Forschungspreis für Projekt über Lipidstoffwechsel bei Prostatakrebs

Joanna Triscott kam von Kanada über New York nach Bern. Foto: zvg

Die Molekularbiologin Dr. Joanna Triscott ist für ihre Forschungsarbeiten zur Rolle des Phosphatidylinositol(PI)-Signaltransduktionswegs im Prostatakarzinom von der Universität Bern (Schweiz) ausgezeichnet worden.

Sie erhielt den diesjährigen Johanna-Dürmüller-Bol-Forschungspreis des Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern. Der mit CHF 30.000 (ca. 28.000 EUR) dotierte Nachwuchs-Forschungspreis wurde am 03.11.2020 am «Day of BioMedical Research» verliehen.

Ein großes Problem bei fortgeschrittenem, metastasiertem Prostatakarzinom besteht darin, dass dich häufig Resistenzen gegenüber der dabei angewandten Anti-Androgen- oder Hormontherapie entwickeln. «Daher besteht ein großer Bedarf, die Mechanismen, die dieser Resistenzentwicklung zugrundeliegen, aufzuklären», sagt Triscott. Die arbeitet in der Forschungsgruppe Precision Oncology am DBMR.

Weltweit erstes Projekt zu spezifischem Protein bei Prostatakrebs

Prostata-spezifische Charakteristika könnten eine Erklärung bieten, warum gerade dieses Organ dazu neigt, Krebs mit einhergehender Therapieresistenz zu entwickeln. So sind Prostatakrebs-Zellen zum Beispiel stark von Lipiden abhängig. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass die Produktion und die Konzentration von Lipiden stark zunehmen, sobald sich Prostatakrebs entwickelt. Außerdem ergaben genetische Analysen von Tumorbiopsien, dass Mitglieder der PI-Lipid-Familie häufig verändert sind. Tatsächlich existiert eine direkte Verbindung zwischen einigen PI-Signalwegen und dem Androgen-Rezeptor. Gleichzeitig sind die genauen Mechanismen zwischen diesen Proteinen und Prostatakrebs noch ungeklärt.

«Ich bin überzeugt, dass der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie von fortgeschrittenem Prostatakrebs in einem besseren Verständnis dieser zellulären Stoffwechsel-Vorgänge liegt», erklärt Triscott. Ihr Projekt fokussiert sich auf die Charakterisierung der Phosphatidylinositol-5-phosphat-4-Kinase, Typ 2 (PIP4K2). Es handelt sich weltweit um das erste Projekt, das sich mit PIP4K2 in Prostatakrebs beschäftigt. «Mit Hilfe von präklinischen Modellen wollen wir untersuchen, wie sich genetisch modifizierte Prostatakrebszellen, die kein PIP4K2 besitzen, im Vergleich zu Zellen, die PIP4K2, besitzen, verhalten», sagt Triscott. Zudem plant sie, Prostatakrebszellen mit fluoreszierenden Markern sichtbar zu machen, um sie anschließend vor und nach Hormon-Entzug in ihren präklinischen Modellen nachverfolgen zu können. Mittels modernsten Sequenziermethoden wird Triscott außerdem untersuchen, welche Rolle PIP4K2 im Stoffwechsel von AR-unabhängigen Prostatakrebs-Zellen einnimmt. «Mit meiner Arbeit möchte ich klären, ob eine PIP4K2-Abnahme mit der Entwicklung von Prostatakrebs korreliert und ob Medikamente, die PIP4K2 angreifen, eine sinnvolle Strategie bei Prostatakrebs darstellen könnten», erklärt Triscott.

Forschung zur Präzisionsonkologie

Die Wissenschaftlerin (geb. 1988) studierte Molekulare Genetik an der University of Alberta (Kanada). 2015 promovierte sie in Experimenteller Medizin an der University of British Columbia (Kanada). Nach der Promotion war sie am Englander Institute for Precision Medicine, Weill Cornell Medicine in New York in der Forschungsgruppe von Mark Rubin tätig. Als Rubin nach Bern wechselte, folgte sie 2017 seiner Einladung an das DBMR, wo sie nun in Rubins Forschungsgruppe Precision Oncology arbeitet. 2018 wurde Joanna Triscott mit einer Marie Sklodowska-Curie Individual Fellowship der EU-Kommission ausgezeichnet. Sie ist Trägerin mehrerer Preise und Ehrungen und engagiert sich in diversen Programmen für den wissenschaftichen Nachwuchs. Ihre Forschung konzentriert sich auf eine noch wenig erforschte Familie von Enzymen, die an einer Vielzahl von zellulären Schlüsselfunktionen beteiligt sind, um mehr über deren Funktion in der Prostata zu erfahren und neue Therapieansätze gegen Prostatakrebs zu ermöglichen.

Triscotts Forschung zu PIP4K2 wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt und durch ein Marie Skłodowska-Curie Actions(MSCA)-Stipendium gefördert, welches ihr 2018 verliehen wurde. Die Forscherin wird zusätzlich von einem umfassenden wissenschaftlichen Netzwerk unterstützt, zu welchem Dr. Brooke Emerling (Sanford Burnham Prebys, USA) und zahlreiche Kooperationspartner des Weill Cornell Medicine Instituts (New York City, USA) zählen. Wichtig für ihren präzisionsmedizinischen Ansatz ist auch das Bern Center for Precision Medicine (BCPM) der Universität Bern und Inselspital, Universitätsspital Bern.

(Universität Bern / ms)