Forschung gegen Atemnot: EU fördert Entwicklung von Immunzelltherapie bei Lungenfibrose

Darstellung Lungenfibrose. (Abbildung/KI-generiert: Muhammed/stock.adobe.com)

Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelt im Projekt BREATH-EC einen innovativen Therapieansatz gegen Lungenfibrose. Gentechnisch veränderte Makrophagen sollen krankhafte Vernarbungsprozesse erkennen und gezielt hemmen.

Neben der MHH arbeiten weitere Unikliniken und Firmen aus Deutschland, Schweden, England, Südkorea, Portugal, Irland, Italien und Belgien an dem Projekt. Aus Deutschland sind das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) und das Universitätsklinikum Freiburg beteiligt. Die Europäische Union (EU) fördert dieses Vorhaben mit rund zehn Millionen Euro.

„Unser Ziel ist es, mithilfe bestimmter Immunzellen den Verlauf von Lungenfibrose zu stoppen und eventuell sogar umzukehren. Dazu nutzen wir gentechnisch veränderte Makrophagen“, erläuter Prof. Nico Lachmann von der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der MHH. Er koordiniert das auf vier Jahre angelegte EU-Verbundprojekt.

Immunzellen erkennen und hemmen die Fibrose

Das Forscherteam generiert Makrophagen aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) oder gewinnt sie aus Spenderblut. „Dann verändern wir die Makrophagen genetisch. So können sie sowohl frühe Merkmale der Fibrose in der Lunge erkennen als auch gegen sie direkt einwirken“, erläutert Lachmann. „Die Makrophagen fangen Botenstoffe ab, die Fibrose fördern, und produzieren vor Ort Antikörper, die Fibrose hemmen.“

Das langfristige Ziel des Projektes ist es, die gentechnisch veränderten Makrophagen den Patienten per Bronchoskopie zu verabreichen. So soll die Fibrose in der Lunge – zumindest in einem frühen Krankheitsstadium – gestoppt und eventuell auch umgekehrt werden können. Darüber hinaus sollen von den Forschungsergebnissen auch weitere innovative Therapien für fibrotische Erkrankungen profitieren, einschließlich der Leber und des Herzens.

Nico Lachmann im Labor. (Copyright: Karin Kaiser/MHH)

Zell- und Gentherapien bei Lungenerkrankungen

Das Forschungsteam nutzt die einzigartige Funktion von Makrophagen und zielt darauf ab, dass die optimierten Zellen die fehlgesteuerte Entzündung wieder ins Gleichgewicht bringen. Diese Art der Zelltherapie ist für unterschiedliche Lungenerkrankungen denkbar. Denn die Möglichkeiten, Immunzellen mit neuartigen, therapierelevanten Genen auszustatten und damit zu verbessern, kann vielseitig eingesetzt werden. Das BREATH-EC Projekt erfüllt damit ein zentrales Ziel der Hightech-Agenda der Bundesregierung im Bereich der Zell- und Gentherapien sowie des Zentrums für Gen- und Zelltherapie der MHH.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat die Antragstellung finanziell unterstützt. Lachmann ist Forscher im Exzellenzcluster RESIST und im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL)-Standort Hannover an der MHH. Im DZL untersucht er die Funktion von Makrophagen bei unterschiedlichen Lungenerkrankungen, um neue Zell- und Gentherapieverfahren gezielt für Fresszellen zu entwickeln.