Forscher entdecken neuen Mechanismus bei der Alzheimer-Erkrankung

Arbeitsgruppenleiter Prof. Bernd Bufe (l.) begutachtet die Labor-Ergebnisse von Lukas Busch. (Foto: Susanne Lilischkis)

Forscher der Hochschule Kaiserslautern haben neue Rezeptoren entdeckt, die viele verschiedene Amyloid-beta-Varianten erkennen und daher maßgeblich das Erkrankungsgeschehen der Alzheimer-Demenz beeinflussen könnten.

Das Gehirn hat sein eigenes Immunsystem. Mikrogliazellen durchforsten das Denkorgan auf der Suche nach Eindringlingen oder Verletzungen. Treffen sie auf für das Gehirn schädliche Stoffe, werden sie aktiv und sorgen für Entzündungsprozesse, um Krankheitskeime und Giftstoffe abzuwehren. Doch wenn Mikrogliazellen auf Ablagerungen des körpereigenen Amyloid-beta-Eiweißes treffen, führt die Entzündung zu unwiderruflichen Schäden im Gewebe des Gehirns. „Wenn das passiert, wird ein Teufelskreis an Schädigungsreaktionen ausgelöst. Nervenzellen gehen kaputt und es kann zu einem regelrechten Lochfraß im Gehirn kommen“, erklärt Prof. Bernd Bufe den Vorgang.

Die genauen Ursachen, warum Amyloid-beta diese Schädigung auslöst, ist bislang nur teilweise verstanden. Von Amyloid-beta gibt es mehr als hundert Varianten, von denen bislang nur zwei bis drei gut untersucht sind. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass es sehr wichtig ist, insbesondere die wenig untersuchten Varianten genauer anzuschauen“, bemerkt der Forschungsgruppenleiter. Die Forschungsgruppe hat nämlich drei Rezeptoren identifiziert, die besonders viele dieser Varianten erkennen können. Einige davon kommen sogar noch viel häufiger im Gehirn vor als die bislang gut untersuchten Formen.

Derzeit ist die genaue Rolle der Rezeptoren im Gehirn noch unklar. Die Forschungsgruppe vermutet folgendes Szenario, nach dem einer der neu gefundenen Rezeptoren (FPR1) nach dem Kontakt mit Amyloid-beta Entzündungsreaktionen auslöst, während ein anderer Rezeptor (FPR2) vermutlich bei der Eindämmung von Schäden an den Nervenzellen des Gehirns hilft. Nach den Messdaten der Arbeitsgruppe reagiert dieser erst bei größeren Mengen von Amyloid-beta, daher kann im Körper vorher schon viel Schaden entstanden sein. Deshalb könnte es sinnvoll sein, den hilfreichen Rezeptor medikamentös zu aktivieren und den schädigenden Rezeptor zu blockieren, um die Immunreaktion im Gehirn einzuschränken. Über den dritten Rezeptor (FPR3) ist derzeit so gut wie nichts bekannt. Da er im Gehirn nicht vorkommt, ist seine Beteiligung an Alzheimer erst in späten Erkrankungsphasen möglich.

Bislang haben die Zweibrücker Forscher die Reaktion der Rezeptoren vor allem in Zellkultur-Versuchen untersucht. In der nächsten Phase ihres Forschungsprojektes werden sie vor allem versuchen, ihre Erkenntnisse in Mausmodellen zu bestätigen. Wenn alles gut läuft, könnte am Ende ein Medikament stehen, das die Entstehung von Alzheimer aufhält oder verlangsamt. „Studien von Kollegen zeigen bereits im Tiermodell ermutigende Ergebnisse. Deshalb beantragen wir gerade Gelder für weitere Forschung“, erklärt Bufe. Die Arbeitsgruppe konnte auch die Forschungsgruppe von Prof. Frank Kirchhof vom Universitätsklinikum Homburg/Saar für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Gemeinsam planen sie, Entzündungsprozesse, wie sie für Alzheimer typisch sind, direkt im lebenden Mausgehirn zu beobachten und durch Gabe von Rezeptorwirkstoffen die Entzündungsreaktionen zu lindern.