Folgen neurointensivmedizinischer Komplikationen von COVID-1920. Juni 2022 Patienten, die infolge einer SARS-Cov-2-Infektion intensivpflichtig werden, können schwerwiegende neurologische Manifestationen entwickeln.1 Aus mehreren Studien, die auch COVID-19-Intensivpatienten enthielten oder auf diese fokussiert waren, ergaben sich je nach Selektions- und Definitionskriterien Häufigkeiten solcher Affektionen des Nervensystems von bis zu 50 Prozent und Assoziationen mit höherer Mortalität und Morbidität.2 Eine mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) durchgeführte IGNITE-Studie PANDEMIC fokussiert sich ausschließlich auf COVID-19-Intensivpatienten und fand, vergleichbar mit anderen Studien, als häufigste Manifestationen Enzephalopathien, ischämische/hämorrhagische Schlaganfälle sowie neuromuskuläre Komplikationen wie die Critical Illness Neuropathie/Myopathie. Passend dazu würden in der neurorehabilitativen Literatur zu dieser Patientengruppe fortbestehende Lähmungen, kognitive und emotionale Symptome berichtet3, erklärte die DGNI. Diese können Ausprägungen eines Post-COVID-Syndroms (Symptome >2 Monate andauernd, >3 Monate nach Infektion (noch) vorhanden) darstellen, das in anderer Form sonst auch nach milden oder moderaten COVID-19-Verläufen auftritt. Die Mechanismen, die für ein Post-COVID-Syndrom postuliert werden, umfassen Neurotransmitter-Imbalancen, postinfektiöse Entzündungen, endothelial-mikrozirkulatorische und immunvermittelte (z. B. Zytokin- und Antikörper-assoziierte) Prozesse. Neurologische Manifestationen des COVID-19-Intensivpatienten sollten aktiv gesucht werden und Anlass zu einer Neuro-Frührehabilitation geben4, erklärte die DGNI. Die medizinischen und gesellschaftlichen Langzeitfolgen durch anhaltende Symptome wie Fatigue, neurokognitiver Abbau, neuropsychiatrische Defizite und motorische Einschränkungen dürften enorm sein, seien hinsichtlich ihrer Bedeutung aber noch nicht ausreichend untersucht. Insgesamt erinnerten diese Langzeitfolgen stark an das Post-Intensive-Care-Syndrome (PICS), für das mechanistisch vaskuläre, hypoxische, Zytokin- und Mikroglia-assoziierte Prozesse angenommen werden, heißt es in einer Mitteilung der DGNI. Die Neuro-COVID-assoziierten Langzeitfolgen und diejenigen, die mit der Intensivtherapie (Beatmung, Sedierung, Organersatzverfahren, Medikamente, Delir,…) und/ oder Organschäden wie dem ARDS assoziiert seien, ließen sich in dieser Patientengruppe kaum voneinander trennen. Und ebenso wie beim PICS gebe es für die neurointensivmedizinischen Folgen von COVID-19 bisher keine bekannten kausalen Therapien, sondern multimodale supportiv-symptomatische Ansätze, die allerdings in Ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden sollten, so die Fachgesellschaft weiter. Neuro-Intensivmedizinern, die konsiliarisch zu COVID-19-Intensivpatienten hinzugezogen werden, empfiehlt die DGNI, neurologische Manifestationen in dieser Population aktiv zu suchen, eine angepasste Diagnostik durchzuführen und dazu beizutragen, diese Patienten einer neurologischen Früh-Rehabilitation zuzuführen. Während der Intensivphase seien die leitliniengerechte Therapie von COVID-19, die symptomorientierte neurologische/ neurochirurgische Therapie und die Erwägung immunmodulatorischer Therapieansätze (z. B. bei Enzephalopathien oder Neuropathien), die zunehmend positiv berichtet werden, besonders wichtig, erklärte die Fachgesellschaft.