Forschungprojekt testet Training für psychisch kranke Eltern13. Februar 2018 Foto: © pavel_shishkin – Fotolia.com Ein Forscherteam aus Marburg, Gießen und drei weiteren deutschen Universitäten möchte herausfinden, ob sich ein spezielles Elterntraining positiv auf die Kinder von Personen auswirkt, die an einer psychischen Erkrankung leiden. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert das Projekt „COMPARE-family“ in den kommenden vier Jahren mit mehr als zwei Millionen Euro. Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Sucht oder Schizophrenie sind nicht nur mit erheblichen Beeinträchtigungen für die Betroffenen verbunden, auch das soziale Umfeld leidet unter den tabuisierten Krankheiten. Fachleute schätzen, dass etwa 25 Prozent der Minderjährigen in der Bundesrepublik ein psychisch erkranktes Elternteil haben. „Für diese Kinder und Jugendlichen ist es besonders schwer zu verstehen, warum Mama oder Papa sich plötzlich anders verhalten als bisher, nicht mehr mit ihnen spielen oder lachen können“, erklärte Projektleiterin Prof. Hanna Christiansen von der Philipps-Universität. „Viele dieser Kinder müssen mehr Verantwortung übernehmen, als es in ihrem Alter angemessen ist“, ergänzte die Psychologin. „Sie machen sich Sorgen um ihre Eltern und suchen die Schuld für deren Verhalten bei sich selbst, weil sie nicht verstehen, worunter die Eltern leiden.“ All diese Belastungen können sich in Schulversagen, stressverbundenen Krankheiten oder Verhaltensauffälligkeiten niederschlagen. Hinzu kommt, dass die betroffenen Kinder ihrerseits ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, an einer psychischen Störung zu erkranken. Dieses erhöhte Risiko ist einerseits damit zu erklären, dass psychische Störungen teilweise genetisch bedingt sind. Zum anderen sind die Kinder durch die Erkrankung der Eltern stärker belastet. „Es ist daher dringend notwendig, präventive Angebote zu initiieren, um den Teufelskreislauf zu durchbrechen und zu verhindern, dass die Kinder selbst erkranken“, betonte Christiansen. „Faktisch bestehen in unserem Gesundheitssystem jedoch kaum Möglichkeiten, sich diesen Kindern zu widmen, solange sie selbst noch nicht erkrankt sind.“ In der Forschung wurde das Thema bislang kaum behandelt. Nun sollen Eltern, die unter einer psychischen Störung leiden und Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren haben, in einer multizentrischen Studie psychotherapeutisch behandelt werden. Die Hälfte der Eltern erhält zusätzlich ein Elterntraining, das sogenannte Positive Erziehungsprogramm „Triple P“. Für die Studie sucht das Marburger Wissenschaftlerteam ab Januar 2018 noch Teilneh-merinnen und Teilnehmer. Selbstverständlich unterliegen die Wissenschaftler bei allen Erhebungen der Schweigepflicht.
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