Forscher entwickeln Gentherapie gegen Epilepsie21. Juni 2022 Prof. Regine Heilbronn, Co-Gründerin EpiBlok, und Thomas Gazlig, Leiter Charité BIH Innovation, unterzeichnen den Lizenzvertrag. (Foto: BIH/Britta Althausen) Eine Ausgründung von Charité und Medizinischer Universität Innsbruck, die EpiBlok Therapeutics GmbH, entwickelt eine Gentherapie, bei der ein Adeno-assoziiertes-Virus das Gen für das Neuropeptid Dynorphin gezielt in Neurone einbringen soll. Ziel ist eine langfristige Unterdrückung von epileptischen Anfällen, indem die Nervenzellen Dynorphin auf Vorrat produzieren und bei Bedarf ausschütten. Bei einem epileptischen Anfall entladen sich schlagartig ganze Nervenzellgruppen und verursachen damit ungewollte Bewegungen oder Befindensstörungen. Vor allem bei fokalen Epilepsien versagen Medikamente häufig und haben starke Nebenwirkungen, die auch Lernen und Gedächtnis beeinträchtigen können. „Vielen Betroffenen können wir leider nicht wirklich gut helfen“, sagt Prof. Regine Heilbronn, Leiterin der Arbeitsgruppe Gentherapie an der Klinik für Neurologie der Charité – Universitätsmedizin und Mitgründerin der EpiBlok GmbH. „Selbst die Epilepsiechirurgie garantiert keine dauerhafte Anfallsfreiheit. Deshalb haben wir einen konzeptionell neuen Therapieansatz entwickelt.“ „Drug-on-Demand-Therapie“ Der neue Ansatz des Teams beruht auf einem Genvektor, der direkt in den Fokus der Epilepsie eingebracht wird und dort dauerhaft schützende Neuropeptide produziert. Bei der fokalen Epilepsie ist häufig die Konzentration des Neuropeptids Dynorphin zu niedrig. Die Wissenschaftler wollen daher mithilfe eines Genvektors das Dynorphin-Gen in die betroffenen Nervenzellen einschleusen. Diese beginnen daraufhin, das Dynorphin-Peptid zu produzieren und zu speichern. Prof. Christoph Schwarzer, Neuropharmakologe an der Universität Innsbruck, und Mitgründer von EpiBlok, erklärt das Besondere an der Therapie: „Es handelt sich in diesem Fall um eine ‘Drug on demand’-Therapie: Die Nervenzellen schütten das gespeicherte Peptid nur dann aus, wenn es gebraucht wird. Das ist der Fall, wenn die Nervenzellen in dauernder Erregung sind, wie zu Beginn eines epileptischen Anfalls. Das Dynorphin hemmt dann die Erregung, das Gewitter flaut ab.“ In Mäusen konnten die Wissenschaftler bereits zeigen, dass die Gentherapie sicher ist und nach einmaliger Anwendung epileptische Anfälle zuverlässig für mehrere Monate unterdrückt. Als Vehikel für das Dynorphin-Gen benutzen sie Adeno-assoziierte Virus-Vektoren (AAV), die für die Gentherapie einiger Krankheiten bereits klinisch zugelassen sind. Für die präklinischen Studien an der AAV-basierten Gentherapie gegen fokale Epilepsie erhielt Heilbronn bereits eine Förderung in Höhe von 3,3 Millionen Euro über das GO Bio Programm des Bundesforschungsministeriums. Nächster Schritt: Klinische Studie Mithilfe der neu geründeten Firma will das Team um Heilbronn und Schwarzer nun den Sprung in die Klinik wagen. „Mit der EpiBlok Therapeutics GmbH wollen wir den AAV-Vektor in größeren Mengen und in der geforderten hohen Qualität herstellen, um eine erste klinische Studie auf den Weg zu bringen.“
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