Forscher identifizieren neue Alzheimer-Biomarker-Gene27. Juli 2021 Virtuelles Foto der Forschergruppe (im Uhrzeigersinn v.l.o): Dr. Valerija Dobricic, Fr. Olena Ohlei, Dr. Christina Lill, Prof. Lars Bertram (Quelle: Universität zu Lübeck) Spiegel von etablierten Alzheimer-Biomarkern im Nervenwasser werden durch neue Gene beeinflusst: Unter Federführung der Lübecker Interdisziplinären Plattform für Genomanalytik hat ein Team internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Alzheimer Biomarkerforschung gewonnen. Ziel der Studie war die Identifikation neuer Gene, die etablierte Alzheimer-Biomarker im Nervenwasser beeinflussen. Hierzu wurden genomweite Daten bei rund 700 Studienteilnehmern mit verfügbaren Liquor-Biomarkern erhoben und detailliert untersucht. Speziell ging es mittels einer genomweiten Assoziationsstudie um die Fragestellung, welche Gene die Liquor-Konzentrationen der drei im Fokus stehenden Biomarker (Neurofilament light chain [Nfl], YKL-40 und Neu-rogranin [Ng]) determinieren. Zwei neue Gene identifiziert und ein Befund bestätigt Mittels genomweiter Assoziationsanalysen wurden die beiden Gene TMEM106B und CPOX, die die Biomarker NfL beziehungsweise YKL-40 beeinflussen, neu identifiziert und ein früherer Befund für das CHI3L1-Gen in Bezug auf YKL-40 bestätigt. Die EMIF-AD-GWAS-Befunde wurden anhand einer zweiten, unabhängigen Stichprobe der Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative(ADNI)-Studie validiert. Damit zeige die Lübecker Studie erstmals genetische Zusammenhänge auf, die zu einem besseren Verständnis der Alzheimer-Biomarkerforschung führen können, erklärte die Universität in einer Pressemitteilungen. Manhattan-Plot der GWAS-Befunde, die ein starkes genetisches Signal zwischen Liquor-Nfl-Spiegeln und genetischen Varianten in der TMEM106B-Region auf Chromosom 7 zeigen. (Quelle: Universität zu Lübeck) „Insbesondere unser Befund einer genetischen Assoziation zwischen TMEM106B und Nfl-Spiegeln im Liquor der EMIF-AD-Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer war völlig unerwartet und wirft ein neues Licht auf die pathophysiologischen Zusammenhänge der Alzheimer-Krankheit“, sagt Prof. Lars Bertram, Letztautor der Studie. Neues Verständnis der Alzheimer-Erkrankung „Nfl wurde vor kurzem als ein wichtiger prognostischer Marker im präklinischen Stadium der Alzheimer-Krankheit postuliert. Unklar war allerdings, ob es sich hierbei um Befunde handelt, die schon vor oder erst nach dem Einsetzen der ersten neurodegenerativen Veränderungen der Krankheit auftritt. Unsere neuen Ergebnisse deuten jetzt darauf hin, dass die beobachteten Änderungen der Nfl-Spiegel dem Krankheitsprozess vorausgehen,“ ergänzt Bertram. Dass die Assoziation mit dem Transmembranprotein 106B (TMEM106B) beobachtet wurde, ist auch deshalb interessant, da diese vorher nicht mit dem Risiko der Alzheimer-Krankheit, sondern mit einer anderen Erkrankung in Verbindung gebracht wurde. „TMEM106B wurde bisher eher mit einer anderen Form der Demenz, der frontotemporalen Demenz, in Verbindung gebracht. Dass es jetzt auch im Kontext der Alzheimer-Krankheit eine Rolle zu spielen scheint, könnte auf eine bisher unbekannte pathophysiologische Verbindung zwischen den beiden Erkrankungen hindeuten“, sagt Dr. Christina Lill, Koautorin der Studie und LIGA-Mitarbeiterin. Originalpublikation: Hong S et al. TMEM106B and CPOX are genetic determinants of cerebrospinal fluid Alzheimer’s disease biomarker levels. Alzheimers Dement, 14. Mai 2021
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