Forscher machen Alpha-Synuclein-Aggregate bei MSA in vivo sichtbar

Weiße Pfeile zeigen die Anhäufung von 18F-SPAL-T-06 an, was auf α-Synuclein-Aggregate im Putamen hindeutet, gelbe Pfeile in der Pons, ein gelbes Dreieck in der weißen Substanz des Kleinhirns und ein weißes Dreieck in den Pedunculi cerebri. Die roten Pfeile zeigen dagegen die Anreicherung von 18F-SPAL-T-06 im Plexus choroideus außerhalb des Hirngewebes an, die als unabhängig von α-Synuclein-Aggregaten angesehen wird. MSA-P: Multiple Systematrophie mit vorherrschendem Parkinsonismus; MSA-C: Multiple Systematrophie mit vorherrschender Kleinhirnataxie. (© Makoto Higuchi, National Institutes for Quantum Science and Technology)

Japanischen Forschern ist es gelungen, α-Synuclein-Pathologien bei Patienten mit Multisystematrophie (MSA) zu visualisieren. Damit könnte die MSA-Diagnose künftig durch Bildgebung unterstützt und abgesichert werden.

Alpha-Synuclein ist ein neuronales Protein, das an Funktionen wie dem Vesikeltransport und der Freisetzung von Neurotransmittern beteiligt ist. In einem gesunden Gehirn ist es in der Regel in großer Menge vorhanden. Seine Aggregation steht jedoch in engem Zusammenhang mit mehreren neurodegenerativen Erkrankungen, darunter die Parkinson-Krankheit, die Multisystematrophie (MSA) und die Lewy-Körper-Demenz.

MSA ist eine Bewegungsstörung, die auch das autonome Nervensystem betrifft. Daher könnte die Darstellung von α-Synuclein-Aggregaten in vivo (oder direkt in einem lebenden Organismus) eine potenzielle diagnostische Bestätigung für MSA sein. Bislang scheiterte dies jedoch an ausreichend empfindlichen Bildgebungstechniken.

Nun haben Forscher des National Institutes for Quantum Science and Technology in Zusammenarbeit mit drei Pharmaunternehmen einen Erfolg erzielt und α-Synuclein-Aggregate in den Gehirnen von Patienten sichtbar gemacht. Zu diesem Zweck entwickelte das Team einen Radioliganden, 18F-SPAL-T-06, der als Sonde für die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) verwendet werden kann.

Vor den klinischen Untersuchungen hatten die Wissenschaftler In-vitro-Studien zu den Bindungseigenschaften von 18F-SPAL-T-06 an postmortalem Hirngewebe von MSA-Patienten und gesunden Personen durchgeführt, die vielversprechende Ergebnisse lieferten. In die ersten Bildgebungsstudien am Menschen nahmen die Forscher drei Patienten, bei denen die MSA klinisch diagnostiziert worden war, und einen 72-jährigen gesunden Kontrollprobanden auf. Von den drei MSA-Patienten wurden zwei als MSA mit vorherrschendem Parkinsonismus (MSA-P) und einer als MSA mit vorherrschender Kleinhirnataxie (MSA-C) identifiziert. Bei allen Patienten wurden PET-Scans mit 18F-SPAL-T-06 durchgeführt, und die spezifische Bindung wurde anhand der Radioligandenretention im Gewebe geschätzt. “Bemerkenswerterweise beobachteten wir eine verstärkte Retention von 18F-SPAL-T-06 im Putamen, in der Pons und in der weißen Substanz sowie den Stielen des Kleinhirns der Patienten mit MSA-P und MSA-C, ganz im Gegensatz zu den minimalen Radiosignalen in den entsprechenden Hirnregionen der Kontrollperson”, erklärte Dr. Makoto Higuchi.

Die Forscher fanden auch heraus, dass 18F-SPAL-T-06 eine hohe Affinität für α-Synuclein-Aggregate vom MSA-Typ aufweist und nicht mit anderen Off-Target-Komponenten kreuzreagiert, was auf seine hohe Spezifität und damit auf seine potenzielle Verwendung als Sonde für die MSA-Diagnose hinweist.

“Unsere Ergebnisse sind ermutigend, und Untersuchungen zur Visualisierung von α-Synuclein-Aggregaten bei anderen α-Synucleinopathien sind derzeit im Gange”, erklärte die Forscher mit Blick auf die langfristigen Anwendungen ihrer Arbeit.