Fortgeschrittenes Urothelkarzinom: Salvage-Boost mit Ipilimumab zeigt Wirkung

Bei Progress unter Erhaltungstherapie kann ein maßgeschneiderter Immun-Boost helfen, berichten Grimm und Kollegen. Foto: tashatuvango

Wie sicher und aktiv ist die Induktionstherapie mit Nivolumab mit hochdosiertem Ipilimumab als Boost bei Non-Respondern in der Zweitlinie beim metastasierten Urothelkarzinom? Dieser Frage gingen Prof. Marc-Oliver Grimm vom Universitätsklinikum Jena und seine Kollegen in der TITAN-TCC-Studie nach.

Ihr Fazit: Die Behandlung mit Nivolumab bzw. Nivolumab plus Ipilimumab-Boost bei frühen Non-Respondern und Patienten mit später Progression verbesserte die Gesamtansprechrate (ORR) nach vorheriger platinbasierter Chemotherapie signifikant im Vergleich zu der Rate, die mit Nivolumab in der CheckMate-275-Studie beobachtet wurde.

Die multizentrische, 1-armige Phase-II-Studie wurde an 19 Einrichtungen in Deutschland und Österreich durchgeführt. Teilnahmeberechtigt waren Erwachsene mit histologisch bestätigtem metastasierten oder nicht resezierbarem Urothelkarzinom der Blase, der Harnröhre, des Harnleiters oder des Nierenbeckens. Die Patienten mussten eine Progression während/nach einer platinbasierten Chemotherapie in der Erstlinie und ≤1 weitere Zweit- oder Drittlinientherapie aufweisen, einen Karnofsky-Performance-Score von ≥70 und eine messbare Erkrankung gemäß Response Evaluation Criteria in Solid Tumors (RECIST) V. 1.1.

Nach 4 Dosen Induktionsmonotherapie mit 240 mg intravenösem Nivolumab alle 2 Wochen setzten Patienten mit partiellem oder vollständigem Ansprechen in Woche 8 die Nivolumab-Erhaltungstherapie fort. Hingegen erhielten jene mit stabiler oder fortschreitender Erkrankung (Non-Responder) in Woche 8 einen Boost in Form von 2 oder 4 Dosen intravenösem Nivolumab (1 mg/kg) plus Ipilimumab (3 mg/kg alle 3 Wochen). Patienten, bei denen es unter der Nivolumab-Erhaltungstherapie zu einer Progression kam, erhielten ebenfalls einen Boost nach diesem Schema.

Wie den Ergebnissen zu entnehmen ist, erhielten alle 83 aufgenommenen Patienten mit metastasiertem Urothelkarzinom eine Nivolumab-Induktionsbehandlung (Intention-to-treat[ITT]-Population; Zeitraum 08.04.2019-15.02.2021). Das mediane Alter betrug 68 Jahre (IQR 61–76; 57 Männer [69%]; 26 Frauen [31%]). Mindestens eine Boost-Dosis hätten 50 Patienten (60%) erhalten, berichtet das Team. Bei 27/83 Patienten in der ITT-Population (33%) wurde ein bestätigtes, vom Prüfarzt beurteiltes objektives Ansprechen verzeichnet, darunter 6 (7%) vollständig ansprechende Patienten. Damit lag diese ORR deutlich über dem vorab festgelegten Schwellenwert von ≤20% (33%; 90%-KI 24–42; p=0,0049).

Die häufigsten Nebenwirkungen von Grad 3/4 waren immunvermittelte Enterokolitis (9 Patienten [11%]) und Diarrhoe (5 [6%]). Zwei behandlungsbedingte Todesfälle (2%) seien gemeldet worden, beide aufgrund einer immunvermittelten Enterokolitis, ergänzen die Autoren.

(sf/ms)