungen für die Behandlung von Schlaganfällen bei Kindern. […]
Mehr erfahren zu: "Neues Herzzentrum am Klinikum Chemnitz eröffnet" Neues Herzzentrum am Klinikum Chemnitz eröffnet Moderne Diagnostik, schnellere Terminvergaben, enge Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung: Herzpatienten sollen am neuen Herzzentrum des Klinikum Chemnitz fortan besser medizinisch betreut werden.
Mehr erfahren zu: "Krebs durch Impfung: Was hinter dieser Falschmeldung steckt" Krebs durch Impfung: Was hinter dieser Falschmeldung steckt Impfgegner sind auch nach der Corona-Pandemie in sozialen Netzwerken unterwegs. Sie warnen vor angeblich schwersten Nebenwirkungen und sprechen von „Turbokrebs“. Wie belastbar sind diese Behauptungen?