Forschungsförderung zum besseren Verständnis von Polyneuropathien

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Ein Konsortium aus Essen, Heidelberg, Leipzig und Münster will die Pathophysiologie von Polyneuropathien besser verstehen. Im Fokus ihrer Forschung steht der Lipidstoffwechsel in den peripheren Nerven. Das Ziel ist, Diagnostik und Therapie zu verbessern.

Bei Polyneuropathien sind die peripheren Nerven geschädigt und ihrer Funktion beeinträchtigt. Um neue Therapieoptionen für die daraus resultierenden Beschwerden zu finden, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehrerer deutscher Universitäten im Forschungsverbund LINC (Lipid Immune Nerve Consortium) seit 2022 die lipidreiche Myelinschicht, die jeden Nerv umgibt. Aufgrund der ersten vielversprechende Erkenntnisse des Konsortiums hat der Bund nun eine Anschlussförderung veranlasst.

Laut Angaben des beteiligten Universitätsklinikums Essen wird das Konsortium seine erfolgreiche Arbeit für weitere zwei weitere Jahre fortsetzen. Insgesamt hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) das interdisziplinäre Team aus Wissenschaft und klinischer Praxis über die Gesamtlaufzeit mit fast fünf Millionen Euro gefördert.

Bislang konnten die LINC-Beteiligten zeigen: Bei einer Polyneuropahtie ist das Gleichgewicht der Lipide in der fettreichen Myelinhülle gestört. Das beeinträchtigt einerseits die Funktion der Gliazellen direkt und macht sie anfälliger für Immunreaktionen. Zudem aktiviert es Lipid-erkennende Immunzellen, die das gestörte Myelin dann angreifen. Die noch weiter beschädigte Schutzhülle löst wiederum eine Immunreaktion aus – und der Prozess beginnt von vorn.

Polyneuropathien sicher diagnostizieren

Umfangreiche Tests bestätigten, dass dieser Mechanismus für viele Formen der Polyneuropathie gilt. Außerdem wurde in mehreren Teilprojekten unter anderem festgestellt, dass man die Veränderungen der Nerven zu diagnostischen Zwecken nutzen kann.

Mit dem nun bewilligten Geld will das Konsortium Wege entwickeln, um die Forschungsergebnisse ans Krankenbett zu bringen. Es sollen klinische Studien vorbereitet werden, mit denen die Diagnose und Therapie von Polyneuropathien langfristig verbessert werden soll. Zudem konzentriert sich der Forschungsverbund auf die häufigsten Polyneuropathie-Unterformen, darunter auch solche, deren Ursachen bisher unklar sind.

„Wir wollen die spezifischen genetischen Merkmale und Lipidprofile von unterschiedlichen Polyneuropathie-Formen definieren, um sie derart diagnostizieren zu können. Zudem können diese Profile auch Auskunft geben über den Krankheitsverlauf“, sagt Prof. Mark Stettner, Neurologe am Universitätsklinikum Essen und Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen.

Das langfristige Ziel ist, Tests zu entwickeln, die möglichst breit – beispielsweise in Hausarztpraxen – angewendet werden könnten, um Poylneuropathien sicher zu diagnostizieren. „Der Bedarf ist schon jetzt riesig und wird in einer alternden Gesellschaft weiter wachsen“, prognostiziert Prof. Meyer zu Hörste aus der Uniklinik Münster.